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23. Dezember 2012

Weisheit des lächelnden Lebens

古文小品譯英 Gǔwén xiǎopǐn yìyīng (alt + Kultur + klein + Artikel + übersetzen + englisch)
The Importance of Understanding
Autor: Lín Yǔtáng (林語堂)
1960

„Dieses Werk ist für uns Europäer ein Wegweiser zur Freude am Dasein, und seine Lektüre ist nicht nur für Freunde asiatischer Kultur ein Genuss, sondern für alle, die sich um eine sinnvolle und reiche Entfaltung ihres Lebens bemühen. Es fordert humorvoll-ironisch zum ‚Glück ohne Ruhm und Reichtum‘ auf, zum Glück des Müßiggangs, der Freundschaft, der Geselligkeit, des Gesprächs, des Rauchens, Trinkens und des Tees. Mit ihm öffnet uns ein Epikur des Ostens eine philosophische Schatzkammer.“
(Klappentext zur deutschen Erstausgabe von 1963)

 

„Dieser Mann ist kein gewöhnlicher Chinese, er ist auch nicht ungewöhnlich, er ist einzigartig. Er ist Chinese aus tiefster Seele, weit mehr Chinese als die meisten seiner westlich erzogenen Landsleute. Er hat mehr als irgendein anderer getan, um China der westlichen Welt verständlich zu machen, und nicht nur verständlich, sondern liebenswert.“
(Pearl S. Buck über Lin Yutang)

Aus dem Inhalt
Auffassungen von Menschen
Unser tierisches Erbe
Wer genießt das Leben am besten?
Wert des Müßiggangs
Der Mensch das einzige Arbeitstier
Diese Erde der einzige Himmel
Der Zivilisationsunfug der Ehelosigkeit
Von der Kunst auf anmutige Weise alt zu werden
Vom Im-Bett-Liegen
Von der Unmenschlichkeit der europäischen Kleidung
Haus und Einrichtung
Wissen mit Geschmack verbunden
Kunst als Spiel und Ausdruck der Persönlichkeit
Kunst des Lesens und Schreibens
Warum ich Heide bin
Wir müssen unser Denken mehr auf den Menschen abstellen
Rückkehr zur gesunden Vernunft

Leseprobe

„Zu dem Chinesen, wie wir ihn geschildert haben, bildet der Amerikaner das kuriose Gegenstück. Die charakteristischste Reklame, die ich je gesehen habe, stammte von einem Unternehmen für Maschinenbau und verkündete in Riesenbuchstaben: ‚Beinahe richtig genügt nicht!‘ Das Verlangen nach einer solchen hundertprozentigen ‚Efficiency‘ berührt beinahe obszön. Es ist den Amerikanern nicht abzugewöhnen, daß sie aus dem beinahe Richtigen immer noch etwas Besseres machen wollen, während für den Chinesen ‚beinahe richtig‘ durchaus genügt.

Die drei großen amerikanischen Fehler sind meiner Meinung nach das Funktionieren (was sie ‚Efficiency‘ nennen), die Pünktlichkeit und das Streben nach Leistung und Erfolg. Diese Fehler sind schuld daran, daß die Amerikaner so unglücklich und nervenschwach sind. Sie lassen sich durch diese Untugenden ihr unveräußerliches Recht auf das gegebene Maß von Müßiggang beschneiden und sich so manchen guten und faulen Nachmittag abgaunern, den sie sonst im Nichtstun verbrächten. Der Mensch bedarf von Anfang an des zuversichtlichen Glaubens, daß es in dieser Welt keine katastrophalen Ereignisse gibt, und daß neben der edlen Kunst des Erledigens die noch edlere Kunst steht, die Dinge unerledigt zu lassen. Wer alle Briefe pünktlich beantwortet, der kommt, genau besehen, auch zu keinem wesentlich anderen Ergebnis, als wer sie grundsätzlich unbeantwortet läßt. Im Grunde passiert ja doch nichts, und wenn man auch die eine oder andere gute Begegnung verpassen mag, so erspart man sich im Zweifel dafür allerlei Unannehmlichkeiten. Die meisten Briefe sind keine Antwort mehr wert, wenn man sie erst einmal ein Vierteljahr in der Schublade liegen läßt; liest man sie dann noch einmal durch, so wird man sehen, wie völlig fruchtlos und was für eine Zeitverschwendung es gewesen wäre, wenn man sie alle beantwortet hätte. …

Ich wende mich nicht dagegen, daß unter der Herrschaft der ‚Efficiency‘ alles, und zwar tadellos, erledigt-wird. Ich habe selber zu amerikanischen Wasserhähnen weit mehr Zutrauen als zu solchen, die in China hergestellt sind, denn die amerikanischen Hähne lecken nicht, und das ist tröstlich zu wissen. ...

Unser Einwand gegen den Geist der Tüchtigkeit richtet sich nicht dagegen, daß er die Dinge zu erledigen trachtet; sondern dagegen, daß er uns die Zeit stiehlt, indem er uns keine. Muße läßt, ein freudiges Leben zu führen, sondern vor lauter Vollkommenheitsmanie unsere Nerven zerrüttet.

In Amerika läßt sich ein Schriftleiter buchstäblich graue Haare wachse vor Sorge, daß nur auch ja keine Druckfehler in seiner Zeitschrift stehen bleiben. Da sind die Schriftleiter in China klüger: sie wünschen geradezu, daß den Lesern die köstliche Genugtuung bleibe, noch den oder jenen Druckfehler im Blättchen entdecken zu können. Damit nicht genug: in einer chinesischen Zeitschrift kann es vorkommen, daß man einen Fortsetzungsroman zu drucken anfängt und mitten drin vergißt. In Amerika würde so etwas den Redakteuren Kopf und Kragen kosten, in China aber ‚hat es nichts zu sagen, weil es ja doch nichts zu sagen hat‘. Wenn amerikanische Ingenieure eine Brücke bauen, so berechnen sie alles so wunderbar genau, daß die beiden Enden auf einen Zehntel Zoll aufeinandertreffen. Fangen aber zwei Chinesen an, von beiden Seiten eines Berges einen Tunnel zu graben, so kommt jeder auf eigene Faust drüben an. In einem solchen Fall sagt man sich hierzulande fromm und bieder, es schade weiter nichts, denn der Tunnel selber sei ja gebaut, und wenn wir nun deren zwei hätten, nur um so besser: so könne man obendrein zwei Gleise legen. Wenn es nicht eilt, ist in der Tat nicht zu bestreiten, daß zwei Tunnels denselben Dienst tun wie einer, wenn sie nur irgendwie gegraben und fertig gebaut werden, und wenn der Zug irgendwie durchkommen kann.“
(Lin Yutang: Weisheit des lächelnden Lebens: Stuttgart, DVA)


Bücher von Lin Yutang 林語堂
Mein Land und mein Volk 吾國與吾民 - Weisheit des lächelnden Lebens 古文小品譯英 

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