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09. Dezember 2012

Warlords

軍閥 jūnfá (Armee + Clique

1912 - 1945

„Es gab keine allgemeine Wehrpflicht. Freiwillig trat kein Chinese in die Armee, denn das Los des einfachen Soldaten war trostlos. ‚Aus gutem Eisen macht man keine Nägel; ein guter Mann wird nicht Soldat. [好鐵不打釘,好人不當兵。Hǎo tiě bù dǎ dīng, hǎo rén bù dàng bīng.]’ Man wird jetzt fragen, woher die Warlords ihre Söldner hatten. Durch Zwangsrekrutierung.

Ich war noch ein Kind und ging eines Tages mit meinem Diener, Zhang Er, über einem Rummelplatz. Plötzlich entstand ein Tumult. Zwei junge Männer beschimpften und prügelten sich. Die Chinesen sind neugierig; bald sammelte sich eine große Menschenmenge um die beiden. Zhang Er sagte mir: ‚Gehen wir schnell weg, es ist hier nicht geheuer.’
 
Auf dem Rückweg erklärte er mir: ‚Die beiden Kerls sind Rekrutierungsoffiziere. Sobald der Andrang groß genug ist, kommen Soldaten. Die Frauen und Kinder werden abgesondert und zurückgelassen, die Männer wandern in die Kaserne. Ihnen werden die nichts antun, aber ich will nicht Soldat werden, und wie können Sie ohne mich nach Hause zurückfinden.’“
(Ce Shaozhen: Flaneur im alten Peking)

Die chinesischen Warlords (Kriegsherren) im frühen 20. Jahrhundert waren lokale Despoten, die eine oder mehrere Provinzen besetzt hielten und von der Zentralregierung praktisch unabhängig waren. Manche von ihnen waren ganz einfach Banditenführer, die genug Räuber befehligten. Nahrungsmittelvorräte wurden von denen genommen, die sich am wenigsten wehren konnten - von den Bauern. Als diese immer mehr verarmten, hatten sie keine andere Wahl, als sich in den Armeen zu verdingen und mussten jetzt andere Bauern ausplündern.

Manche Warlords gaben eigene Währungen heraus und lagen zumeist miteinander in Fehde. Zwischen 1916 und 1926 führten sie fast ständig Krieg, wobei sie heute miteinander verfeindet, morgen verbündet waren.
馮玉祥
Féng Yùxíang
基督将军
der christliche General

Féng trat im Alter von 14 Jahren der Armee von Yuán Shìkǎi (袁世凱) bei und bekehrte sich zum Christentum. Nach dem Sturz von Yuan Shikai 1916 begann seine Karriere als Kriegsherr. Er führte in den von ihm kontrollierten Gebieten eine Mischung von christlichem Sozialismus und militärischer Disziplin ein und soll seine Soldaten mit einem Feuerwehrschlauch getauft haben.

張作霖
Zhāng Zuòlín
大帥
der Alte Marschall

Zur Zeit des Kaiserreiches wurde die Mandschurei von Räuberbanden unsicher gemacht. Einer der Banditenführer Zhang Zuolin wurde so mächtig, dass der kaiserliche Gouverneur gezwungen war, ihn und seine Bande in die Regierungstruppen einzureihen.
Nach dem Sturz der Monarchie wurde er Herrscher der drei Nordost-Provinzen. Er kam mit Hilfe der Japaner an die Macht, die ihn durch einen ihrer Offiziere ermorden ließen.

張學良
Zhāng Xuéliáng
少帥
der Junge Marschall

„Der Junge Marschall“ beherrschte nach der Ermordung seines Vaters Zhang Zuolin 1928 Nordostchina.
Als Anstifter des Zwischenfalls von Xi'an verbrachte er mehr als die Hälfte seines Lebens unter Hausarrest; wird jedoch in der Volksrepublik China als patriotischer Held betrachtet. Bei diesem Zwischenfall wurde Chiang Kai-shek festgenommen, um ihn zu einer Einheitsfront mit den Kommunisten gegen die Japaner zu zwingen.

吳佩孚
Wú Pèifú
玉帥
der Jademarschall
Seine Truppen gehörten zu den am besten trainierten. Von Wu heißt es außerdem, dass er den größten Diamanten der Welt besaß.
馬步芳
Mǎ Bùfāng
青海王
der König von Qinghai

Mǎ Bùfāng war der Muslim-chinesische Gouverneur von Qinghai. Nach Kriegsende war er von 1957 – 61 Botschafter der Republik China in Saudi-Arabien.
„Betteln war verboten. Blinde gab es auch nicht. Sie befinden sich alle in einem Kohlenbergwerk. Alle Blinden werden dort hineingetrieben, um in den Schächten zu arbeiten. So konnte Ma sich sogar die Beleuchtungskosten sparen.“  
(Ce Shaozhen: Flaneur im alten Peking, S. 153f)

盛世才
Shèng Shìcái
新疆王
der König von Xinjiang

Xīnjiāng (新疆) war unter Shengs Herrschaft nur dem Namen nach ein Teil Chinas. Seine Anweisungen bekam Sheng vom sowjetischen Konsulat.
„Wie Sheng Shicai die Provinz (Xinjiang) verwaltete, läßt sich am besten anhand einer Frage darstellen, die lange nach seinem Sturz immer wieder gestellt wurde. Jedesmal wenn sich zwei fremde Leute kennenlernten, fragten sie einander: „In welchem Gefängnis saßen Sie?“ genau so, wie man woanders fragte: „Wo haben Sie studiert?“
(Ce Shaozhen: Flaneur im alten Peking, S. 153f)

韓復榘
Hán Fùjǔ
山東王
der König von Ost-Shandong

„General Han war bis zur Besetzung Shandongs durch die Japaner unumschränkter Herrscher der Provinz. Als die Japaner angriffen, floh er, ohne einen Schuß abgegeben zu haben, und überließ Provinz und Bevölkerung dem Feind. Er wurde 1938 in Hankou standrechtlich erschossen.
Bei einem Fußballwettkampf der Studenten in seiner Hauptstadt soll er dem Direktor des Schulamts, Herrn He, gesagt haben: „Warum läßt du die armen Jungen um einen einzigen Ball kämpfen, kauf doch jedem einen. Das kostet nicht viel, und der Streit ist beigelegt.“
(Ce Shaozhen: Flaneur im alten Peking, S. 153f)

閻錫山
Yán Xíshān
模范
der Mustergouverneur
„Aus irgendeinem Grund trug er den Titel „Muster-Gouverneur“, jedenfalls nannte die ausländische Presse ihn so. Er machte sich zum Alleinherrscher der Provinz Shanxi. Chiang Kai-shek konnte nicht umhin, ihn als Gouverneur der Provinz anzuerken-nen, da seine Kräfte nicht ausreichten, in dieses gebirgige Land vorzustoßen; er hatte wohl auch anderswo noch genug zu tun.“
(Ce Shaozhen: Flaneur im alten Peking, S. 153f)
 

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