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27. April 2012

Tätowieren

入れ墨 irezumi
刺青 shisei (stechen + blaugrün, jung)
文身  bunshin (Linie, Streifen + Körper)
黥 gei (Tätowieren als Strafe)

 
Badeverbot für Tätowierte
(Foto: Wikimedia-Nutzer Sean Wilson)
 
„In Japan gelten Tattoos, die dort gewöhnlich in einer wunderbaren, hochkünstlerischen Art angefertigt werden, trotz aller künstlerischen Meisterschaft als Kennzeichen der Yakuza. Und sind damit gesellschaftlich in höchstem Maße verpönt. Ein guter Freund von mir (Europäer) bekam kürzlich in einem Schwimmbad in Osaka massive Schwierigkeiten, weil er sich ein Tattoo auf den Rücken hatte stechen lassen (japanisches Motiv, Schriftzeichen).

Man warf ihn nicht etwa raus, das wäre nicht die ‚japanische Art' gewesen. Nöö, man bedient ihn einfach nicht, ließ sein Eintrittsgeld auf dem Tresen unbeachtet liegen, ignorierte ihn, bis er Krach schlug (er spricht fließend Japanisch). Dann bedeutete man ihm sehr höflich, daß er nicht erwünscht sei, da sein Tattoo bei den anderen Badegästen ‚unangenehme Assoziationen‘ (Yakuza) wecken könne.“

(http://www.stilmagazin.com/forum/lounge/7560-tattoos-per-se-stillos.html)

Tätowieren wird in Japan meistens mit den Berufskriminellen der Yakuza (ヤクザ) in Verbindung gebracht. Das war allerdings nicht immer so. Die ersten schriftlichen Belege stammen aus einer chinesischen Geschichtsbeschreibung des Jahres 297, in der es über Japan heißt es: „Männer, jung und alt, tätowieren alle ihre Gesichter und dekorieren ihre Körper mit Muster.

Bis zum 7. Jahrhundert hatten die japanischen Herrscher bereits Vieles von der chinesischen Kultur übernommen und so auch die Missbilligung der Tätowierung.

Ab 1720 wurde die Tätowierung als Brandmarkung für Kriminelle und Prostituierte eingesetzt. Diesen Menschen war es damit unmöglich, wieder in das gesellschaftliche Leben integriert zu werden. Dann wurde das Tätowierung jedoch zunehmend populärer. Gründe hierfür lagen in der Kunst des Holztafeldrucks (木板  mokuhan) und den chinesischen Roman „Die Räuber vom Liang-Schan-Moor“ (chinesisch: 水滸傳 Shuǐhǔzhuàn, japanisch: Suikoden), in dessen Illustrationen die Hauptpersonen mit Tier-, Pflanzen- und religiösen Motiven tätowiert waren. So kam es, dass Kriminelle ihre Straftätowierungen mit größeren Tattoos überdecken ließen.

1870, zu Beginn der Meiji-Restauration (明治維新 Meiji ishin) wurde das Tätowieren streng verboten, denn man befürchtete, dass die westliche Welt die japanischen Bräuche als barbarisch ansehen könnte. Ausländer durften jedoch weiterhin tätowiert werden. So ließen sich, neben Matrosen, auch der britische König George V. oder der russische Zar Nikolaus II. von japanischen Künstlern tätowieren. Japaner hingegen ließen sich damals nur heimlich tätowieren.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges erlaubte US-General MacArthur (マッカーサー Makkāsā) das Tätowieren wieder. Doch auch wenn Tattoos (タトゥー tatoū) seitdem nicht mehr verboten sind, gelten sie für viele Japaner als etwas Negatives. So wird Tätowierten heute der Zutritt zu vielen Badeanstalten oder heißen Quellen (温泉 onsen) verboten. Bei Ausländern (外人 gaijin) wird hierbei nur vereinzelt eine Ausnahme gemacht. Allerdings scheint sich allmählich eine Veränderung bemerkbar zu machen. So kann man bei Rock-Musikern eine Zunahme von Tattoos beobachten.

Die alten, traditionellen Tattoos, die als Irezumi (入れ墨) bezeichnet werden, sind meist großflächig angelegt und verlaufen über den Rücken, Schultern, Brust und einen Teil der Arme und Beine und werden daher auch Bodysuit (ボディースーツ bodī sūtsu) genannt. Aufgrund des Umfangs und der Kosten kann es bis zu zehn Jahre dauern, bis ein Bodysuit vollständig ist. Manche werden auf die traditionelle Art in die Haut gehämmert, was die Prozedur besonders schmerzhaft macht. (Schönheit muss eben leiden.)

Zwei bekannte Filme zum Thema Tätowieren
刺青 雪華葬刺し
Shisei Sekka Tomurai Zashi
Die Tätowierung Irezumi – Die tätowierte Frau
Der Film aus dem Jahr 1966 handelt von einer Unabhängigkeit liebenden Frau, die einem vorbestimmten Leben entflieht, in die Prostitution gedrängt wird und schließlich rachsüchtig die Männer ausnimmt. Als Zeichen einer Geisha wird sie mit einer Tätowierung versehen – einer übergroßen Spinne auf dem Rücken. Der Film aus dem Jahr 1981 handelt von der jungen Frau, die ihrem Geliebten seinen Herzenswunsch erfüllen und sich mit einem großflächigen Tattoo (ein Samurai im Kampf mit einem Drachen) auf Rücken und Gesäß schmücken lassen will.
Die Bilder sind Produktabbildungen in bewusst niedriger Auflösung. Sämtliche Rechte bei den Rechteinhabern.

Banditen und Verbrecher
Tätowieren 入れ墨 - Triaden 三合會 - Wokou 倭寇 - Yakuza ヤクザ

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