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28. September 2013

Tanaka Kakuei

田中角榮 Tanaka Kakuei (Familienname: Tanaka)
1918 - 1993

(Foto: Wikimedia)

„Der Stoff ist gut für Hollywood. Geheime Treffs an Parkplätzen und in dunklen Seitengassen, wo Pappkartons mit Millionengeldern den Besitzer wechseln. Ein Chauffeur, der viel weiß und plötzlich Selbstmord begeht. Staranwälte, die mit zweifelhaften Tricks den Angeklagten entlasten. Dann die Zeugin der Anklage, eine bildschöne Frau, die mit ihrer verblüffenden Aussage jedes Alibi zerstört. Druck auf das Gericht, den prominenten Beschuldigten dennoch freizusprechen. Und am Ende ein Sieg der Gerechtigkeit: Schuldig, lautete das Urteil.

Tanaka und Nixon
(Foto: Wikimedia)

Der ‚Fall Tanaka’ erschüttert Japan mindestens ebenso stark wie ‚Watergate’ die USA und mehr noch als die Flick-Affäre die Bundesrepublik. Der ehemalige Ministerpräsident wurde zu vier Jahren Gefängnis ohne Bewährung verurteilt. Das Gericht erklärte ihn nach siebenjähriger Prozeßdauer im Oktober 1983 für überführt, während seiner Amtszeit fünf Millionen Mark an Bestechungsgeldern von der amerikanischen Firma ‚Lockheed’ eingesteckt zu haben. Im Gegenzug bewog der Angeklagte laut Urteilsbegründung die japanische Fluglinie ‚ANA’ zum Kauf von ‚Tristar’-Flugzeugen aus den US-Werken.

Gegen Kaution kam Tanaka sofort wieder auf freien Fuß und schwor, ‚den Kampf um die Gerechtigkeit’ fortzuführen. Er dachte nicht daran, seinen Parlamentssitz aufzugeben, erklärte sich für unschuldig und ging in die nächste juristische Instanz. ...

Kakuei Tanaka, der ‚Buhmann’ und ‚Bösewicht’ der Oppositionsparteien, ging aus den Wahlen als strahlender Sieger hervor. Er gewann seinen Wahlkreis mit über 220.000 Stimmen – das sind 170.000 mehr als sein härtester Rivale erringen konnte, weit mehr auch, als er je zuvor erkämpfte. Da viele der engsten Freunde Tanakas wieder ins Parlament gewählt wurden, hat sich sein Einfluß nicht abgeschwächt. Premierminister Nakasone [中曽根康弘 Nakasone Yasuhiro] ist weiter auf die Unterstützung seines ‚Gönners’ angewiesen – in Tokyo spricht man ironisch von einer Tanakasone’- Regierung.

‚Tanaka hustet, und Japan erbebt’, sagen halb-respektvoll, halb-schaudernd Tanakas Politiker-Kollegen. Wie kommt es, daß ein so umstrittener Mann so viele Fäden der japanischen Politik in der Hand hält?

Er war nie einer aus der scheinbar endlosen Reihe von Nippons austauschbaren Funktionsträgern. Mit seiner rostig-rauhen Stimme, dem klobig-holzschnittartigen Gesicht, der bäuerlich-derben Sprache paßte Tanaka nicht in die ‚geklonte’ Elite seiner Kollegen. Er blieb immer ein ‚Politiker zum Anfassen’, einer, der mal flucht, in die Hände spuckt und beim Holzhacken schwitzt. Als einziger von 16 Nachkriegspremiers hat er niemals eine Universität besucht. Kein millionenschwerer Onkel, kein einflußreicher Verwandter half ihm beim Einstieg in die Zirkel der Macht. Nur sein unbändiger Wille, seine Bereitschaft, alles für die Karriere einzusetzen und alles ihr unterzuordnen, trug ihn nach oben.“
(Dieter Blum und Erich Follath: Nippon. Stuttgart: Fink, 1989. ISBN: 978-3-92382702-2)

Tanaka Kakuei war 1972 bis 1974 japanischer Japans und war auch nach seinem Rücktritt der einflussreichste Politiker der Regierungspartei LDP.

Tanaka musste wegen undurchsichtiger Immobiliengeschäfte zurücktreten, die er in den 1960er Jahren mit Hilfe einer Geisha eingefädelt hatte. 1976 wurde er in den Lockheed-Skandal verwickelt, da er von dem amerikanischen Flugzeugbauer Lockheed Bestechungsgelder in Höhe von 3 Millionen US-Dollar entgegengenommen hatte.

新幹線
Shinkansen
ロッキード事件
Rokkito shidan
Der Bahnhof der westjapanischen Präfekturhauptstadt Niigata (新潟) ist Endstation des Shinkansen (新幹線). Die 1982 eingeweihte Strecke verdankt ihre Existenz dem Einsatz Tanakas, dessen Wahlkreis in der Präfektur Niigata lag.
(Foto: Wikimedia)
Der Lockheed-Skandal war die größte Korruptionsaffäre im Nachkriegs-Japan. 1976 konnte Tanaka nachgewiesen werden, dass er vom Flugzeughersteller Lockheed 3 Millionen US-Dollar erhalten hatte, um sich für den Kauf von Lockheed-Tristar durch die All Nippon Airways (全日本空輸 Zen Nippon Kūyu) einzusetzen.
(Foto: Wikimedia)
   
田中真紀子
Tanaka Makiko
世襲議員
seshū giin
Seine Tochter, Tanaka Makiko (* 1944),  war von 1993 bis 2012 Abgeordnete für Niigata und 1994 bis 1995 Wissenschaftsministerin, 2001 bis 2002 Außenministerin,  2012 Bildungs- und Wissenschaftsministerin.
Ein auffälliges Charakteristikum der japanischen Nationalversammlung (国会 Kokkai) sind Erbabgeordnete. Mehr als ein Viertel der Parlamentarier hat einen politischen „Familienbetrieb“ von ihrem  Vorgänger übernommen.
 
japanische Nachkriegspolitik
Amakudari 天下り - Artikel 9 第九条 - Einkommensverdopplungsplan 所得倍増計画 - Erbabgeordnete 世襲議員 - Friedensvertrag von San Francisco 日本国との平和条約  - Lautsprecherwagen 街宣車 - Liberaldemokratische Partei 自由民主党 - Lockheed-Skandal ロッキード事件 - Douglas MacArthur マッカーサー - MITI 通商産業省 - Tanaka Kakuei 田中角榮
 

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