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Wir begrüßen unsere neue Dozentin für Koreastudien, Frau Shiny Park.

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08. Dezember 2012

Tor des Himmlischen Friedens

天安门 Tiān’ānmén (Himmel + Frieden + Tor)
承天門 Chéngtiānmén (Tor, das den Himmel trägt; ursprünglicher Name)
 

Das Bild von Máo Zédōng (毛泽东) ist 6,50 Meter hoch und fünf Meter breit. Millionen Besucher der Hauptstadt lassen sich davor fotografieren.
(Foto: Wikimedia)

„67 Stufen führen auf den Balkon des Tian'anmen-Tores in Peking hinauf, Seit 1988 dürfen auch Touristen auf die Empore, von der aus sich der 40 Hektar große Platz des Himmlischen Friedens [天安门广场 Tiān'ānmén Guǎngchǎng] überblicken lässt. Es ist eine gigantische Bühne, auf der sich viele Heldentaten und Tragödien in der jüngeren Geschichte Chinas ereignet haben. Jeder Besucher Pekings kennt das tempelähnliche Tor, nicht nur weil es der Eingang zum weltberühmten Kaiserpalast ist oder weil heute das Staatswappen Chinas seine Reliefzeichnung ziert. ‚Sie stehen auf dem Balkon, von dem aus der Vorsitzende Máo Zédōng [毛泽东] am 1. Oktober 1949 die Gründung der Volksrepublik China ausgerufen hat’, erklärt die Reiseleiterin stolz. Es war ein Staatsakt von imperialer Bedeutung. ‚Der Vorsitzende Mao stand genau über dem mittleren Durchgang, durch den einst nur der Kaiser gehen durfte, um in seinen Palast zu gelangen.’ Die Touristen hören beeindruckt zu, vor allem als die Führerin ergänzt, wie alt die ‚wertvollste historische Stätte des Landes’ sei. Sie geht auf das Jahr 1651 zurück. Sie hätte auch sagen können: ‚Liebe Touristen, Sie stehen auf einem 35 Jahre alten Nachbau.’ ...

Im Winter 1969, 20 Jahre nach der Staatsgründung, schien das Bauwerk aufs Äußerste gefährdet. ... Mao und sein Premier Zhōu Ēnlái [周恩来] aber hatten vor allem eine Sorge. Sie fürchteten um den Erhalt eines Jahrhunderte alten kaiserlichen Bauwerks. Das in der Ming-Zeit im fünfzehnten Jahr des Kaisers Yǒnglè [永樂, reg. 1402 - 1424] zwischen 1417 und 1420 erbaute Tian'anmen-Tor drohte jeden Augenblick einzustürzen. … Dem Kulturrevolutionsausschuss unter Mao grauste vor der Vorstellung und dem Gesichtsverlust ihres Landes, wenn sich das Tor beim nächsten Erdstoß in einen Trümmerhaufen verwandeln würde. Albträume plagten sie, wie das Staatswappen und Maos am Tor hängendes Portrait am Boden lagen, wie aus dem Mauerschutt die Schriftzeichen der zerborstenen Losungen, die auf der Mauer standen, ‚Es lebe die Volksrepublik China’ [中华人民共和国万岁 Zhōnghuá Rénmín Gònghéguó wànsuì], hervorschauen würden.

In einer Krisensitzung verfügte der Kulturrevolutionsausschuss eine generalstabsmäßig geplante ‚Operation des Jahrhunderts’. Peking war bereit, den kompletten Neubau zu wagen und deklarierte ihn als ‚wichtigste politische Aufgabe’. Für das ‚geheime Bauprojekt Nummer 1’ wurde absolutes Stillschweigen gegenüber der Bevölkerung angeordnet. …

Die militärisch organisierte Baugesellschaft Nummer 5 übernahm den Auftrag. Vom 12. bis 15. Dezember 1969 ließ sie die ‚größte Bambusmatte der Welt’ flechten. Mit ihr wurde das riesige Tor so verhüllt, dass bis zu vier Kräne unbemerkt darunter arbeiten konnten. Dann wurde wie ein Deckel eine dicke Hülle über die Bambusstützen gelegt. …

Nicht einmal die Angestellten in den großen Volksparks hinter dem Tian'anmen wussten, was hinter den Planen passierte. Während die vorbeiradelnde Bevölkerung Renovierungsleiten oder den jährlichen Neuanstrich vermutete, begann am 15. Dezember 1969 der durchorganisierte, komplette Abriss. ... Nur das Fundament blieb stehen. Sie demontierten die 60 zwölf Meter hohen Säulen aus Massivholz, die das gesamte wie ein mit zwei Dachgeschossen gebautes palastähnliches Tor stützten. Der dickste Stützbalken hatte einen Durchmesser von 1,2 Metern. Sie ließen von Chinas subtropischer Insel Hǎinán [海南], von Xīshuāngbǎnnà [西双版纳] und aus Gabun in Afrika Edelholz importieren, um morsche Balken zu ersetzen, brannten 100.000 farbig glasierte Ziegel neu und modernisierten nebenbei das Innere des Tores mit Fahrstuhl, Strom, Heizung und Wasser. Sie zementierten die Fundamente des Bodenaufbaus nach und machten das Tor erdbebensicher. ...

Premier Zhōu Ēnlái intervenierte, als Funktionäre die ihnen feudal erscheinenden Drachenköpfe auf dem Dachsims durch revolutionäre Sonnenblumenmuster ersetzen wollten. Einige goldene, gemalte Drachenmotive wurden durch Dahlienabbildungen ersetzt. Erst 15 Jahre später, 1984, wurden auch sie heimlich zurückverwandelt und neue Drachen gemalt. …

Kosten wurden nicht gescheut. Sechs Kilo feinstes Blattgold ließ Peking für die Wandmalereien bereitstellen. Aus Deutschland wurden Präzisionsmessinstrumente importiert, um die auf dem Meridian des Tian'anmen-Platzes liegende geographisch exakte Stelle zu finden, an der Chinas Staatsemblem, das selbst 1,7 Meter Durchmesser hatte, millimetergenau und gerade wieder an dem Tor angebracht werden sollte. Sie brauchten drei Stunden dafür. Chinas Premier Zhōu Ēnlái begründete das so: ‚Das Tian'anmen-Tor ist die Bühne des Marxismus-Leninismus. Wir dürfen nicht zulassen, dass kapitalistische Staaten uns auslachen, weil unser großer sozialistischer Staat nicht einmal sein Staatswappen richtig anbringen kann.’

Nach 112 Tagen waren sie fertig, am 7. April 1970, Am 11. April nahm Premier Zhōu Ēnlái die Arbeit ab. Das Gebäude war 87 Zentimeter höher als das Original. Aber das wusste keiner außer den Erbauern. Niemandem fiel auf, dass das in frischen Farben ‚wie neu’ strahlende Tor tatsächlich ein neues Tor war. Der architektonische, kunsthandwerkliche und logistische Kraftakt mitten in der alle alten Traditionen zerstörenden Kulturrevolution blieb 30 Jahre eines der bestgehüteten Staatsgeheimnisse des neuen China. Heute steht es mit einem Satz in chinesischen Reiseführern: ‚1970 wurde das Tor des Himmlischen Friedens ‚gründlich renoviert'.“
(Johnny Erling: Schauplatz China. Aufbruch zur Supermacht. Freiburg: Herder; 2006. ISBN: 978-3-45105651-2)

tor-wappen

Tor des Himmlischen Friedens im Staatswappen

Das Tor des Himmlischen Friedenswurde 1417 während der Bauarbeiten am Kaiserpalast (紫禁城 Zǐjìnchéng, Verbotenen Stadt) unter dem dritten Ming-Kaiser Yǒnglè (永樂) erbaut und am Ende der Ming-Dynastie (明朝 Míngcháo; 1368 - 1644) von den Rebellen unter Lĭ Zìchéng (李自成 ) niedergebrannt. Während der Qing-Dynastie (清朝 Qīngcháo, 1644 - 1911) wurde es erneut aufgebaut.

1969 wurde das baufällige Tor in einer bis ins Jahr 2000 geheim gehaltenen Aktion komplett abgerissen und bis auf wenige Details originalgetreu nachgebaut. Es hat seitdem eine Gesamthöhe von 33,7 Metern und spielt immer noch eine zentrale Rolle in der chinesischen Geschichte.


alte und neue Architektur in Peking
Himmelstempel 天壇 - Tor des Himmlischen Friedens 天安門 - Verbotene Stadt 紫禁城
Chinesisches Nationalmuseum 中国国家博物馆 - Große Halle des Volkes 人民大会堂 - Mao-Mausoleum 毛主席纪念堂
CCTV Headquarters 中央电视台总部大楼 - Nationales Zentrum für Darstellende Künste 国家大剧院 - Vogelnest 鸟巢 - Wasserwürfel 水立方

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