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08. Dezember 2012

Tenno

天皇 tennō (Himmel + Herrscher)
 

„Wer in Japan am Geschichtsunterricht teilnimmt, der muss sich zunächst einmal weniger die uns gewohnten Epochenbegriffe wie Antike, Mittelalter und Neuzeit einprägen, sondern eben solche Kaiser-Programmnamen, mehr als hundert sind es, mit denen sich dann Errungenschaften und Krisen, soziale Entwicklungen und Kunststile verbinden lassen. Die Sage schreibt der Dynastie eine ununterbrochene Erbfolge von mehr als zweieinhalbtausend Jahren zu.


Aber schon das Wort ‚Kaiser‘ trifft die Sache nicht ganz. Denn der Tenno hält nicht Gericht in seinen Pfalzen wie Karl der Große; die Dynastie wechselt nicht von einer Familie zur anderen wie im antiken Rom. Der Tenno steht auch nicht an der Spitze eines Reiches, in dem viele Völker wohnen. Er ist, bei allen dramatischen verfassungsrechtlichen Umbrüchen und Neudefinitionen über die Jahrhunderte, zunächst und vor allem die lebende Verbindung Japans mit seinen Göttern – am Ende ein Sonnen-, ein Himmelssohn.“

(Lorenz Jäger in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 13. Juni 2012)

„Zu verdanken haben die Japaner ihren Kaiser ausgerechnet den Amerikanern. Sie zwangen ein neues politisches System auf. Doch obwohl Washington forderte, den Kaiser durch einen Präsidenten zu ersetzen, entschied sich Besatzungsgeneral Douglas MacArthur, den Japanern ihren Tennō zu lassen, als Symbol dafür, dass Japan zwar besiegt, aber nicht zerstört sei.

Während Akihito den Nationalisten so als patriotisches Viagra dient, sieht die Jugend den kleinen Mann mit dem großen Kopf eher als Maskottchen und seine Familie als voyeuristisches Lustobjekt. … Das jährliche Neujahrsporträt der Familie - jedes Mal aufgenommen im gleichen, kahlen Palastraum mit Sofa und Beistelltisch - ist eine feste Institution im japanischen Jahresablauf, ebenso die Fernsehbilder, die den Kaiser in seiner Funktion als höchster Shintopriester im Frühjahr auf einem kleinen Feld im Schlossgarten beim Reisanbau zeigen. Im Herbst schneidet er die erste Garbe, während Kaiserin Michiko Seidenraupen mit Maulbeerbaumblättern füttert. Das ist zwar kein Reality-TV, aber doch ein stiller Luxus, eine edle Antiquität, deren Wert weniger in ihrem Nutzen liegt als im Wissen um ihre Existenz - wie ein Picasso im Bankschließfach.

Für die Familie ist es harte Arbeit, die bedeutungsvolle Leere aufrecht zu erhalten. Neutralität ist das oberste Gebot. ‚Sie können nicht sagen, dass sie Äpfel mögen, denn was würden dann die Orangenbauern sagen’, erklärt Shinji Yamashita, der ehemalige Pressechef der Haushaltsagentur, die offizielle Linie. ‚Es würde ihnen nie erlaubt, die eine Wohltätigkeitsveranstaltung gegenüber einer anderen zu bevorzugen.’ Die Erziehung zum Meinungs-Vakuum beginnt schon in der Schule. So wurde etwa Kronprinz Naruhito
[皇太子徳仁親王 Kōtaishi Naruhito-shinnō; * 1960] während seiner Schulzeit zwar gestattet, am Wochenende einen Spielkameraden einzuladen. Doch es mussten im Verlauf des Schuljahres erst alle Kinder seiner Klasse einmal im Palast gewesen sein, bevor einer, den er besonders mochte, ein zweites Mal kommen durfte. ‚Als künftiger Kaiser durfte er keine Clique von Freunden haben sondern musste jeden gleich behandeln,’ erklärt sein damaliger Kammerherr Minoru Hamao, ‚und in jedem Fall waren die Kinder nie allein - es waren immer Erwachsene dabei.’"
(http://www.g-geschichte.de/News-Zeitgeschichte/Tagebuch-von-Tojo-dem-letzten-japanischen-Kriegspremier-veroffentlicht.html)

 

Die kaiserliche Familie zeigt sich am 23. Dezember 2005 beim 72. Geburtstag des Kaisers hinter Panzerglas
(von links: Kronprinzessin Masako, Kronprinz Naruhito, Kaiser Akihito, Kaiserin Michiko, Prinz Akishino (Fumihito), Prinzessin Akishino (Kiko) 
(http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Famille_royale_japonaise.jpg; Foto von Nutzer Abrahami, Lizenz: gemeinfrei)
Derzeit ist Akihito (明仁, * 1933), der Heisei-Kaiser (平成), der amtierende Tennō. Die Hauptfunktion des Tennō ist zeremonieller Natur, unter anderem gilt er als oberster Priester des Shintō (神道).

Seitdem Athiopien keinen Kaiser mehr hat ist der japanische Kaiser der einzige Kaiser, der übrig geblieben ist. Er hat noch andere Namen:

天皇 御門
tennō mikado mikado
Himmelsherrscher Göttlicher [Kaiser] erlauchtes Tor

Wie nennen / nannten die Japaner die anderen Kaiser? Mit Sicherheit nicht Tennō?

天子 エンペラー カイゼル ツアー 皇帝
tenshi enperā kaizeru tsuā kōtei
der chinesische Himmelssohn englisch: Emperor der deutsche Kaiser der russische Zar der Kaiser von Äthiopien u. a.
 

Tenno 天皇
Akihito 明仁 - Banzai 万歳 - Hirohito 裕仁 - Kaiserpalast 皇居 - Kimi Ga Yo 君が代 - Masako 雅子 -- Naruhito 徳仁
Meiji 明治 (- 1912) – Taisho 大正 (- 1926) – Showa 昭和 (1989) – Heisei 平成

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