• Herzlich willkommen am Ostasieninstitut!
    Herzlich willkommen am Ostasieninstitut!
  • Schwerpunkt Korea
    Schwerpunkt Korea
  • Schwerpunkt China
    Schwerpunkt China
  • Schwerpunkt Japan
    Schwerpunkt Japan

Institutsleitung
Prof. Dr. Frank Rövekamp

Stellvertr. Leitung / Studienberatung
Christine Liew, M.Litt.
0621-5203-423

Sekretariat
Conny Scheurer
0621-5203-410

_______________________

pdf» Information in English (pdf)
pdf» Partner Universities (pdf)

08. Dezember 2012

Teezeremonie

茶道 chadō oder sadō (Tee + Weg)
茶の湯, cha-no-yu (heißes Wasser für Tee)
 
 

„Konzentriert achtet Sen no Rikyū ([千利休] 1522 - 1591) darauf, dass das Abspülen der Teeschale mit kaltem Wasser wie ein Wasserfall klingt. Die Gäste, die zuvor den niedrigen Eingang des Raumes in demütig gebückter Haltung passiert haben, sehen dem bedeutenden Teemeister aufmerksam zu. Um eine Tee-Einladung perfekt durchzuführen, bedarf es jahrelanger Übung - jeder Handgriff des chadō, des Teewegs, muss zur Harmonie beitragen. Aus diesem Grund hat Sen no Rikyū die Holzkohlen vorher gewaschen, sodass keine Funken am Staub entstehen, die die Zeremonie stören könnten.

Auch der Blumenschmuck in der Zimmernische darf nicht zu stark duften. Der feine Geruch des Tees, der nun in einer Schale weitergereicht wird, muss den gesamten Raum erfüllen. Vier Stunden später - die Zusammenkunft ist nun beendet, fragt ein Schüler den Meister nach dem Sinn des Teewegs. ‚Wasser sieden, Tee schlagen und trinken, das ist alles!’ ‚Das kann ich alles schon!’ Darauf lächelt Rikyū: ‚Dann möchte ich dein Schüler werden!’“
(Hans Sautter, Kerstin Fels und Andreas Fels: Japan. München: Bruckmann, 2007. ISBN: 978-3-76544471-5)

„Direkt vor seinem Sitz war eine kleine Vertiefung in den Fußboden eingelassen, in der ein Teekesselchen auf Holzkohlenfeuer stand. Mit schönen geübten Bewegungen nahm der Meister den pulverisierten, grünen Tee aus einer hohen schmalen Dose und tat je einen Löffel voll in die bereitstehenden Schalen, die nach uraltem Brauch und Muster klotzig, schwer, henkellos und asymmetrisch, auf den ersten Blick einen befremdend ungefügen Eindruck machten. Jedoch schon mein zweiter Blick, nämlich als ich eine Schale in der Hand hielt, blieb in wachsendem Entzücken an ihr hängen. Formlose Form, schwer, ungefüg, aber unwiederholbar in jedem einzelnen Stück - so etwas zu halten war ein ganz neues Erlebnis. Aber noch hielt ich sie nicht in der Hand, dann jetzt kam erst auf das Pulver in jeder Schale ein Schluck kochendes Wasser, und dann nahm der Meister einen winzigen Besen aus Bambus und schlug damit die Teemasse in jeder Schale so lange, bis sie schaumig wurde. Danach goss er noch ein wenig heißes Wasser nach und reichte die Schalen seinen Gästen.

Fasziniert hatte ich dem Spiel seiner Hände zugeschaut, die voll bezaubernder Anmut und in gelassener Ruhe hantierten; schmale Hände von so edler Form und Schönheit, daß sie mich auch später immer wieder von neuem entzückten.

Aber auch das Genießen dieses überaus starken und bitteren Getränkes war, ebenso wie seine Zubereitung, eine Kulthandlung. Ich schaute dabei nur auf Frau M., die mir kleine Zeichen gab und von der mir der Meister, der es bemerkte, lächelnd sagte: ‚Von Frau M. können Sie die Teezeremonie und auch Ikebana, die Kunst des Blumenstellens lernen, denn in beiden Künsten ist sie Meisterin.'

Inzwischen hatten wir unseren Tee geschlürft und die Schalen an den Meister zurückgegeben, worauf der zweite Teil der Handlung begann, der mich noch tiefer beeindrucken sollte als der vorangegangene. Aber noch ahnte ich nicht, worum es ging, ich schaute nur zu. Der Meister reinigte die bis auf den letzten Rest geleerten Schalen mit etwas kochendem Wasser, schüttete dieses Wasser dann in einen bereitstehenden, kleinen Behälter und trocknete die Schalen mit einem reinen, weißen Tuch. Dann wiederholte sich die Anfangszeremonie der Zubereitung, und wieder teilte der Meister die Schalen aus. Jetzt aber bekam jeder eine andere. Zuerst staunte ich und dachte an eine Verwechslung, dann aber begriff ich: Dadurch, daß jetzt jeder Anwesende aus der Schale des Anderen trinken mußte, wurde das persönliche Ich, das Individuum aufgehoben.

Hier war Zen.“ 
(Gerta Ital: Der Meister, die Mönche und ich. Im Zen-buddhistischen Kloster. Weilheim/Obb., 1966)

„Im modernen Japan ist die Teezeremonie vor allem eine Freizeitbeschäftigung von Frauen, die es ihnen ermöglicht, kostbare Kimonos und wertvolle Tee-Utensilien einzukaufen und zur Schau zu stellen sowie Freunde und Bekannte zu treffen. Der Tee, der bei der Teezeremonie zubereitet wird, ist ein bitteres, zähflüssiges Getränk. Als Kontrast zum bitteren Geschmack des Tees werden bei der Teezeremonie kleine Süßigkeiten gereicht.“
(Inken Prohl: Zen für Dummies. 2010. ISBN 978-3-527-70501-6)

Die japanische Teezeremonie ist eine in ihrem Ablauf bestimmten Regeln folgende Zusammenkunft, bei der ein Gastgeber Tee und leichte Speisen reicht. Um die Möglichkeit zur inneren Einkehr zu bieten, findet die Zusammenkunft in einem bewusst schlicht eingerichteten Teehaus statt. Die wichtigsten Utensilien (道具 Dōgu) sind die Teeschale (茶碗 chawan), das Frischwassergefäß (水差し mizusashi), der eiserne Wasserkessel (釜 kama), der Teebambuslöffel (茶杓 chashaku) und der Teebesen (茶筅 chasen) sowie das seidene Teetuch (袱紗 fukusa).


Zen 禅, 禪, 선
Koan 公案 - Kreis, Dreieck und Viereck □△○ - Mu 無 - D. T. Suzuki 鈴木大拙 - Teezeremonie 茶道 - Zen in der Kunst des Bogenschießens 弓術における禅 - Zehn Ochsenbilder 十牛圖 - Zengarten 枯山水 - Zenkreis 円相

 

logo

Ostasienlexikon
A - B - C - D - E - F - G - H - I - J - K - L - M - N
- O - P - Q - R - S - T - U - V - W - X - Y - Z

 

Über uns

Den Kern des Instituts bilden 15 ständige Mitarbeiter. weiterlesen ...

Studium

Das Studium schließt nach acht Semestern mit dem Bachelor of Science ab. weiterlesen ...

Publikationen

Veröffentlichungen und Forschungsbeiträge aus dem Institut  weiterlesen ...

Wort des Tages

Aktuelle chinesische oder japanische Begriffe weiterlesen...

Ostasienlexikon

Schlüsselwörter aus China, Japan, Korea, Mongolei, Hongkong, Macau und Taiwan weiterlesen...

Sprichwörter

„Es gibt da ein chinesisches Sprichwort …“ – Wer kennt sie nicht, diese Einleitung? weiterlesen...