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08. Dezember 2012

Tael

兩 liǎng
 
 

„In keiner Tasche klappert, an keinem Schalter klingt der Tael. Tausende von Herren rechnen täglich mit Tausenden von Taels, und doch haben sie noch niemals einen Tael in der Hand gehalten. Anderseits halten Hunderte von Arbeitern täglich Hunderte von Taels in der Hand, und doch haben sie niemals mit Taels gerechnet.

Der Arbeiter, dessen Währungseinheit die Kupfermünze ist, macht die Taels, der Herr, dessen Währungseinheit der Tael ist, schmeißt die Kupfermünzen weg. Kupfermünzen sind nämlich sehr schwer, zerreißen die Taschen und sind kaum einen halben Pfennig wert. Taels sind noch schwerer, einunddreißig Gramm per Stück, sie würden erst recht die Taschen zerreißen, aber man hat sie gar nicht bei sich, es sei denn, daß man der Keller einer Bank ist. Schließlich würde man sie auch nicht wegwerfen, wenn man sie bei sich tragen müßte, sind sie doch per Stück einen chinesischen Dollar und vierzig Cent wert.

Jetzt wissen wir also schon allerhand über den konkreten Tael, wissen, woraus er besteht, wo er sich befindet, wieviel er wiegt, und wieviel Dollar er kostet. Und nun kommt die Überraschung: es gibt überhaupt keinen einzelnen Tael.

Das, was von Arbeitern mühselig erzeugt wird, um in Tresors zu lagern, sind Vielheiten von Taels. Jede solche Vielheit wird zwar im Betrieb der Fabrik und von den Angestellten des Bankgewölbes ein Tael genannt, aber sie ist das Zweiundfünfzigfache eines Taels, sie ist ein Silberding, das zweiundfünfzigmal einunddreißig Gramm wiegt und zweiundfünfzigmal einen Dollar vierzig wert ist.

Diesen Komplex, in den die Teiltaels aufgegangen sind, stellt man in Fabriken her. In Münzereien? Nein, da der Tael (wie oft sollen wir das noch sagen?) keine Münze ist, so ist auch die Fabrik keine Münzprägerei. Also in staatlichen Gießereien? Wieder falsch. Solche höchst staatlichen und höchst kostbaren Werte wird man doch nicht staatlichen Unternehmungen und staatlichen Beamten anvertrauen! Solche höchst staatlichen und höchst kostbaren Werte gibt man hierzulande ausschließlich privaten Unternehmern in Arbeit. Geld machen zu lassen ist Vertrauenssache. …

Zwei Hammerschläge lassen zwei Stempel als Spur zurück: den Namen der Fabrik und die Nummer des Ofens. Beanstandet der Besteller etwas, so muß der Fabrikant Bestechung zahlen. Beanstandet der Fabrikant etwas, so werden die Arbeiter des betreffenden Ofens entlassen. Das ist der Sinn der beiden Stempel ...

In einem mächtigen Wasserbottich befeuchten die Arbeiter die Handtücher, die sie auf ihr Gesicht und ihren Hals legen, um von der Glut nicht versengt zu werden. Nicht deshalb aber steht der Bottich in der Mitte der Gießerei. Er steht da, auf daß das fertige Gußstück darin eingetaucht und gekühlt werde.

Sooft das geschieht, scheint es, als schlügen über einem brennenden Boot Wellen zischend zusammen. Rauch stößt hoch bei diesem Treffen von Feuer und Wasser, abrinnt die Welle, das Feuer erlischt, der Rauch verpufft. Und glutrot, mit mattem Glanz, als hätte es im Mondenschein gebadet, taucht das Boot von neuem aus dem Wasser empor. Langsam, langsam weicht der Purpur, der schwere Rumpf des Schiffchens ist pures Silber. Leicht gewellt ist das Deck, wie Seide. ‚Si-Sci‘ heißt feine Seide auf kantonesisch, Sycee nennen die Chinesen den Tael.“
(Egon Erwin Kisch: China geheim. Eine illustrierte literarische Reportage)

„Zuerst geht es natürlich zum Geldwechsel. Diese Scherereien haben uns im Verlauf der ganzen Reise nicht geringe Sorgen bereitet. Es gibt schrecklich viele Geldsysteme. An einigen Stellen herrscht Silberwährung (Tael, Silberdollar), an anderen Kupferwährung (Käsch). Die Wechselprozedur ist phantastisch: Falls man einen Tael mehrmals wechseln muß, löst er sich schließlich in Nichts auf, denn die Wechselgebühren sind enorm! Wir sitzen im Wagen auf den Schnüren mit Kupferkäsch und den Dollarrollen. Von Schecks und Banknoten keine Spur. Wir schleppen Kilolasten von Geld und zahlen nur mit Metall. Das Fehlen einer einheitlichen Währung und allgemeingültiger Banknoten ist in China ein akutes Problem."
(V. M. Alekseev: China im Jahre 1907. Ein Reisetagebuch. 1989)

 

Tael

Tael ist eine heute nicht mehr gebräuchliche chinesische Masseneinheit für Edelmetall. Das Wort leitet sich über das Portugiesische von dem malaiischen Wort tahil her, das so viel wie Gewicht bedeutet. Insgesamt gab es rund 170 verschiedene Taels, die jeweils unterschiedliches Gewicht hatten. 1912 betrug der Wechselkurs gegenüber der Mark für 1 Haikwan-Tael (海關兩 hǎiguān liǎng) 6,41 Mark und für 1 Shanghai-Tael 2,70 Mark.
 

Zahlungsmittel
Käsch 錢 - Kauri 貝 - Mexikanischer Silberdollar 墨西哥比索 – Renminbi 人民币 - Tael 兩  - Won 원 - Yen
 

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