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20. September 2013

Sieben Glücksgötter

七福神 Shichi Fukujin (sieben + Glück + Gottheit)

 „Wohl keine Sage aus der Welt der Götter ist so eng mit dem japanischen Volk verwachsen, wie die Sage von den sieben Glücksgöttern. Diese Gottheiten spielen eine so große Rolle, daß selten ein Tag vergeht, ohne daß sie in das Leben und Treiben des Volkes eingreifen. Überall stehen ihre Abbilder, an vielen Orten befinden sich Tempel; von den Palästen der Reichen bis in die geringste Hütte findet sich wenigstens der eine oder andere von ihnen auf einem Bild vertreten und bringt – so glaubt man – dem Haus Glück und Segen. Fast ist es, als lebten die sieben Glücksgötter tatsächlich unter dem Volk, und es ist ausgemachte Sache, von ihnen zu sprechen, als seien es leibhaftige Menschen. ...

Sechs Götter und eine Göttin – das sind sie, die fröhlichen Glücksgötter. Sie alle besitzen ihre außergewöhnlichen und ganz besonderen Eigenschaften zum Wohl der Menschen.“
(Berndt Schulz: Sagen aus Japan. Frankfurt/Main: Fischer Taschenbuch, 1979. ISBN: 3-596-22819-0)

 
Die Sieben Glücksgötter sind eine Gruppe von glücksbringenden japanischen Göttern und ein Merkmal des Zusammenwachsens shintoistischer und buddhistischer Religionsvorstellungen (神仏習合 Shinbutsu-Shūgō).

 

大黒/大黒天
Daikoku/Daikokuten

Daikoku ist für den Reisanbau zuständig und sitzt auf allen Abbildungen auf einem Reisballen. Er schwingt einen Hammer, das Zeichen der Donnergottheiten, die überall auf der Welt für den Ackerbau zuständig sind. Ihm sind die Ratten heilig, die zwar den Reis auffressen, doch auch Wache halten gegen die bösen Geister.

Die bösen Geister wollten Daikoku im Schlaf umbringen. Die Ratten hielten sie jedoch so lange auf, bis sie Daikoku geweckt hatten, der rasch mit ihnen fertig wurde. Seitdem liebt er die Ratten.

Auf vielen Bildern ist er zusammen mit Ebisu, dem Gott des Fischfangs, zu sehen. Beide sorgen für die Grundbedürfnisse und vertreten oft die Gesamtheit der Glücksgötter, sozusagen in kleiner Besetzung.

Sein Namen lässt sich als „Großer Schwarzer“ übersetzen. Er ist zuständig für Wohlstand, Landwirtschaft, Hochwasserschutz und die Küche.

恵比須/夷/戎/
恵比寿/蛭子/えびす
Ebisu

Ebisu war der ausgesetzte Sohn von Izanagi und Izanami (伊邪那岐命 - 伊邪那美命). Sein Schiffchen ging aber nicht unter, sondern er wurde zum Schutzpatron der Fischer, der guten Fang garantiert. Er wird stets mit einem Fisch abgebildet und mit Angelgeräten.

Ebisu leistete dem ersten Herrscher Japans, Jimmu Tennō (神武天皇), gute Dienste, indem er ihm Pfeile gab und Ratschläge erteilte, wie die Ebisu-Barbaren zu unterwerfen seien, und deshalb nennt man ihn den Ebisu-Gott.

Er ist zuständig für Fischerei, Glück und erfolgreichen Handel. Sogar die  Biermarke „Yebisu“ trägt seinen Namen. Ebisu gilt als der einzige „einheimische“ Gott unter den Sieben Glücksgöttern, doch seine Herkunft ist rätselhaft.

弁才天/弁財天/弁天/
弁財天女
Benzaiten/Benten/
Benzai-tennyo

Die Göttin Benten verleiht Schönheit und Liebesglück. Sie war die Frau eines mächtigen Mannes und brachte statt eines Kindes fünfhundert Eier zur Welt. Erschrocken fürchtete sie, ein böser Geist habe ihr einen Streich gespielt. So ließ sie die Eier in eine Kiste packen und in einen Fluss werfen.

Ein Fischer zog die Kiste ans Ufer und ließ die vermeintlichen Hühnereier im warmen Sand durch die Sonnenwärme ausbrüten. Zu seinem Erstaunen schlüpften jedoch nicht Küken, sondern attraktive junge Männer. Da es ihm natürlich unmöglich war, sie alle zu ernähren, ließ er sie fortziehen.

Die jungen Männer gelangten zufällig zum Palast ihrer Eltern. Dort war man über eine so große Menge stattlicher junger Männer erstaunt und fragte nach ihrer Herkunft. Da erzählten sie ihre Geschichte. Nun erkannte Benten, dass sie ihre Söhne vor sich hatte und dass die Götter verhütet hatten, dass sie zugrunde gingen. Man hörte natürlich von der wunderbaren Begebenheit und die Menschen verehrten Benten.

Als Benten die Himmelsleiter hinaufstieg, flankierten die fünfhundert Jünglinge ihren Weg. An ihrem Hauptfest flehen seitdem Mütter zu Benten um gute Männer für ihre Töchter.

Benten ist aber auch zuständig für Musik, die Künste, Redegewandteit, Literatur und das Wasser.

毘沙門/毘沙門天
Bishamon/Bishamonten

Der kriegerische Bishamon stammt wie andere japanische Gottheiten, die im Geleit Buddhas kamen, aus Indien. Er ist auch unter dem Namen Tamonten bekannt, einer Übersetzung des Sanskritnamens Vaishravana mit der Bedeutung „der alles Hörende“ .

Zu seinen Attributen zählen ein Dreizack und eine kleine Pagode. In der Ikonographie strahlt er die Würde eines Feldherrn aus und wurde in früherer Zeit auch mit der Bitte um Kriegsglück angebetet. Auch als Glücksgott wird er immer in chinesischer Rüstung dargestellt.

Er ist zuständig für Schatz, Krieg, Krieger und gilt als buddhistischer Wächtergott des Nordens.

福禄寿
Fukurokuju

Fukurokuju stammt vom Tàishān (泰山) in China. Er gewährt den Menschen Erfolg und Gelingen ihrer Pläne; auch Weisheit verleiht er, doch vornehmlich dem Alter. Abgebildet wird er stets von einem Hirsch begleitet, der meistens, als Symbol seiner Heiligkeit, von weißer Farbe ist.

Der Name Fukurokuju leitet sich vom chinesischen Fúlùshòu Sānxīng (福祿壽三星 = Drei Sterne des Glücks, Reichtums und des langen Lebens) her und war eigentlich eine Gruppe von drei chinesischen Glücksgöttern.

Er ist zuständig für Weisheit und langes Leben.

寿老人
Jurōjin

Jurōjin ist ein kleiner, freundlicher Greis, von dem man erzählt, dass er vor achthundert Jahren in China lebte. Der war nur einen Meter groß, hatte aber einen enorm hohen, kahlen Schädel. Er ging täglich auf den Markt und prophezeite den Leuten ihre Zukunft. Für das Geld, das er bekam, betrank er sich und stellte sich zum Vergnügen der Umstehenden auf seinen langen Kopf.

Eines Tages sah ihn ein Höfling so und berichtete dem Kaiser davon. Der Kaiser ließ den Langköpfigen rufen und fragte ihn nach seiner Herkunft.

Jurōjin ist mein Name. Ich komme weit, weit von Süden her; aber ehe du mich weiter befragst, kaiserlicher Herr, bitte ich dich, mir Wein bringen zu lassen, denn dann kann ich am besten reden.

Dann trank Jurōjins ein Fässchen leer, beantwortete die weiteren Fragen des Kaisers und verschwand plötzlich.

Am Morgen danach sagte der Kronprinz zum Kaiser: „Ganz unerwartet ist gestern der Lauf des Sterns, der langes Leben schenkt, mit deiner Person in Berührung geraten.

Der Kaiser rief betroffen: „Jetzt begreife ich, was geschehen ist! Der Alte, den wir gestern hier sahen, ist die Gottheit dieses Sterns!

Jurōjin beschert langes Leben und Gesundheit. Wird er mit den anderen Glücksgöttern abgebildet, so hat er entweder den Vogel Phönix bei sich, von dem man sagt, er verjünge sich immer wieder, oder den Kranich, der tausend Jahre lebt. Manchmal ruhen seine Füße aber auch auf einer Schildkröte, die noch viel länger lebt.

布袋
Hotei

Hotei sieht mit seinen breiten Ohren und seinem dicken Bauch seltsam aus. Trotzdem ist er hoch verehrt, denn er bringt Kinder und Familienglück. Er liebt besonders die Kinder und bringt ihnen – als japanischer Nikolaus – in seinem Sack Geschenke.

In vielen Tempeln wird er verehrt. Besonders Frauen und Mütter kommen mit ihren Säuglingen zu ihm und bitten um Glück, Gesundheit und Zufriedenheit.

Die Figur des Hotei geht auf die legendenumwobene Gestalt des chinesischen Mönchs Qiècǐ (契此 = versprich dies) zurück. Dieser führte im neunten Jahrhundert ein Wanderleben als Bettelmönch und trug seine Habseligkeiten stets in einem großen Sack mit sich, sodass er vor allem unter seinem Spitznamen „Jutesack“ (Hotei) bekannt wurde.

Hotei erwies sich nach seinem irdischen Leben als Inkarnation des Bodhisattva Maitreya (弥勒菩薩 (Miroku Bosatsu, „Buddha der Zukunft“) und wurde in China zum „Lachenden Buddha“. Im Zen-Buddhismus wird seine Heiterkeit als Ausdruck der Zufriedenheit und Seligkeit begriffen.

 

Warum gerade Sieben?

Ein Vorbild der Sieben Glücksgötter könnten die Acht Unsterblichen (八仙 Bāxiān) Chinas gewesen sein, die in einem Boot zur Insel der Seligen (仙島 xiāndǎo) unterwegs sind. Warum legte man sich in Japan aber auf die Zahl Sieben fest? Vielleicht spielten die Sieben Übel (shichinan) und die Sieben Tugenden (shichi shōzai) des Buddhismus eine Rolle. Aber auch die sieben Sterne im Sternbild des Großen Wagens könnten mitgespielt haben.

 

Angeblich gehen die Sieben Glücksgötter auf den buddhistischen Mönch Tenkai (天海), einen Ratgeber des ersten Tokugawa-Shoguns Tokugawa Ieyasu (徳川家康) zurück. Tenkai hätte die Sieben Tugenden auf Ieyasu übertragen und mit sieben Gottheiten in Verbindung gebracht:

Langes Leben (Jurōjin), Wohlstand (Daikoku), Beliebtheit (Fukurokuju), Aufrichtigkeit (Ebisu), Liebenswürdigkeit (Benzaiten), Autorität (Bishamonten), Großmut (Hotei).

Diese Tugenden seien der Schlüssel zu Ieyasus Befriedung des Landes gewesen. Ieyasu war natürlich von dieser Charakterisierung sehr angetan und wies seinen Hofmaler an, die sieben Gottheiten zu malen.

 

  buddhistische Schlüsselbegriffe
Amitabha अमिताभ - Bodhidharma बोधिधमृ - Bodhisattva बोधिसत्त्व - Bonze 坊主 - Buddha बुद्ध - Buddhismus 佛教 - Daibutsu 大仏 - Dalai Lama ཏཱ་ལའི་བླ་མ་ - Dickbauch-Buddha 笑佛 - Drei Religionen 三教 - Jadebuddha-Tempel 玉佛禅寺 - Jizo 地藏 - Kannon 観音 - Lama 喇嘛, Лам, བླ་མ - Maitreya मैत्रेय - Om mani padme hum ॐ मणिपद्मे हूँ - Pagode 塔 - Pantschen Lama པན་ཆེན་བླ་མ་ - Reines Land 净土 - Shikoku-Pilgerweg 四国八十八箇所 - Sieben Glücksgötter 七福神 - Zehn Ochsenbilder 十牛圖 - Zen ध्यान - Zengarten 枯山水

 

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