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09. August 2013

Schrift und Sprache der Chinesen

《漢語語音与漢語言字》 Hànyǔ yǔyīn hé yánzì (chinesisch + Laut + und + chinesisch  + Lautzeichen)
Originaltitel: Sound and Symbol in Chinese
1923
Autor: Bernhard Karlgren (高本漢 Gāo Běnhàn)

 „Die Eigenart einer ideographischen Schrift erlaubt es dem Forscher, die ursprüngliche Bedeutung der alten Zeichen zu enträtseln. Doch hat dies für den Philologen den großen Nachteil, daß ihm damit kein eindeutiger Hinweis auf die gesprochene Sprache gegeben ist. Bedeutet dies nun, daß wir ganz und gar nicht in der Lage sind, die Sprache so wiederherzustellen, wie sie vor Jahrhunderten gesprochen wurde? …

Da in China eine große Zahl von Dialekten gesprochen wird, so verschieden wie beispielsweise der norddeutsche vom süddeutschen Dialekt, ist die Aufgabe des Philologen eine ähnliche, und es ist daher durchaus möglich, vermittels der vergleichenden Dialektforschung Rückschlüsse auf das Chinesische des Altertums zu ziehen. ...

Als in den ersten Jahrhunderten des christlichen Zeitalters die Religion Buddhas in China propagiert wurde, kam eine Anzahl indischer Missionare nach China. Die Inder waren von je vortreffliche Philologen, und so leiteten sie die Chinesen zu einem grammatischen Studium ihrer Sprache an. Das veranlaßte die chinesischen Gelehrten, eine phonetische Bestandsaufnahme ihrer Sprache vorzunehmen. Sie stellten in Wörterbüchern Wörter mit gleichem Anlaut, Reimwörter, ferner synoptische Tabellen bestimmter Wörter mit Reihen lautverwandter Wörter zusammen. ...

Dazu kommt noch, daß die Chinesen während der letzten Jahrhunderte vor unserer Zeitrechnung und im ersten Jahrtausend danach mehr oder weniger engen Kontakt mit den verschiedenen Völkern Zentral- und Westasiens hatten. Die Berichte dieser Nichtchinesen über China und seine Literatur sind für unsere Forschung eine große Hilfe. Diese Fremden umschrieben die chinesischen Wörter, die sie hörten, so gut sie konnten, während die Chinesen ihrerseits die fremden Namen für Völker, Personen, Götter und Länder mit ihren eigenen Schriftzeichen aufzeichneten.

Diese Transkriptionen geben uns eine Vorstellung von der einstigen Aussprache vieler chinesischer Schriftzeichen. So wurde z. B. der Name des Buddha durch ein Schriftzeichen wiedergegeben, welches im heutigen Mandarin-Dialekt Fó [佛] gelesen wird. Die vergleichende Dialektforschung läßt den Schluß zu, daß dieses Wort im alten Chinesisch b’juêt (in gewissen alten Dialekten b‘juêd) ausgesprochen wurde, was dem ursprünglichen Buddha sehr nahekommt.

Noch reicher und wertvoller als die äußerst wichtigen Hinweise, die der Sprachforscher dem Verkehr der Chinesen mit den Völkern anderer Kultur verdankt, ist die Kenntnis jener Völker, die von der chinesischen Kultur beeinflußt wurden. Gegen Ende des ersten nachchristlichen Jahrtausends fand die chinesische Kultur in Korea und Japan allgemein Eingang; also in Ländern mit einer bis dahin primitiven Kultur. ... Die Lehnwörter haben sich selbstverständlich auf fremdem Boden gemäß den Lautgesetzen der fremden Sprache weiterentwickelt, aber diese Gesetze lassen sich feststellen, und in vielen Fällen zeigt eine veraltete Schreibweise die Entwicklungslinie auf.“
(Bernhard Karlgren: Schrift und Sprache der Chinesen. Berlin, Heidelberg: Springer, 1989. ISBN: 0-387-07108-3)

Bernhard Karlgren

Bernhard Karlgren  war ein schwedischer Sinologe, der als einer der ersten versuchte, das Lautsystem des Mittel- und Altchinesischen zu rekonstruieren, indem er  die Methoden der europäischen historischen Sprachwissenschaft auf das Chinesische anwandte.

Als Grundlage für seine Rekonstruktion zog er alte Reimwörterbücher heran und füllte Kategorien mit Daten auf, die er aus dem Studium moderner Dialekte und chinesischer Lehnwörter in anderen Sprachen (Japanisch, Koreanisch, Vietnamesisch) gewann.

Bernhard Karlgren reiste 1910, als zwanzigjähriger Student, nach China, wo er Untersuchungen über nordchinesische Dialekte durchführte. Nach Uppsala zurückgekommen, promovierte er 1915 und habilitierte sich im selben Jahr.

 

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