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08. Dezember 2012

Suzuki-Methode

スズキ メソード Suzuki metōdo (Familienname Suzuki + Methode)
 
„Viertausend Kinder stehen in Reih und Glied. Viertausend Kinder an weißen Markierungen, die auf dem Boden der ‚Budokan’-Halle von Tokio für ihre Plätze vorgezeichnet sind. Keinen Zentimeter rechts davon, keinen links.

Die Mädchen, alle vier bis sieben Jahre alt, stecken in schwarz-weißen Kleidchen mit roter Schärpe, das Haar duftig hergerichtet und mit Blumenspangen verziert. Die Jungen, alle vier bis sieben Jahre alt, tragen kurze, schwarze Hosen, weiße Wolljacken und Purpur-Schlips. Wichtigtuerisch und selbstbewußt tuscheln die einen, vor Aufregung zitternd und gerötet die Wangen, verharren die anderen.

Der Konzertmeister gibt das Zeichen, und sofort verstummt das letzte Gewisper. Die Kleinen nehmen Haltung an. Sie drücken die Mini-Geigen, die sie bisher in den Händen gehalten haben, unters Kinn. Tausende Köpfchen neigen sich zur Seite. Tausende Füßchen wippen dann rhythmisch, eins, zwei, drei, Strich nach oben, Strich nach unten – es ertönt Vivaldi.

Das Konzert der Knirpse ist ein überwältigender Hörgenuß. Die Griffe sitzen, kaum ein Mißklang. Nach Vivaldi kommt Mozart, und nach Mozart kommt Mendelssohn –‚ein Stück, mit dem Sie in der Bundesrepublik die Prüfung an der Musikhochschule abschließen können’, sagt stolz Shinichi Suzuki
[鈴木 鎮一Suzuki Shin’ichi], der Inspirator und Organisator des Kinderfestes. Er ist gerade 85 geworden, und hat Schwierigkeiten beim Gehen und beim Artikulieren. Doch seine Augen sind wach, durchbohrend, feurig, wie die eines Jungen. ‚Die Kinder brauchen mich’, sagt er ganz schlicht, einfach als Feststellung. ‚Ich denke, ich werde meine Pensionierung aufschieben, bis ich 110 bin.’

Die Erkenntnis, daß die bisherige Kindererziehung ‚alles Quatsch’ war, kam ihm schon vor Jahrzehnten, als eine Art Erscheinung im Traum. Die Erscheinung argumentierte so: Talent ist nicht vererblich, deshalb sind die Möglichkeiten jedes Kindes unbegrenzt. Es kommt nur darauf an, wie sie entwickelt werden. Da Kinder, ohne Buchstaben zu können, ihre Muttersprache lernen, müßten sie eigentlich auch andere Dinge auf natürliche Weise begreifen. Zum Beispiel, wie man ohne Noten-Kenntnis musiziert.

Suzukis damals vierjähriger Neffe wurde zum Versuchskaninchen – und zum großen Erfolg, als er, mit einer in der Werkstatt von Vater Suzuki hergestellten, auf ein Sechzehntel der Normalgröße verkleinerten Geige, die Klassiker rauf- und runterfiedeln lernte. Und das nur nach Gehör, durch ständiges Nachkratzen der Melodie, die aus dem Plattenspieler kam. 1947 stellt Suzuki seine Methode erstmals der Öffentlichkeit vor. Von da an verbreitet sie sich wie eine Kinderkrankheit.

‚Kleinkinder sind belastbarer als die Eltern denken’, sagt Altmeister Suzuki. ‚Aber am belastbarsten sind doch unsere japanischen Kinder. Wir arbeiten hier einfach mit größerem Ernst als in anderen Ländern. Sehen Sie nur, wie diszipliniert ...’ Die kleinen Fiedler spielen zur Abwechslung einmal ein Volkslied: ‚Hoch auf dem gelben Wagen’. Die Bogen fliegen. Die Gesichter sind angespannt, viertausendfach.

Sie sehen zu niedlich aus, die musizierenden Winzlinge. Ihre Leistung ist unglaublich und bewundernswert. Doch es liegt auch etwas Beklemmendes in dem gleichgeschalteten Klang. Etwas Erzwungenes, Ernstes, schrecklich Erwachsenes. Suzuki sagt, seine Methode habe auf die allgemeine Intelligenz-Entwicklung positive Auswirkungen: Seine Schüler seien bei IQ-Tests stets in der Spitzengruppe. Überhaupt könne man mit der Lern-Erziehung nicht früh genug beginnen. ‚Wir machen in unserem Forschungsinstitut gerade Versuche mit Frauen während der Schwangerschaft. Vielleicht kann man die Kleinen schon im Mutterleib erzieherisch erreichen und sie beeinflussen.’“

(Dieter Blum und Erich Follath: Nippon. Stuttgart: Fink, 1989. ISBN: 978-3-92382702-2)
 
Die Suzuki-Methode geht auf den Geiger und Pädagogen Suzuki Shinichi (鈴木 鎮一, 1898–1998) zurück, der sich im Alter von 17 Jahren mit Hilfe von Schallplattenaufnahmen das Geigespielen selbst beibrachte.
 
Sein Vater war Gründer der ersten Violinfabrik Japans. Von 1921 bis 1928 studierte er an der Berliner Hochschule für Musik. 1930 kehrte er, mit einer Deutschen verheiratet, nach Japan zurück.
 
Einen Anlass zum Unterrichten von Kindern im Vorschulalter bekam Suzuki, als ihn ein Vater bat, seinen vierjährigen Sohn – den heute bekannten Geiger Toshiya Eto – im Geigenspiel zu unterrichten.  Suzuki erkannte, dass allen Kindern Japans eines gemeinsam ist, nämlich dass sie eine so komplexe Sprache wie die japanische mühelos durch Nachahmung erlernen und übertrug dieses Prinzip des Lernens durch Nachahmung auf die Geige.

suzuki-methode

In Suzukis Hauptwerk ‚Erziehung ist Liebe‘ geht es darum, wie die Veranlagung des Menschen entwickelt werden kann. Es war seine  Grundüberzeugung, dass jegliches musikalische Talent ausschließlich auf Gehörschulung und kontinuierlichem guten Üben beruhe.

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