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08. Dezember 2012

Sprichwort

Chinesisch
俗语 Súyǔ
 
Japanisch
慣用句 kan'yōku
 

Es gibt da ein chinesisches Sprichwort …“ – Wer kennt sie nicht, diese Einleitung oder Überleitung bei einem Vortrag oder Artikel. Nur komisch, dass Chinesen diese „chinesischen Sprichwörter“ oft nicht kennen.

Besonders stolz sind die Chinesen auf ihre Chéngyǔ (成語 bzw. 成语), viergliedrige Redewendungen, die oft einen literarischen Hintergrund haben. Sie glauben, kein anderes Volk hätte etwas Vergleichbares. Doch gibt es bei uns auch die so genannten „geflügelten Worte“, die oft ein fundiertes Wissen der klassischen Literatur und Geschichte voraussetzen. Chéngyǔ sind Verkürzungen längerer Äußerungen, die man nur versteht, wenn man die Geschichten kennt, auf die sie anspielen. Deshalb gilt als gebildet, wer viele davon beherrscht und sie immer wieder ins Gespräch oder in seine geschriebenen Texte einfließen lassen kann.

sprichwoerter

濫竽充數 邯鄲學步 葉公好龍
滥竽充数 邯郸学步 叶公好龙
Làn yú chōng shù Hándān xué bù Yè Gōng hào lóng.
Ein überflüssiger Bläser In Handan laufen lernen Herr Ye liebt Drachen.
König Xuan (宣王) des Staats Qí (齐) liebte die Klangfülle seines Orchesters. Deshalb beschäftigte er dreihundert Flötenspieler. Ein Mann namens Nán Guō (南郭), der einer Flöte kaum einen Ton entlocken konnte, bewarb sich als Flötenspieler und wurde auch genommen. Doch da starb König Xuan und der neue König bevorzugte Solokonzerte. Er ließ also alle Musiker einzeln vorspielen. Da ergriff Nán Guō die Flucht.


Die Bewohner der Stadt Hándān (邯郸) waren im alten China für ihre Eleganz bekannt. Ganz besonders aber bewunderte man ihre anmutigen Schritte. Aus dem benachbarten Königreich Yān (燕) reisten junge Leute an, um so laufen zu lernen wie die Bewohner von Hándān. Aber ihr Gang blieb plump. Als heimzukehrten hatten sie sogar vergessen wie sie selbst liefen und mussten den Weg auf allen Vieren zurücklegen.
Herr Ye (叶公 Yè Gōng) ließ sein Haus mit Drachenbildern schmücken.
Der Himmelsdrache war davon so bewegt, dass er beschloss, ihn mit einem Besuch zu beehren. So flog er herab zur Erde.
Herr Yè erstarrte vor Schreck, als er ihn erblickte und floh, denn er liebte Drachen nur auf Bildern.






 
Selbst Affen fallen mal vom Baum“ scheint eines der beliebtesten Sprichwörter der Japaner zu sein und wird immer wieder gerne verwendet, wie das folgende Zitat zeigt:
 
„Mit diesem Sprichwort kommentierte Sensei ITO einen meiner gescheiterten Versuche, das von ihm vermittelte Material mit großem Elan und noch größerer Gestik an der Taiko [太鼓] umzusetzen, um dann doch auf halber Strecke kläglich im Zusammenspiel mit der Gruppe zu scheitern. …
Dass ich nicht der einzige 'Affe' war, der im Verlauf der folgenden Woche vom Baum fallen sollte, zeigte sich bereits innerhalb der ersten Übungseinheit und am Ende dieser Woche stellte sich mir die Frage, ob Affen überhaupt die größte Spanne ihres Lebens in den Bäumen verbringen.“

(Peter Markus: „Auch in Japan fällt ab und zu ein Affe vom Baum“)
 
Es gibt – grob gefasst – drei Arten japanischer Sprichwörter (諺 kotowaza):
  • überlieferte Aussprüche (言い習わし iinarawashi)
  • idiomatische Redewendungen (慣用句 kan'yōku)
  • aus vier Kanji bestehende Komposita (四字熟語 yojijukugo)
Die feststehende Fügungen aus vier Schriftzeichen leiten sich von chinesischen Chéngyǔ (成語) ab und setzen die Vorkenntnisse der historischen Hintergründe voraus:
 
呉越同舟
Go Etsu dōshū
(Wu und Yue im gleichen Boot)
(~ Wir sitzen alle im gleichen Boot.)

Während der Zeit der chinesischen Streitenden Reiche (春秋 Chūnqiū, 770 – 221) führten die Staaten ( 吴) und Yuè (越) oft Krieg miteinander. Da geschah es eines Tages, dass beide Staaten von einer gewaltigen Flut heimgesucht wurden. Männer aus beiden Staaten saßen zufällig zusammen in einem Boot als in der Mitte des Flusses ein heftiger Wind das Boot in schwere Bedrängnis brachte. Nun griffen alle gemeinsam in die Riemen und brachten das Boot mit letzter Kraft ans rettende Ufer.

Seitdem stehen diese Worte für gemeinsame Anstrengungen, um Schwierigkeiten zu überwinden.

Von diesen Worten hat auch die Tongji-Universität (同济大学 Tóngjì Dàxué) ihren Namen. Diese Shanghaier Hochschule fing im Jahr 1900 ganz ärmlich an. Damals gründete der deutsche Arzt Dr. Erich Paulun mit den Spenden deutscher Kaufleute eine Ambulanz für chinesische Patienten – zu einer Zeit, in der ein einfacher Chinese weniger wert war als ein Hund, wie es Paulun bei seiner Ankunft erleben musste. Der Name Tung-Chi (heute: Tongji), den die Schule 1912 bei der Erweiterung um technische Studiengänge bekam, ist dargestellt im Logo der Universität, das vier Ruderer in einem Kahn darstellt.
 
Siegel der Tongji-Universitättongji
 
同舟共济
Tóng zhōu gòng jì
im gleichen Boot übersetzen

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