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08. Dezember 2012

Silbermarkt

シルバーマーケット shirubā māketto (englisch: silver + market)
 

巣鴨地蔵通商店街
Sugamo Jizō-shōtengai
Sugamo-Kṣitigarbha
-Einkaufsstraße
(Foto: Wikimedia)

„Inmitten roter Schlüpfer und Reiscracker: Durch die Straßen von Tōkyōs Toshima-ku [豊島区] fließt der pure Jazz langsamer Schritte - gelegentlich mit rhythmischen Verschiebungen. Zwischen der Bahnstation Sugamo [巣鴨駅 Sugamo-eki] und dem Nordende der Ladenstraße namens Jizō-dōri [地蔵通り] ticken die Uhren anders. Das Tempo der Passanten ist hier von ausgesuchter Gemütlichkeit - ohne jedoch behäbig zu wirken. Das Nachmittagslicht fällt günstig in die vielen kleinen Läden und Geschäfte der langen Einkaufsmeile, in der die Preisschilder auffällig groß geschrieben sind und auf Brusthöhe hängen. Es braucht nicht lange, um herauszufinden, warum Tokyos Sugamo-Bezirk auch das Harajuku [原宿] der Silbergesellschaft ist: Während das hektische Harajuku der Ort der kaufwütigen, modebewussten Tōkyōter Hipster ist, finden auf der Jizō-dōri vornehmlich die älteren Semester Tōkyōs, was sie für ihr rüstiges Seniorenleben brauchen.

‚Es ist richtig, dass viele ältere Leute hier herkommen‘, sagt Herr Kawarada, der nahe des Koganji-Tempels einen Stand mit japanischen Süßigkeiten ([和菓子] wagashi) betreibt. ‚Man kennt einander hier und pflegt das Gespräch.‘ Das bräuchten die älteren Menschen am allermeisten. Trotzdem gehe es hier ebenso lebhaft wie Harajuku zu. ‚Nur eben etwas behutsamer‘, fügt er verschmitzt hinzu. …

Wer heute vor der Bahnstation von Sugamo auf jemanden wartet, wird sich zunächst wundern. Horden alter  Menschen, die aus dem Bahnhofseingang strömen und den Vorplatz wie ein Schwarm aufgeregter Tauben bevölkern - wie es in Harajuku mit den Jugendlichen der Fall ist - sucht man vergeblich. Doch schon in der Filiale einer bekannten amerikanischen Schnellrestaurant-Kette am Beginn der Jizō-dōri [Großmütterchens Harajuku;
おばあちゃんの原宿 Obā-chan no Harajuku], ist die Dichte an älteren Hamburger-Liebhaberinnen auffällig hoch. ... Es handelt sich um die geburtenstarken Jahrgänge 1947 bis 49. Sie machten bisher den Löwenanteil aller Erwerbstätigen aus.

Nun gehen allerdings auch sie nach und nach in Rente. Nicht jedoch, ohne vorgesorgt zu haben. Die 60- bis 70-Jährigen haben im Schnitt rund 9 Millionen Yen (ca. 89.000 Euro) auf dem Konto oder in ihrem Hesokuri
([臍繰り] dem traditionellen Geldversteck der japanischen Frauen zwischen der Wäsche). Davon können viele junge Japaner nur träumen. Jeder Dritte von ihnen kann, offiziellen Statistiken zufolge, kaum vom eigenen Einkommen leben, geschweige denn etwas für das Alter zur Seite legen.

Von den reichen Baby-Boomern versprach man sich mit ihrem Renteneinstieg immerhin einen kräftigen Konsumschub. Wer keine Arbeit mehr hat, sollte schließlich auch mehr Zeit haben, sein Geld auszugeben. Die Rechnung hat man allerdings ohne die rüstigen Rentner gemacht. Viele lassen ihr Geld auf dem Sparkonto. Wieder Andere hören gar nicht erst mit dem Arbeiten auf.

Wer auf der
Jizō-dōri allerdings etwas länger hinsieht, der bemerkt: Nicht alle alten Menschen sind so wohlhabend. Auf dem Vorplatz des Schreines finden sich des Nachts auffallend viele Alte, die sich auf den schmalen Holzbänken einen Platz für die Nacht suchen. Gerade während des Sommers sei es ein regelrechtes Nachtlager für die alten Herrschaften - vornehmlich Männer - sagt Herr Kawarada vom Süßigkeitenstand. Viele von ihnen ertrügen schlichtweg die Enge und Einsamkeit der eigenen vier Wände immer weniger und wüssten oft nicht mehr wohin. Es herrsche eine Art Kameradschaft unter den älteren Menschen, wie man sie sich bei den Jüngeren heutzutage wünschen würde. Auf den Straßen von Sugamo wird viel geteilt. Essen und Trinken, Lachen und Leid.“
(Axel Weidemann  in Japan Markt vom 1. Oktober 2011: Die Silbergesellschaft. Japans rüstige Senioren)

Alte Leute werden zunehmend als eine der Hauptursachen für die Stagnation Japans angesehen. Ihr Wohlstand sorge dafür, dass ein Großteil der japanischen Haushalte ihr Leben nur noch zur Hälfte durch Arbeitseinkommen bestreiten müsse. Die mangelnde wirtschaftliche Dynamik interessieren niemanden, der von seinem Ersparten leben kann. Sicherlich ist für sie Veränderung nicht mehr so wichtig, wie für die junge Generation.

„Beobachtet man das rege Treiben auf Sugamos Jizō-dōri länger, bekommt man allerdings kaum den Eindruck, Japans Senioren zögen sich auf ihr Altenteil zurück. Bepackt mit zahlreichen Tüten, mit Rucksack, Handtasche oder Handwagen ziehen sie durch die Läden von Sugamo. Kleidung für die modebewusste Frau ab 60 (Die Eingangs erwähnte rote Unterwäsche, so glaubt man, sorgt im Alter für Gesundheit und Vitalität), grüner Tee, Reiscracker in allen Variationen, Gemüse, allerlei Arten getrockneter Fisch (Himono) und japanische Süßigkeiten — all das ist bequem mit ein paar Schritten zu erreichen. ...

Die Silbershopper sind treue Kunden und nicht so sprunghaft, wie die Jugend von Harajuku. Qualität und Beständigkeit gehe hier vor Ausgefallenheit. Auch die Kundennähe werde großgeschrieben. Auf eine solide Beratung legen die meisten Rentner großen Wert, bevor sie sich beispielsweise für ein Kleidungsstück oder einen Gehstock entscheiden. Darauf müssen sich auch die Läden einstellen. Der schnelle Puls der Kundenabfertigung anderer Einkaufsmeilen von Tōkyō wäre hier mehr als ungesund. Man muss sich Zeit nehmen für die Kunden, die nicht selten gute Bekannte geworden sind. Langsamkeit ist hier nichts allzu Schlechtes.“
(Axel Weidemann  in Japan Markt vom 1. Oktober 2011: Die Silbergesellschaft. Japans rüstige Senioren)

Silbermarkt ist ein Marketing-Begriff aus Japan. Er bezieht sich auf die grauen (= silbernen) Haare älterer Männer und Frauen. Um auf dem Silbenmarkt erfolgreich zu sein, spielt die Vermarktung eine große Rolle. Ältere Konsumenten fühlen sich aber stereotyp dargestellt und oft nicht richtig angesprochen. Es gibt einige Tricks, wie ältere Konsumenten angesprochen werden, etwa durch Nostalgie wie Musik, die diese Generation in ihrer Jugend gehört hat, oder Stars ihrer Altersgruppe.


das alternde Japan
Berg der ausgesetzten Alten 姥捨て山 - Kinsan-Ginsan きんさんぎんさん - Silbermarkt シルバーマーケット

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