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08. Dezember 2012

Selbstverteidigungskräfte

自衛隊 Jieitai (selbst + verteidigen + Trupp; Self Defense Forces, SDF)
 
sdf-jieitai
„Seltsam die Freundschaft, seltsam auch die Streitpunkte. Da hatte der amerikanische General MacArthur den Japanern aus Angst vor einem Wiederaufleben des Faschismus einen Passus in die Verfassung diktiert, der Nippon verbot, ‚Land-, See- und Luftstreitkräfte und sonstiges Kriegspotential zu unterhalten’ (Artikel 9) – es ist die einzige Verfassung in der Welt, die so eine Klausel enthält. Heute drängt die amerikanische Regierung die japanische, mehr Geld in die Armee zu investieren, deren Aufbau sie einst verboten hat. Und dabei verfügt Japan inzwischen – illegal sozusagen – über 13 Divisionen (155.000 Mann), 160 Kriegsschiffe und 360 Kampfbomber und damit über die achtstärksten Streitkräfte der Welt.

Es hatte nicht lange gedauert, bis die Amerikaner ihre ‚Friedens-Klausel’ in der japanischen Verfassung zutiefst bedauerten. Die Söhne Nippons nahmen nach dem Ende des Kriegs voller Inbrunst pazifistisches Gedankengut in sich auf. Mit noch größerer Begeisterung, als sie ‚Soldaten des Kaisers’ gewesen waren, wurden sie, friedliebende, hart arbeitende ‚Soldaten der Wirtschaft’. Ohne auch nur einen Yen für die Landesverteidigung auszugeben, konnten sie sich in den Aufbau ihrer Wirtschaft und schon sehr bald auch in eine weltweite Exportoffensive stürzen. Washington aber mußte das Fernost-Reich mit seinen Truppen beschützen und Tokio mit unter seinen Atom-Schirm nehmen, wollte es das strategisch wichtige Land nicht dem Zugriff anderer überlassen. ...

Als ‚Trittbrettfahrer der US-Verteidigung’ und ‚Parasiten’ beschimpften amerikanische Generäle die Japaner, die sich schließlich 1954 bereit erklärten, anfangs minimal ausgestattete ‚Selbstverteidigungs-Streitkräfte’ aufzubauen. Begründet wurde das, auf Rat der Amerikaner, mit einen Artikel in der UNO-Charta, der jedem Staat ein ‚Abschreckungs-Recht’ zugesteht. Aber um den ‚Geist der Verfassung’ nicht zu verletzen, wollten sich die Japaner auch weiterhin ‚keine Angriffswaffen’ anschaffen: Die Politiker in Tokio hatten erkannt, wie praktisch der Pazifismus für sie war.
 
Als ein US-General im Jahr 1960 gefragt wurde, ob sich denn Nippon mit eigenen Mitteln gegen einen Angriff wehren könnte, knurrte er: ‚Ja vielleicht, wenn die Eingeborenen von den Fidschi-Inseln mit Pfeil und Bogen attackieren.’
 
Im gleichen Jahr noch schloß Washington ein Verteidigungsbündnis mit Japan, das die Amerikaner verpflichtet, im Falle eines Angriffs ihrem Fernost-Verbündeten beizustehen. Der Finanzposten für Landesverteidigung lag in Tokio auch danach mit schöner Regelmäßigkeit unter der Summe, die japanische Spesenritter für Bewirtungen ausgaben.
 
Das Berufsheer wurde darüber hinaus dilettantisch geführt: Zeitweise durften pro Soldat nur 16 Schuß Munition ausgegeben werden. Der damalige Verteidigungsdirektor Nakasone – Minister konnte sich der Chef der ‚Agentur’ aus Rücksicht auf die Verfassung niemals nennen – klagte noch 1971 über absurde Vorschriften: ‚Wie die Gesetze jetzt sind, müssen die Panzer im Fall eines Angriffs die öffentlichen Straßen benutzen und an jeder roten Ampel halten.’“
(Dieter Blum und Erich Follath: Nippon. Stuttgart: Fink, 1989. ISBN: 978-3-92382702-2)

„Ist es für Japan an der Zeit, seine Waffen scharf zu machen und im Namen der Verteidigung des Friedens in die Welt zu ziehen? Schon allein die Vorstellung verursacht in Asien noch immer Protestgeschrei - nicht zuletzt auch in Japan, wo man der „Friedensverfassung" aus der Nachkriegszeit noch immer sehr verhaftet ist."
(http://www.project-syndicate.org/commentary/kaneda1/German; Hideaki Kaneda: Wie militärisch sollte Japan sein? 2004. 6. 2002; Hideaki Kaneda, ehemaliger Vizeadmiral der japanischen Selbstverteidigungskräfte)

Japan ist es laut Artikel 9 der Verfassung verboten, ein Militär aufzustellen oder internationale Konflikte durch Gewalt zu lösen, wobei es allerdings derzeit eine breite öffentliche Diskussion über die Möglichkeit gibt, den Artikel aus der Verfassung zu streichen.

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