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08. Dezember 2012

Sechsunddreißig Ansichten des Berges Fuji

富嶽三十六景 Fugaku sanjūrokkei (Fuji + Gipfel + drei + zehn + sechs + Ansichten)
1830
Künstler: Katsushika Hokusai 葛飾北斎 (1760 – 1849)
 

36ansichten

„Was um Himmels Willen treibt jemanden so an, sich 36 Ansichten des Berges Fuji anzuschauen? Und was treibt jemanden an, diese anzufertigen? Unbestritten jede Menge Ehrfurcht. Ehrfurcht vor der meisterlichen Abbildungsqualität auf der einen Seite, sowie Ehrfurcht vor dem heiligen Berg des Shintoismus auf der anderen Seite.“

Diese Serie gilt als Meisterwerk des japanischen Künstlers Katsushika Hokusai. Auf allen Blättern des Albums ist Japans heiliger Berg zu sehen. Hokusai war annähernd 70 Jahre alt, als er gegen 1830 die ersten Entwürfe für diese Serie zeichnete. Im Vorwort zu seinem Buch Die hundert Ansichten des Berges Fuji schrieb er, dass nichts von dem, was er in den bisherigen 70 Jahren (vor dem Erscheinen der 36 Ansichten des Berges Fuji) geschaffen hätte, der Erwähnung wert gewesen sei.
 
Die Bilder der Serie
36-01 36-02
神奈川沖浪裏 凱風快晴
Kanagawa oki nami ura Gaifū kaisei
1. Unter der Welle im Meer vor Kanagawa 2. Klare Morgendämmerung bei Südwind
Bekannt als Die große Welle vor Kanagawa ist es das bekannteste japanische Kunstwerk. Die große Welle scheint die Fischer verschlingen zu wollen; in der Ferne zeichnet sich die Silhouette des verschneiten Fuji ab. Bekannt als Roter Fuji: Unter den Strahlen der aufgehenden Sonne färbt sich der Fuji ziegelrot. Dieses und das nächste Bild sind die einzigen der Serie, die den Fuji als beherrschendes Element zeigen.
36-03 36-04
山下白雨 深川万年橋下
Sanka hakuu Fukagawa Mannen-bashi shita
3. Gewitter unterhalb des Gipfels 4. Unter der Mannen-Brücke in Fukagawa
Der Fuji nimmt fast den gesamten Raum  ein. Es herrschen  Finsternis und Unwetter. Der Fuji ragt über im westlichen Stil dargestellten Kumuluswolken in einen klaren Himmel empor, während an seinem Fuß ein Gewitter losbricht und ein Blitz den unteren Rand beleuchtet. Ein Kreisbogen für die stark geschwungene Mannen-Brücke = Brücke der zehntausend Jahre), auf der Passanten die Landschaft bewundern, ein Dreieck für den Fuji, Vertikalen für die Brückenpfeiler, Diagonalen für die Uferböschungen und Horizontalen für das gegenüberliegende Ufer. Der Fuji erscheint winzig, während ein Angler und ein mit Waren beladenes Boot den Vordergrund beleben.
36-05 36-06
東都駿台 青山円座松
Tōto sundai Aoyama enza-no-matsu
5. Surugadai in Edo 6. Die Kiefer in Aoyama
Ein befestigter Weg führt in breiten Stufen hinab zum Fluss. Auf ihm verkehren Reisende und Pilger, fliegende Händler und Kulis, die sich unter ihrer Last krümmen, sowie ein von drei Dienern begleiteter Samurai. Links steigen drei schwerbepackte Männer den Hang hinauf, der von einer großen Kiefer beherrscht wird. Hokusai spielt hier mit dem Kontrast zwischen dem Dreieck des Fuji im Hintergrund und dem Kreisbogen des Kiefernwalds im Vordergrund. Neben einer steinernen Laterne in den Gärten des Zen-Tempels picknicken einige Männer, während ein anderer mit einem Kind, dem er den Fuji zeigt, den Weg entlangläuft
36-07 36-08
武州千住 武州玉川
Bushū Senju Bushū Tamagawa
7. Senju in der Provinz Musashi 8. Der Fluss Tama in der Provinz Musashi
Auf der Straße steht ein Bauer, der sein mit Heusäcken beladenes Pferd am Zügel hält, und den schneebedeckten Fuji betrachtet, der sich hinter dem Baugerüst eines Hauses abzeichnet. Daneben gibt es anekdotische Details wie das kleine Tier, eine Schildkröte oder ein Krebs, das der Bauer an der Pferdeleine befestigt hat, um es seinen Kindern mitzubringen. Der statische Fuji erhebt sich über den Dunstschwaden, die ihn vom Fluss trennen. Im Vordergrund führt ein Bauer ein schwer beladenes Pferd, während ein Lastkahn mit zwei Männern den Fluss überquert.
36-09 36-10
甲州犬目峠 尾州不二見原
Kōshū inume-tōge Bishū Fujimigahara
9. Der Inume-Pass in der Provinz Kai 10. Fuji gesehen von den Reisfeldern in der Provinz Owari“
Reisende bewegen sich auf dem Grat eines Hügels; die einen haben schon die halbe Höhe erreicht, die anderen, gefolgt von zwei beladenen Packpferden, befinden sich noch auf dem ebenen Teil.
Der Sonnenuntergang taucht diese Landschaft in warme Farben: Die Farbabstufungen des Berges reichen von Weiß über Blau bis zu Braun.
Der Kreis, des im Bau befindlichen Fasses umrahmt die rechteckigen Linien der Reisfelder und in der Ferne das Dreieck des schneebedeckten Fuji. Der Kreis des Fasses, das der Handwerker zusammenbaut, fixiert den Bildausschnitt.
36-11 36-12
東都浅草本願寺 武陽佃島
Tōto Asakusa honganji Buyō Tsukuda-jima
11. Der Hongan-Tempel bei Asakusa in Edo 12. Die Insel Tsukada in der Provinz Musashi
Dachdecker reparieren das Dach des Buddha-Tempels Honganji. Der Dreiecksgiebel des Tempels greift die Form des Fuji auf. Links ragt ein Beobachtungsturm zur Brandüberwachung empor. Am Himmel fliegt ein Drachen, Symbol des neuen Jahrs.
Von einem Standpunkt an der Küste aus zeigt Hokusai die Insel Tsukuda, ein Fischerdorf an der Mündung des Sumida-Flusses. Die Fischerei muss intensiv gewesen sein, wie sich an den Booten erkennen lässt:
36-13 36-14
相州七里浜 相州梅沢庄
Sōshō Shichiri-ga-hama Sōshū umezawanosho
13. Shichirigahama-Strand in der Provinz Sagami
14. Die Felder von Umezawa in der Provinz Sagami
Im weißlichen Licht der Morgendämmerung liegt eine menschenleere Winterlandschaft. In einer Einbuchtung liegt ein Dorf. Die eisige Stimmung wird auch durch kalte Farben vermittelt. Die gesäumte Form der Wolken verrät westlichen Einfluss. Nur Kraniche, Symbole der Langlebigkeit, beleben diese  Landschaft. Links waten fünf Kraniche in einem Sumpf, während zwei weitere in einer Flugbahn parallel zur Flanke des Fuji auf den Gipfel zuzusteuern scheinen.
36-15
36-16
甲州石班沢 甲州三嶌越
Kōshū Kajikazawa Kōshū Mishima-goe
15. Kajikazawa in der Provinz Kai
16. Der Mishima-Pass in der Provinz Kai
Von chinesischen Meistern übernahm Hokusai das Gegensatzpaar „leer“ und „voll“: Die „volle“ Zone im Vordergrund mit Fischer und dem sitzenden Jungen bildet einen Kontrast zur „leeren“ Zone, die mit sparsamen Mitteln den Himmel und den Berg beschreibt.
Die Komposition beruht auf zwei Dreiecken: dem Fuji und das aus dem Felsvorsprung, dem Fischer und seinen Schnüren gebildete.
Drei Reisende versuchen den gewaltigen Stamm einer Sicheltanne messen zu wollen, indem sie versuchen, ihn mit ihren Armen zu umfassen. Durch den Stamm das Bild in zwei Hälften unterteilt. Auf der linken Seite lagert ein pfeiferauchender Bauer; auf der rechten Seite steigen einige Personen einen Weg hinab. Eine Flanke des Fuji bildet eine Diagonale, die das Bild ebenfalls zweiteilt: in eine volle und eine leere Zone. Der Fuji gliedert sich in drei Streifen: der Gipfel in Blau-Grün, die mittlere Zone in Weiß und der Sockel in Grau.
36-17 36-18
信州諏訪湖 駿州江尻
Shinshū Suwa-ko Sunshū Ejiri
17. Der Suwa-See in der Provinz Shinano 18. Ejiri in der Provinz Suruga
Der Suwa-See ist umschlossen von den Bergen der heutigen Präfektur Nagano, etwa neunzig Kilometer nordwestlich des Fuji, den man klein im Hintergrund erkennt. Zwei Kiefern ragen über ein kleines Heiligtum auf. Auf der linken Seite überquert ein Boot den See in Richtung eines Dorfes. Auf einer in den See ragenden Landspitze ist das Schloss Takashima zu erkennen.
Sieben Reisende auf einem Deich durch die Reisfelder kämpfen gegen den Wind und halten ihre Strohhüte fest. Eine heftige Bö lässt die Papierbögen davonfliegen, die die Frau im Vordergrund trug, außerdem den Hut eines Reisenden sowie die Blätter der beiden sturmgepeitschten Bäume. Die Silhouette des Fuji ist nur durch eine Linie angedeutet.
36-19 36-20
遠江山中 常州牛掘
Tōtōmi sanchu Jōshū Ushibori
19. In den Bergen von Tōtōmi 20. Ushibori in der Provinz Hitachi
Zwei Handwerker zersägen einen Balken, während ein dritter im Sitzen das Sägeblatt schleift, wobei ihm eine Frau mit Kleinkind auf dem Rücken zuschaut Der Balken unterteilt das Bild in zwei rechtwinklige Dreiecke. Die beiden Böcke, auf denen der Balken ruht, bilden Dreiecke, von denen das größere den Fuji einrahmt.
Anstatt den ganzen Hafen zu zeigen, konzentriert sich Hokusai auf die Darsteilung des Bugs einer Dschunke, der das Blatt in zwei Hälften teilt. Alles ist ruhig. Die einzige Bewegung ist die eines Mannes, der das Kochwasser für den Reis über Bord kippt. Dieses Geräusch hat zwei Reiher zur Linken aufgescheucht.
36-21 36-22
江都駿河町三井見世略図 御厩川岸より両国橋夕陽見
Kōto Suruga-chō Mitsui Miseryakuzu Ommayagashi yori Ryōgoku-bashi yūhi mi
21. Szene von den Mitsui-Läden bei Suruga-chō in Edo 22. Blick auf den Sonnenuntergang über der Ryōgoku-Brücke von der Ufermauer in Onmaya
Dargestellt sind die oberen Etagen und Dächer des großen Textilkaufhauses Mitsui (三井), das bis heute unter dem Namen Mitsukoshi (三越) existiert. Seinen Erfolg verdankte das Unternehmen Verkaufstechniken wie Barzahlung und Festpreise. Das Dach, das gerade repariert wird, erinnert an den Fuji, der im Hintergrund aufragt. Am Himmel fliegen zwei Neujahrsdrachen, von denen der eine die Gestalt eines Falken hat, während der andere mit dem Glückwunschzeichen „ju“ geschmückt ist.
Dieser Holzschnitt ist durch zwei Kurven charakterisiert, die spiegelbildlich angeordnet sind: links im Hintergrund der Konvexbogen der Ryōgoku-Brücke in Edo und rechts im Vordergrund die Krümmung des überfüllten Boots, das gerade ablegt. Die stark frequentierte Brücke verband die östlichen Stadtviertel von Edo, wo Hokusai geboren wurde, mit dem Rest der Stadt. Die Brücke hat ihren Namen daher, dass sie zu zwei verschiedenen Provinzen gehörte: „Brücke der zwei Länder“.
Die Passagiere des Fährboots, Schiffer, Samurai, Händler, Mönch, Mutter mit Kind, wenden sich vom Betrachter ab: Einer döst am Bug, andere betrachten den Fuji und ein Mann zieht ein Tuch durchs Wasser, offenbar um die Geste der Wäscherin links zu parodieren.
36-23 36-24
五百らかん寺さざゐどう 礫川雪の旦
Gohyaku-rakanji Sazaidō Koishikawa yuki no ashita
23. Der Turban-Turm im Tempel der 500 Rakan 24. Verschneiter Morgen bei Koishikawa
Von der Terrasse eines Tempels aus betrachten Pilger die Landschaft. Abgesehen von den beiden Personen auf der rechten Seite, die gerade ihr Gepäck ablegen, studieren alle das Panorama. Der Junge zur Linken zeigt auf den Fuji. Der Tempel der fünfhundert Rakan (らかん = Buddha-Schüler) verdankt seinen Namen den lebensgroßen Statuen.
An einem klaren Morgen stehen im Obergeschoß eines Ryōkans einige Frauen zusammen und genießen die Aussicht. Während ein Diener einen niedrigen Tisch mit Speisen bringt, zeigt eine der Frauen mit dem Finger auf den schneebedeckten Fuji, über dem drei Krähen am weißen, mit blauen Rändern abgesetzten Himmel kreisen.
36-25 36-26
下目黒 
隠田の水車
Shimo meguro Onden no suisha
25. Shimo-Meguro   26. Das Wasserrad bei Onden
Der Fuji, der hier von den Hügeln und einer Kiefer beherrscht wird, verschwindet fast im Hintergrund. Man erkennt einige strohgedeckte Hütten sowie terrassenförmig angelegte Felder, außerdem Schober und Heuhaufen. Ein Bauer zieht mit Spitzhacke zur Arbeit, eine Bäuerin trägt ein Baby auf dem Rücken und hat ein weiteres Kind an ihrer Seite, zwei Falkner unterhalten sich mit einem am Wegrand sitzenden Mann. In dieser Gegend wurde die Falkenjagd praktiziert. An einem Mühlrad wird Reis gewaschen. Bepackt mit Säcken ungeschälter Reiskörner steigen zwei Männer den Hang hinauf, während zwei Frauen den entkörnten Reis spülen.  Ein Kind mit einer Schildkröte an der Leine betrachtet die Tätigkeit der Erwachsenen oder den Fuji. Auch hier zeigt sich Hokusais Vorliebe für geometrische Formen wie Dreieck (Fuji) und Kreis (Wasserrad).
36-27 36-28
相州江の島 東海道江尻田子の浦略図
Sōshū Enoshima Tōkaidō Ejiri tago-no-ura
27. Enoshima in der Provinz Sagami 28.  Skizze von der Tago-Bucht bei Ejiri an der Tōkai-Straße
Über eine Sandbank im Meer lauten oder reiten winzige Gestalten zu der kleinen Felseninsel Enoshima, einem berühmten Wallfahrtsort. Die Pilger sind auf dem Weg zum Heiligtum der Benzaiten (弁才天) – Göttin der Künste, der Liebe, der Musik und des Reichtums –, der die Insel Enoshima geweiht war. Der Eingang des Heiligtums ist durch zwei große Steinlaternen markiert.
Im Vordergrund kämpfen sich Ruderer mühsam durch die bewegte See, während ein Fischer am Bug ein Netz einholt. Das Ufer ist von winzigen Gestalten bevölkert, die den Sand harken und das Salz aussondern, das sie in Eimern zu den Öfen der Saline am Strand bringen. Nebelschwaden breiten sich über die strohgedeckten Häuser des Dorfes aus. Die emsigen Menschen wirken unbedeutend inmitten einer Natur, die von Meer und Fuji symbolisiert wird.
36-29 36-30
東海道吉田 上総の海路
Tōkaidō Yoshida Kazusa no kairo
29. Yoshida an der Tōkai-Straße 30. Auf See vor Kazusa
Auf dem Balkon eines Teehauses betrachten Reisende den Fuji. Es nennt sich Fujimi chaya („Fuji-Blick-Teehaus“), wie der Inschrift zu entnehmen ist. Eine Dienerin weist zwei Besucherinnen auf den Berg hin. Auf der rechten Seite ruhen sich zwei Träger auf einer Bank aus, nachdem sie ihre Lasten abgelegt haben; links stützt sich ein weiterer auf die Sänfte und wischt sich den Schweiß ab. Im Vordergrund bearbeitet ein ausgemergelter Greis eine Sandale mit dem Holzhammer. Drei Streifen von kräftigem Preußischblau gliedern diesen Holzschnitt. Das schmale Band in der Mitte markiert den Horizont, an dem sich winzig der Fuji abzeichnet. Auf der welligen Meeresoberfläche fahren zwei Dschunken mit vom Wind geblähten Segeln. Diese Handelsschiffe kontrastieren mit ihrer kräftigen Farbgebung mit dem Meer.
36-31 36-32
江戸日本橋 隅田川関屋の里
Edo Nihon-bashi Sumidagawa Sekiya no sato
31. Die Nihon-Brücke in Edo 32. Das Dorf Sekiya am Fluss Sumida
Die Japan-Brücke (日本橋 Nihon-bashi) im Herzen von Edo war Ausgangspunkt der fünf wichtigsten Fernverbindungsstraßen. Hiroshige wählte sie als Frontispiz für seine Serie Dreiundfünfzig Stationen des Tokaido, allerdings aus einer ganz anderen Perspektive als Hokusai.
Die Brücke verschwindet unter der Menge von Kaufleuten und Lastträgern, von denen man lediglich Hüte, Gesichter und Waren erkennt. Hokusai, der hier mit der westlichen Perspektive arbeitet, erzielt eine dynamische Wirkung, indem er den Blick zeigt, wie er sich von der Brücke aus darbietet: zwei Reihen von Lagerhäusern, die das Ufer des Edo-Flusses säumen und auf deren Rückseite Männer damit beschäftigt sind, Lebensmittel zu entladen.
In der Ferne erhebt sich das Schloss der Shogune, das in der Meiji-Zeit zur kaiserlichen Residenz wurde, darüber auf der linken Seite der Fuji-san.
Drei berittene Boten galoppieren über einen Deich, der sich durch Reisfelder schlängelt. Diese Eilkuriere befördern wichtige Nachrichten der Regierung.
Es ist früh am Morgen, wie man an den Nebelschwaden erkennen kann. Die Dynamik des Bildes erinnert stark an Nr. 18.
Der Eindruck von Rasanz entsteht hier durch die Haltung der Reiter – sie sind nach vorn gebeugt, der Hut hängt ihnen an der Seite, ihre Gewänder flattern im Wind – und durch die Bewegung der Pferde, deren Schwänze horizontal dahinfliegen und deren Hufe kaum den Boden zu berühren scheinen.
36-33 36-34
登戸浦
相州箱根湖水
Noboto-ura Soshu Hakone kosui
33. Die Noboto-Bucht 34. Der Hakone-See in der Provinz Sagami
Die Wellenformen der Hügel und der Küstenlinie bilden ein Gegengewicht zu den geometrischen Formen der Bauten: Dreiecke der strohgedeckten Häuser, Rechtecke der Torii; die den Eingang zu einem Shinto-Heiligtum markieren, das einer Meeresgottheit geweiht ist.
Das Dreieck des verschneiten Fuji-san ist dem Rechteck des großen Torii eingeschrieben.
Im Vordergrund zeigt Hokusai Fischer, die in den seichten Gewässern der Bucht von Noboto Muscheln sammeln.
Hokusai zeigt hier eine Landschaft, der jede Spur menschlichen oder tierischen Lebens fehlt. Lediglich die blauen Dächer des Shintō-Heiligtums Hakone Gongen weisen darauf hin, dass dieser Ort von Menschen frequentiert wurde.
Inmitten der Berge von Hakone am Ufer des Ashinoko-Sees (芦ノ湖), an der Grenze zwischen Kantō und Kansai, befand sich eine Station des Tōkaidō mit einem wichtigen Kontrollposten, an dem die Behörden den Warenverkehr überwachten und die Passierscheine inspizierten. Doch anstatt die Betriebsamkeit darzustellen, konzentrierte sich Hokusai lieber darauf, etwas von der ruhigen Heiterkeit zu vermitteln, die über dieser stark gewellten und gekurvten Landschaft liegt.
36-35 36-36
甲州三坂水面 東海道保土ケ谷
Koshu Misaka suimen Tōkaidō Hodogaya
35. Oberfläche des Misaka-Sees in der Provinz Kai 36. Hodogoya an der Tōkai-Straße
Das Spiegelbild des Fuji-san weist zwei Anomalien auf: Zum einen befindet es sich nicht direkt unterhalb der Silhouette, sondern ist leicht nach links verlagert; zum anderen zeigt es einen schneebedeckten Gipfel, während der Berg im Sommer dargestellt ist.
Hokusai geht es hier darum ein Symbol für den Wandel der Jahreszeiten darzustellen. Der westlich von Tōkyō und etwas nördlich des Fuji gelegene Pass von Misaka bietet einen Blick auf den Kawaguchiko (河口湖), einen der fünf Seen des Gebiets, und auf die strohgedeckten Häuser eines kleinen Dorfs.
Knorrige Kiefern – symbolische Trennung der Welt der Menschen von der der Götter –, säumen die Straße von Hodogaya, der vierten Station des Tōkaidō, die heute einen Vorort von Yokohama bildet. Verschiedene Reisende sind auf der Landstraße unterwegs. Links ruhen sich zwei Sänftenträger aus, der eine wischt sich den Schweiß von der Stirn, der andere bindet sich die Sandalen fest. Sie haben die Sänfte abgesetzt, in der eine Frau vor sich hindöst. Im Zentrum führt ein Stallbursche ein Pferd an der Leine, dessen Reiter den Fuji-san zu betrachten scheint. Auf der Satteldecke des Pferdes erscheinen Marke und Siegel des Verlegers Nishimuraya.
Ein buddhistischer Musikermönch, erkennbar an seiner Bambusflöte und dem großen Strohhut – entfernt sich nach rechts.
 
Jocelyn Bouquillard: Hokusai - 36 Ansichten des Berges Fuji. Schirmer/Mosel, 2007. ISBN 3-8296-0295-2

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