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07. Dezember 2012

Schattenboxen

太極拳 bzw. 太极拳 tàijíquán
 
Morgendliches "Schattenboxen" am Himmelstempel in Peking
(Foto Wikimedia-Nutzer BrokenSphere)
 
„Was sieht man, wenn man, vom Bahnhof kommend, morgens zwischen fünf und sechs Uhr durch die Beijinger Innenstadt spaziert? Das ist die Stunde, in der aus dunkler Nacht hellichter Tag wird - und die Stunde, in der man Dinge erlebt, die einem als Europäer geradezu gespenstisch vorkommen.

Zunächst, entlang einer Allee, sind es einzelne Menschen, die einem auffallen, ältere meist, alle paar hundert Meter einer. Sie bewegen sich auf seltsame Art und Weise, langsam, wie in Zeitlupe. Drei Schritte nach vorn, dann wieder zurück - sie wirken wie von unsichtbaren Fäden gesteuert. Sie lassen ihre Arme kreisen, die Handrücken, ausgestreckt, behutsam, als würden sie eine zerbrechliche Stange balancieren. Sie stellen sich auf ein Bein, ziehen langsam das Knie des anderen nach oben, lassen es ebenso langsam wieder hinab. Sie strecken beide Hände aus, bewegen sie, als wollten sie jemanden schlagen - aber so sanft und langsam, als dürften sie ihm dabei nicht weh tun. Sie gehen in die Hocke, steigen wieder auf, drehen sich. Je mehr es dämmert, um so dichter wird die Reihe der Menschen auf dem Gehweg, die sich auf diese Art bewegen.

Ich schaue sie mir aus der Nähe an: Sie scheinen nichts wahrzunehmen von dem, was um sie herum vorgeht. Ihre Gesichter sind starr und regungslos. Sie sind völlig in sich versunken. Ich kann einen Meter dicht an sie herantreten, ohne daß sie darauf reagieren.“

(Geiges: China im Aufbruch, 1987)
 
Taiji-Bewegungen sind langsam, weich, rund, fließend und sanft. Die Schritte werden leicht und weich gemacht. Man schwebt durch die Bewegungen. Ist man verkrampft, dann werden die Bewegungen hektisch, plump und fahrig.

„‚Schattenboxen’, so fand ich bald heraus, ist dafür eine Bezeichnung, wie sie irreführender kaum sein konnte: Westliches Boxen verhält sich zu den sanften chinesischen Übungen etwa so wie die Vergewaltigung zur Zärtlichkeit. Der chinesische Name ‚Taijiquan’ hilft da auch nicht weiter: Taiji, ein schwer übersetzbarer philosophischer Begriff, bedeutet etwa ‚das große Elementare’, und Quan heißt auch hier Boxkampf.“
 

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