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06. März 2015

Ramen

Japanisch
ラーメン rāmen
拉麺 rāmen (ziehen + Nudel)

 

„Beinahe jeder auf der Welt weiß: Japaner können solide Autos bauen, verstehen viel von Elektronik und essen rohen Fisch. Wer die Japaner aber selbst nach ihrem wichtigsten Produkt fragt, erhält die verblüffende Antwort: Rāmen, also Instantnudeln, die in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag feiern.

Eine deutliche Mehrheit der Söhne und Töchter Nippons hält die wasserfest in Styroporbecher eingeschweißten Teigwaren zum Aufbrühen für die ‚größte Errungenschaft des Landes‘. Und ihr Erfinder wird wie ein Heiliger verehrt. Gestern wäre der 1910 in Taiwan geborene Momofuku Andō [安藤百福 Andō Momofuku] 105 Jahre alt geworden. Tausende pilgerten deshalb in das Nudelmuseum von Yokohama [横浜], wo ihm die Rāmen-Fans eine goldene Statue errichtet haben.

Dabei war die Erfindung ebenso simpel wie genial. Weizenmehl, Salz und Wasser werden zu Nudeln verarbeitet, denen in heißem Öl die Flüssigkeit entzogen wird und die dadurch nahezu ewig haltbar sind. Mit heißem Wasser ist das Gericht dann in weniger als drei Minuten stäbchenfertig. Edel war Andōs Motiv außerdem: Ramen sollte preiswert den Hunger in der Welt bekämpfen. So beschreibt der japanische Nudelkönig jedenfalls in seiner Autobiografie die Geburtsstunde. In der von Bomben verwüsteten Stadt Ōsaka [大阪] sei er auf einem Schwarzmarkt von einer 30 Meter langen Menschenschlange inspiriert worden, die hungrig und deshalb ungeduldig darauf wartete, wie ein Nudelgericht quälend langsam vor sich hin köchelte. Seine Vision: Um den Hunger im Nachkriegsjapan und in der ganzen Welt zu besiegen, wird ein Lebensmittel benötigt, das wenig kostet, auch unter schlechten Bedingungen leicht zubereitet werden kann und zudem nahrhaft ist. ‚Frieden herrscht, wenn Nahrung ausreicht‘ [食足世平], lautet seitdem die Firmenphilosophie.

Ando formte mit den Instantnudeln den Weltkonzern Nissin Foods (日清食品ホールディングス Nisshin Shokuhin Hōrudingusu), und wurde zum Milliardär. Für den Erfolg konnte sich der eitle Andō auch zurücknehmen. Statt die Nudel mit seinem Vornamen Momofuku zu vermarkten, nannte er sie Englisch ‚Cup Noodles‘, Tassennudeln. Damit revolutionierte er im Land der Reisverzehrer die Essgewohnheiten.“
(Angela Köhler in der Rheinpfalz vom 6. März 2015: Japans Exportschlager. Instantnudeln werden 70 Jahre alt)

Der japanische Astronaut Noguchi Sōichi (野口 聡一) nahm 1984 an Bord der Raumfähre „Discovery“ eine Tasse Hühnerbrühe-Nudeln der Firma Nissin mit. Seitdem war Andō deshalb von Idee beseelt, dass seine Instantnudeln in der Schwerelosigkeit als einfache All-Ernährung ebenso so leicht zu verzehren seien. Als er 2007 als 96-Jähriger starb, stand in seinem Testament, dass er im Weltraum bestattet werden wolle. An Bord der Rakete war auch die gesamte Palette an Nissin-Nudeln. Es wurde bombastisch Abschied genommen. 34 Mönche zelebrierten vor 55.000 Menschen in einer Baseball-Arena eine buddhistische Totenmesse. Beinahe alle führenden Industriellen waren unter den Trauergästen. Die Trauerrede hielt Japans Ex-Premierminister Nakasone Yasuhiro (中曽根康弘).

Rāmen stammen ursprünglich aus China, wurden aber im 19. Jahrhundert von der japanischen Küche übernommen und angepasst. Nudeln in Hühnerbrühe galten in Japan als Delikatesse für Reiche. Getrocknete Nudelpakete kosteten das Sechsfache von traditionellen Teigwaren. Erst als Andō auf den Dreh mit dem Wegwerfbecher aus Styropor (スタイロフォーム sutairo fōmu) kam, konnte er eine Massenproduktion aufziehen und die Preise herabsetzen. Einfach kochendes Wasser darauf, und schon war das Gericht stäbchenfertig.

 

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