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07. Dezember 2012

Reis

米 mǐ (chinesisch)
米 kome (japanisch)

reiskoerner
verschiedene Reissorten

„Reis ist weiß, Reis ist pur. Anders die Nudel, in welcher der Mensch die Natur niedergerungen, sich mahlend, mixend, quetschend und stanzend an ihr vergangen hat. Aber Reis ist nicht nur die unschuldigste, er ist auch die vielfältigste aller Sättigungsbeilagen: Mit Kartoffeln bewirft man keine Bräute, mit Brot füllt man keine Rumbarasseln. Auch käme niemand auf die Idee, in einen Teller Spaghetti senkrecht ein paar Stäbchen zu stecken, um den Ahnen zu opfern. Die Stäbchen fielen sofort um.

Als Kind kann man Reis kneten, als Zen-Mönch über ihn meditieren, als Verliebter des Nachts Spuren zur heimlichen Bettstatt legen. Als chinesischer Patriot zitiert man seine siebentausendjährige Geschichte zum Beweis kultureller Größe, und als Philosoph erklärt man mit ihm die ‚asiatische Despotie[水力帝國 shuǐlì dìguó]: wie die Menschen nur in gemeinschaftlicher Anstrengung über Jahrtausende hinweg die Reisfelder bewässern und die Kanäle instand halten konnten und sich so dem Kollektiv und strenger Führung unterordneten. Man kann Reis aber auch essen. Wo sonst, wenn nicht in China. Dem Land, wo man zu jeder Mahlzeit chī fàn [吃饭] sagt, wörtlich: ‚Reis essen’.

Dazu muß man allerdings erst einmal welchen finden. Verstörte Ausländer warten in Restaurants oft stundenlang vor einem Berg köstlichster Speisen, wann nun endlich der Reis auf den Tisch kommt. Bei feinen Diners kann das bis zum Schluß dauern. Seit das früher häufig Hunger leidende Volk zu etwas Wohlstand gekommen ist, gilt ihm der Lebensretter Reis als Sattmacher, der nur unnötig den Appetit ablenkt vom geschmorten Kastanien-Huhn oder dem süß-sauren Eichhörnchen-Fisch.“
(Kai Strittmatter: Atmen einstellen, bitte! Pekinger Himmelsstürze. Wien: Picus, ISBN 978-3-85452-742-8)

Über die Entstehung der Reispflanze gibt es viele Legenden. So wird zum Beispiel von einer schönen jungen Frau berichtet, die vom indischen Gott Shiva verehrt wurde. Die Schöne stellte ihrem Verehrer die Aufgabe, eine Speise zu finden, die jedermann zu jeder Zeit essen könne, ohne jemals Widerwillen dagegen zu empfinden. Shiva suchte und suchte und die Jahre vergingen. Inzwischen war die Angebetete längst eine alte Frau geworden und starb. Doch auf ihrem Grab wuchs eine Pflanze, die die Welt erobern sollte.
 
„Am schönsten sind die Reisfelder, wenn die Pflanzen gerade in das Naßfeld gesetzt worden sind und wenn sie hellgrün leuchten. Die Größe eines Reisfeldes steht immer in rechtem Verhältnis zur Größe des Menschen. Man kann Reis nicht auf Feldern anpflanzen, die sich bis zum Horizont erstrecken, weil man auf weiten Flächen das Wasserniveau nicht gleichmäßig halten und regulieren kann.

Um jedes Feld ist ein kleiner, anderthalb Fuß hoher Damm gebaut. Er hat zwei Einkerbungen, eine für den Zufluß und auf der gegenüberliegenden Seite eine für den Abfluß des Wassers. Die Setzlinge stehen mit den Wurzeln und dem Fuß des Halms im Wasser, dessen Höhe stets gleichbleiben muß; denn weder darf der Boden austrocknen, noch dürfen die Setzlinge ertrinken.

Die Dämme überziehen die Landschaft mit einem Netz von Linien. Landschaften mit Reisfeldern sind etwas für den Graphiker und Zeichner, der den Raum und die Perspektive mit dem Stift oder der Feder erfassen und darstellen will. Die Dämme legen Höhenlinien über die Landschaft, wenn sie hügelig ist, aber nicht so exakt und kalt wie die Landkarten.

In Terrassen steigen die Felder hügelan. Von Terrasse zu Terrasse fließt das Wasser herab. Die Waagerechte dominiert in der Landschaft. Aber in jedem Feld stehen senkrecht die dünnen, leuchtend grünen jungen Reispflanzen. Alle Felder, die ganze Landschaft leuchten hellgrün, und das Grün spiegelt sich in dem lebendigen Wasser.“

(Erwin Wickert: China von innen gesehen, S. 190)

 


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