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13. Januar 2013

Pekinghusten

北京咳 Běijīngké (nördlich + Hauptstadt + Husten)

„Als ihre Tochter immer weiter schrie, als der kleine Babykörper bebte, schoss dieser Gedanke zum ersten Mal durch den Kopf von Wang Minghan: nur weg von hier, raus aus China. Sie war 31, das Kind gerade auf der Welt. Draußen bedeckte das Pekinger Grau den Himmel. Eine Luft, die nach Schwefel riecht, die die Augen reizt und den Hals. Rausgehen, das Baby durch den Park schaukeln? Wo denn? Wie denn? ‚Ich wollte das der Kleinen nicht antun.‘ Der Auswanderungsgedanke setzte sich fest, wurde mit steigenden Smogwerten größer. Zwei Jahre später die ersehnte Bewilligung, das erhoffte Visum. Ihr wurde bange.

Will man sein Land wirklich verlassen? ‚Ja, für die Tochter.‘ Wang Minghan, die Designerin, und ihr Mann Wang Kaiyuan, der Elektro-Ingenieur, packten das Kind, packten die Sachen und gingen – nach Australien. Seit März dieses Jahres lebt das junge Paar in Melbourne. ‚Die beste Idee in unserem Leben‘, sagt Wang Minghan, als sie über Skype von Euphorie und Enttäuschungen in ihrem neuen Zuhause erzählt.

Von außen betrachtet ist China ein tolles Land. Im Innern sehen das die Menschen nüchterner, seit Langem schon. In einem Bericht der Akademie für Sozialwissenschaften heißt es dann schon einmal so: ‚Peking ist nicht geeignet für menschliches Leben‘. Luft, Wasser, Essen sind vergiftet, der Verkehr kommt kaum voran, die Wohnungen sind unbezahlbar. …

Zählte früher eine gute Universität für den Nachwuchs, damit die Eltern investierten, so seien heute ‚Umweltbedingungen‘ ausschlaggebend für den Weggang. „Bessere Luft, stressfreiere Ausbildung, sichere Lebensmittel. ... Unsicherheit und Angst machen sich in Bezug auf die Zukunft breit. ... ‚Der Gedanke, auszuwandern, schien mir nie ganz abwegig. Plötzlich sieht man sein kleines Baby immer wieder husten, man kann nicht mit ihm raus, weil die Luft schlecht ist, man weiß nie, ob das, was es zu essen bekommt, ihm auch gut tut‘, sagt Wang Kaiyuan."
(Inna Hartwich in der Frankfurter Rundschau vom 25. November 2014: Auswanderer - Nur weg aus China)

 

Luft über Peking an einem Regentag und an einem sonnigen Tag mit Smog
(Fotos: Wikimedia)

„Unheilvoll verdunkelt sich der Himmel über Peking. Die Sonne kommt kaum noch durch den dichten Smog. Die Hochhäuser der 20-Millionen-Metropole verschwinden im schmutzigen Dunst. Die Luft riecht verbrannt. Viele Menschen gehen nur noch mit Mundschutz auf die Straße. ‚Ich traue mich kaum zu atmen‘, sagt eine 47-jährige Pekingerin. ‚Unglaublich.‘“
(Andreas Landwehr im Greenpeace Magazin vom 12. Januar 2013: Schlimmer Smog: Peking schnappt nach Luft)


Was verursacht den Smog?

China bezieht zwei Drittel seiner Energie aus Kohle und der Kohleverbrauch steigt mit dem wachsenden Energiebedarf. Hinzu kommt der zunehmende Autoverkehr. Mehr als fünf Millionen Autos fahren durch Peking - vor fünf Jahren waren es noch drei Millionen.

Die chinesischen Behörden rieten den 20 Millionen Pekingern, so wenig wie nötig vor die Tür zu gehen. Kranke oder Kinder sollten die Häuser gar nicht verlassen. Fabriken sollten den Ausstoß von Schadstoffen reduzieren.

Trotz der höchsten Verschmutzungsstufe Sechs gab es aber keine Anweisungen für einen Produktionsstopp oder Fahrverbote für Autos, sondern nur gut gemeinte Empfehlungen. Die Behörden sehen Nebel als eine Ursache für die Ansammlung von Schadstoffen. Anfang nächster Woche könnte das Wetter die Schadstoffe fortwehen.

Ärzte warnten davor, dass die Schadstoffkonzentrationen Schlaganfälle, Herzerkrankungen, Atemwegsleiden, Geburtsschäden oder Krebs auslösen können. Davor versuchen viele Bewohner Pekings, sich mit einem Mundschutz (口罩 kǒu​zhào) zu schützen.

必须戴防尘口罩
bì​xū dài fángchén kǒu​zhào
Staubmasken vorgeschrieben

Das Volk muss husten

In einer Studie stellte die Akademie der Sozialwissenschaften in Shanghai (ebenfalls kein Luftkurort) fest, dass die extreme Schadstoffbelastung die chinesische Hauptstadt „fast unbewohnbar für menschliche Wesen“ mache.
 
2011 kam heraus, wie sich die Führungselite vor dem Smog zu schützen versucht:
 
Doch die schlechte Luft in Peking gefährdet mittlerweile nicht mehr nur die Gesundheit der Einwohner, sondern auch den Ruf der Parteiführung. Wie jetzt bekannt wurde, hat die politische Führungsspitze das abgeriegelte Regierungsviertel Zhōngnánhǎi [中南海] neben der Verbotenen Stadt [紫禁城 Zǐjìnchéng] mit Luftreinigern [空气净化器 kōngqì jìnghuàqì] ausstatten lassen.

Heraus kam dies durch eine allzu freimütige Werbung des Herstellers ‚Frische Luft für unsere nationalen Führer zu schaffen ist ein Segen für das Volk’, prahlte die chinesische Firma Broad Group
[远大集团 Yuǎndà Jítuán] auf ihrer Internetseite. Insgesamt 2.000 Dollar pro Gerät – habe man in Büro- und Wohngebäude von Parteifunktionären installiert auch in den Arbeitsräumen von Präsident Hú Jǐntāo [胡锦涛].“
(Ruth Fend in der Financial Times Deutschland vom 16. November 2011, S. 1)

Umweltsünden
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