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07. Dezember 2012

Priesterkönig Johannes

祭司王約翰 Jìsī Wáng Yuēhàn (Priester + König + Johann)
rex et sacerdos (lateinisch: König + Priester)
 
priesterkoenig-schedel
Priesterkönig Johannes in der Schedelschen Weltchronik
 
„In der Mitte des 12. Jahrhunderts liefen Gerüchte durch Europa von einem mächtigen christlichen Herrscher im Rücken des Islam, mit Namen ‘Priester Johannes’, in dessen riesigem Reich den Berichten nach sozialer Frieden herrschte, wunderbare Völker, Tiere und Pflanzen, auch wertvolle Edelsteine mit wunderkräftiger Wirkung zu finden sein sollten.

Nachdem dieses Reich anfangs in Indien gesucht wurde, verlegte man es im 13. Jahrhundert nach Zentralasien und im 14. Jahrhundert nach Äthiopien. Heinrich der Seefahrer und seine Kapitäne versuchten, diesen mächtigen Herrscher zu erreichen, um mit ihm den Islam im Rücken anzugreifen. “

(Ulrich Knefelkamp: Der Priesterkönig Johannes und sein Reich — Legende oder Realität?)
 
priesterkoenig-flagge
angebliches Wappen des Priesterkönigs Johannes
 
Die Sage vom christlichen Priesterkönig Johannes gelangte durch den syrischen Bischof Hugo von Jabala 1145 an Papst Eugen III.: Ein Nachkomme der Heiligen Drei Könige habe mit den Herrschern von Medien und Persien einen Krieg begonnen und ihre Hauptstadt Ekbatana erobert. Auf dem Marsch nach Jerusalem habe er am Tigris durch eine Krankheit in seinem Heer den Rückzug antreten müssen. Der als Priester Johannes bezeichnete Eroberer war der Gründer des Reiches Kara Khitai. Ein in Europa kursierender angeblicher Brief des Johannes (Joannis presbiteri Epistola) an die europäischen Fürsten veranlasste Papst Alexander III. 1177 zu einem Antwortschreiben. Er hegte die Hoffnung, Johannes könne die Christenheit im Kampf gegen die Ungläubigen unterstützen.
 
Johannes schreibt in dem Brief, dass ihm 72 Könige tributpflichtig sind. Sein Reich erstreckt sich vom jenseitigen Indien, durch die Wüste bis zum Aufgang der Sonne. Dort gibt es neben Elefanten, Kamelen und Dromedaren auch Vampire, gehörnte Menschen, Faune, Satyrn, Pygmäen, Hundsköpfige, Giganten, Zyklopen, Einäugige und den Vogel Phönix.

Durch das Reich fließt der Fluss Ydonus, der im Paradies entspringt und dessen Kiesel Edelsteine sind. Am Fuß des Berges Olymp entspringt eine Quelle, die demjenigen Unsterblichkeit verleiht, der dreimal aus ihr getrunken hat. In einem Meer ganz aus Sand findet man Steine, die Krankheiten heilen können. Dort gibt es auch einen wie eine Muschel geformten, ausgehöhlten Stein mit heilkräftigem Wasser, das von Lepra und jeder anderen Krankheit heilt, wenn man darin badet.

In der Wüste leben Würmer im Feuer, die sich mit einem Häutchen von feinsten Seidenfäden umgeben, aus denen man Kleider und Tücher für den König fertigt, die im Feuer gewaschen werden.

Die Türen seines Palasts sind mit dem Horn der Hornschlange bedeckt, sodass niemand Gift in den Palast bringen kann. Die Wände und Fußböden sind aus Onyx, die Esstische aus Gold und Amethyst. Die Schlafkammer des Königs ist mit wunderbaren Goldarbeiten und Edelsteinen geschmückt, das Bett aus einem einzigen Saphir gefertigt. Nahe dem Palast befindet sich auf einem Turm ein gigantischer Spiegel, zu dem man über 125 Stufen hinaufsteigt. In diesem Spiegel kann der König die Geschehnisse in allen Provinzen seines Reiches verfolgen. (eine Webcam?)

Der Brief endet mit einer Erklärung, dass Johannes sich den Titel „Presbyter“ (Priester) aus Bescheidenheit gegeben habe, da seine Untergebenen alle von solch hohem kirchlichen und weltlichen Rang seien, dass kein noch so wohlklingender Titel seiner Macht gerecht werde.
 
Papst Alexander III. entsandte seinen Arzt mit einer persönlichen Botschaft an Johannes, in der er um Unterstützung für einen Kreuzzug gegen die Muslime ersuchte. Der Arzt kam jedoch nie ans Ziel und blieb verschollen.
 
Später identifizierte man Dschingis Khans mit dem Priesterkönig Johannes. 1245/46 entsandte Papst Innozenz IV. den Franziskanermönch Johannes de Plano Carpini zum Großkhan der Mongolen, um Informationen über den Priesterkönig Johannes zu erlangen und Verbündeten gegen den Islam zu gewinnen.
 
Marco Polo siedelt das Reich des Priesterkönigs Johannes im heutigen Nordost-China an. Mit dem Ende der Kreuzzüge war die Suche nach einem Verbündeten im Osten nicht mehr von Bedeutung. Die Legende verebbte, blieb jedoch latent immer erhalten.
 
 
Als in späteren Jahrhunderten mit der genaueren Kenntnis Asiens Zweifel an den Priesterkönig Johannes aufkamen, suchte man ihn Äthiopien, dem späteren in Abessinien, welches noch im 17. Jahrhundert Regnum Presbyteri Johannis (Königreich des Priester Johannes) hieß.

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