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07. Dezember 2012

Politbüro

中央政治局 zhōngyāng zhèngzhìjú (zentral + regieren + Büro)

 

„Vor Kurzem füllte eine chinesische Regionalzeitung ihre Titelseite mit einem Ereignis, das offenbar eine kleine Sensation war. Ein Mann fiel vom Fahrrad, holte sich eine blutige Nase - und fremde Leute halfen ihm doch tatsächlich auf und brachten ihn danach sogar ins Krankenhaus. Die Öffentlichkeit kam in den Genuss dieser Information, weil zufällig Journalisten anwesend waren und die stolzen Bewohner ihnen eifrig Rede und Antwort standen: ‚Wenn jemand woanders in China auf der Straße stürzt, wird ihm niemand helfen!‘ sagte ihnen ein Einheimischer stolz.

Warum soll uns heute interessieren, dass in der chinesischen Provinz ein Mann mit einem Fahrrad umfällt - wo doch früher ein in China umfallender Sack Reis der Inbegriff für Bedeutungslosigkeit war? Die chinesische Wahrnehmung dieser Samariter verrät einiges über den Zustand eines Riesenreichs, das in den nächsten Tagen vor einem monumentalen Führungswechsel steht.

Am 8. November soll der Parteitag der Kommunistischen Partei Chinas (KP) ein neues Politbüro bestimmen, den Machtzirkel der Partei. Anders als früher allerdings hat die Welt dieses Jahr - dank hollywoodreifer Skandale mit Mord, Sex und Geld rund um den Sturz des Politstars Bó Xīlái [薄熙来] - eine Ahnung erhalten, was hinter den Kulissen passiert. Und doch bleibt das System immer noch eine Blackbox: Wer die kleine Schar an neuen Männern mit schwarz nachgefärbten Haaren sind, was sie wollen, wofür sie stehen, darüber lässt sich von außen nur spekulieren. …

Es ist ein Problem, wenn es in China als außergewöhnliche Sensation wahrgenommen wird, dass einem Verletzten mal auf der Straße geholfen wird. Nicht für westliche Manager, die sich vor Begeisterung über Pekings vermeintlich gut geölte Planmaschinerie überschlagen, weil sie bis vor Kurzem zuverlässig zweistellige Wachstumsraten produzierte. Sondern für viele Chinesen selbst - auch solche in hohen politischen Funktionen. Die Episode ist ein Sinnbild für einen moralischen Verfall des Landes.“
(Ruth Fend in der Financial Times Deutschland vom 26. Oktober 2012: Neuwahl des Politbüros. Chinas moralischer Verfall)
http://www.ftd.de/politik/international/:neuwahl-des-politbueros-chinas-moralischer-verfall/70110065.html
„Vertragen KP-Führer Satire? Die Probe aufs Exempel mit ungewissem Ausgang wagt jetzt die mutige, in Kanton erscheinende Wochenzeitschrift ‚Nánfāng Zhōumò’ [南方周末], die für ihre Kritik schon oftmals von den Propagandabehörden abgestraft wurde.

Die landesweit verbreitete Zeitschrift führt in ihrer jüngsten Ausgabe ein „exklusives Interview“ mit dem auch in China vielgeliebten Tintenfisch-Orakel.

Auf den ersten Blick scheint sie sich nur über den Rummel um Paul lustig zu machen: Auf einer begleitenden Karikatur zum Interview gesteht der Tintenfisch, er habe keine Ahnung, ob die Immobilienpreise in China steigen oder fallen. In der Überschrift lässt sie Paul sagen:
Ich habe keine Angst, dass andere mich als Schwindler entlarven.'

Der Titel ist doppeldeutig gemeint. Denn Pauls Antworten im fiktiven Interview sind alle wahr. Sie stammen nur nicht vom Tintenfisch, sondern von Mitgliedern aus der chinesischen Politbüro-Mannschaft, die manche Spötter ja auch einen Kraken nennen. Die ‚Nánfāng Zhōumò’ legt Paul von ihr abgewandelte, markante Sprüche chinesischer Führer in den Mund. Die Zensurbehörden haben es nicht gemerkt: Die Realsatire wurde zum Spaß für Blogger im Internet. Bisher fanden sie sieben Originalzitate wieder. Etwa die Entgleisung des designierten Staats- und Parteichefs Xi Jinping, der auf einer Reise sagte, was er über ausländische Kritiker denkt. Vor Landsleuten verplapperte er sich: Er beschimpfte die ‚satten Ausländer’, die nichts Besseres zu tun haben als an China herumzumäkeln. ‚Wie erdreistet Ihr Euch dazu? China exportiert weder Revolution, noch Hunger und Elend und kommt Euch nicht in die Quere.’ Auch Tintenfisch Paul weist jegliche Kritik an ihm zurück: ‚Ich exportiere keinen Terrorismus, noch irgendwelche Ideologien. Warum wollt ihr mich kochen?’“

Ein englischsprachiges Regierungs-Webportal hatte noch am Montag das Interview übersetzt. Der Text war im Portal gestern nicht mehr auffindbar. Vielleicht hatte jemand entdeckt, dass Chinesen Meister der Satire sind.

(Johnny Erling in der Morgenpost vom 21. Juli 2010: Der deutsche Krake Paul karikiert das chinesische Politbüro)
 
 

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