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07. Dezember 2012

Pinyin

„Die Gasse, in der er wohnt, heißt Hòuguǎibàng Hútong [后拐棒胡同]. So steht der Name unten am Straßenschild, so steht er im Stadtplan von Peking, so auch auf Google Earth. Und nur so ist die Adresse für Menschen zu lesen, die keine chinesischen Schriftzeichen entziffern können. Der Mann hat sich durchgesetzt. Zhōu Yǒuguāng [周有光] ist 108 Jahre alt und schwerhörig ...

‚Wir hatten in den fünfziger Jahren drei Dinge vor‘, sagt er. ‚Erstens eine Standardsprache zu schaffen, damit sich alle Chinesen verständigen können, zweitens die alten Schriftzeichen zu vereinfachen – und drittens eine alphabetische Umschrift des Chinesischen zu entwickeln. Mit dieser Aufgabe wurde ich betraut.‘

Warum Máo Zédōng und die anderen Führer der Kommunistischen Partei gerade auf ihn gekommen waren, ist ihm bis heute nicht ganz klar. Er sei ein Amateur, sagte er ihnen damals. ‚Sie sagten mir: ,Wir sind alle Amateure.‘‘“
(Bernhard Zand  im Spiegel vom 3. Februar 2014: Töne verbinden)

Zhou war damals fast 50 Jahre alt, er hatte in Shanghai und Japan Wirtschaft und Linguistik studiert ging 1946 als Banker nach New York.
Kurz vor der Gründung der Volksrepublik 1949 kam er zurück und wurde Wirtschaftsprofessor in Shanghai. Nebenher schrieb er ein Buch über die Vorteile von Buchstabenschriften beim Spracherwerb. Máo hörte von diesem Buch und schickte seinen Sekretär nach Shanghai. Die Idee einer simplen Schrift für alle interessierte ihn.

Welches Alphabet aber sollte man nehmen? In den 1950er Jahren drängte sich das kyrillische der verbündeten Sowjetunion auf. Doch Zhou plädierte für das lateinische Alphabet – auch um die Sprache für den Westen zugänglicher zu machen. Er musste 4000 Briefe von Professoren im In- und Ausland beantworten, um sie zu überzeugen. 1958 war seine Umschrift dann fertig. Unter dem Namen Pīnyīn (拼音, Töne verbinden) - wurde sie beschlossen und 1982 international anerkannt. Seither werden chinesische Wörter in westlicher Schrift einheitlich buchstabiert. Und anders als beim Arabischen oder beim Russischen halten sich alle daran, Amerikaner, Deutsche, Briten, selbst die sonst so eigenwilligen Franzosen.

Schauen wir doch einmal an, wie der Name des Politikers Zhōu Ēnlái (周恩来) in den verschiedenen Sprachen geschrieben wurde:

Deutsch: Tschu En Lai
Englisch: Chou En-Lai
Esperanto: ĜOŬ Enlaj
Französisch: Tchou En Lai
Italienisch: Ciù En-lai
Niederländisch: Tsjoe En-lai
Russisch: Чжоу Эньлай
Tschechisch: Čou En-laj
Türkisch: Çu En-Lay
Ungarisch: Csou En-laj
Vietnamesisch: Chu Ân Lai

Seit den 1960er Jahren lernen chinesische Kinder die Umschrift, bevor sie anfangen, die Schriftzeichen zu lernen. Inzwischen dürften es gut über eine Milliarde Menschen sein, die mit Pinyin begonnen haben.

Seitdem fast alle Chinesen Handys besitzen, tippen sie lateinische Buchstaben ein, damit ihnen das Gerät chinesische Schriftzeichen anbietet.

Chinesisch

拼音 Pīnyīn (buchstabieren + Laut)
汉语拼音 Hànyǔ Pīnyīn (Chinesisch + buchstabieren + Laut)
汉语拼音方案 Hànyǔ Pīnyīn Fāng'àn (Programm zur Fixierung der Laute im Chinesischen)

„Wie gut haben die Vietnamesen daran getan, dass sie schon vor langer Zeit das lateinische Alphabet einführten... In jener Zeit war die Zahl derer, die die Schrift Zeichen kannten äußerst gering. Als neu soziale Schichten zur Schule gehen konnten, bedeutete das ... Alphabet kein Handikap mehr für sie, und sie erzielten viel schneller Fortschritte. Wir jedoch haben viel zu lange gewartet. In den fünfziger Jahren versuchten wir, die lateinische Schrift einzuführen. Aber alle Gebildeten, auf die wir absolut nicht verzichten konnten, um das Wissen weiterzuverbreiten, hielten an den chinesischen Schrift Zeichen fest. Sie waren so zahlreich, und wir hatten noch so viele andere Dinge zu ändern, dass wir die Reform auf später verschieben mußten.“
(Resignierende Bemerkung von Ministerpräsident Zhou Enlai gegenüber Alain Peyrefitte im Jahr 1971)

Die heute gebräuchliche Umschrift der chinesischen Sprache wurde 1956 offiziell beschlossen. Ab 1958 wurde es in der Grundschule verbindlich verwendet. Um die Buchstaben zu vermitteln, wurden verschiedene die äußere Form beschreibende Merk-Liedchen an der Grundschule unterrichtet, von denen eines so begann:
  • nnn - ein Türeingang
  • mmm - ein doppelter Türeingang
  • fff  oben ein Schirmgriff
  • lll ein Knüppel
1975 leitete die chinesische Regierung folgende Meldung an die eigene Nachrichtenagentur weiter:
„Ab dem 1. September 1975 wird das Lautumschriftalphabet der chinesischen Sprache als der einzige Standard für die Schreibweise von chinesischen Personen- und Ortsnamen in lateinischer Umschrift benutzt werden. Dies wird für alle Dokumente in ausländischen Sprachen gelten, für Pässe, Bescheinigungen und Veröffentlichungen, die innerhalb Chinas mit der lateinischen Schrift geschrieben oder gedruckt werden. Die chinesische Lautumschrift wird ebenso bei anderen chinesischen Wendungen benutzt, die in die lateinische Schrift transkribiert werden müssen. ...“

Diese knappe Meldung wurde im Ausland völlig falsch verstanden. Man sah damit die Abschaffung der Schriftzeichen und ihre Ersetzung durch ein lateinisches Alphabet in greifbare Nähe gerückt.
 

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