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07. Dezember 2012

Orchideenpavillon

蘭亭序 Lántíng xù (Orchidee + Pavillon + Vorwort)
Autor: Wáng Xīzhī (王羲之)

orchideenpavillon-text

„Gleich am Anfang hat die Kalligraphie auch ihren größten Meister hervorgebracht, Wáng Xīzhī (307-365), den ‚Weisen der Schrift‘. Seine Werke, die Generationen von Kalligraphen als Vorlage gedient haben, gelten bis heute als Maß der Dinge. Sein berühmtestes Stück, das ‚Vorwort zur Gedichtsammlung vom Orchideenpavillon‘ aus dem Jahr 353, ist ein kalligraphisches Juwel und zudem ein Stimmungsbild seiner Zeit:

‚Gegen Ende des Frühlings trafen wir uns im Orchideen-Pavillon zu Shanyin in Kuaiji, um das Zeremoniell der Reinigung zu begehen. Alle Würdigen waren gekommen, die jungen wie die alten. Dort gab es majestätische Berge und steile Hänge, dichte Wälder und grazilen Bambus, zudem klare Bäche und rauschende Ströme, die uns allseits glitzernd umfingen. Wir ließen Becher auf dem sich schlängelnden Wasser treiben, indem einer nach dem anderen sich daneben setzte. Ganz ohne große Musikbegleitung - ein Becher, ein Lied! - drückten wir so unsere innersten Empfindungen aus. Dieser Tag - heiterer Himmel und klare Luft, es wehte ein sanfter Wind. Blickte man empor, zeigte sich die Größe des Alls, blickte man nieder, erschloss sich die Fülle der Dinge. Die schweifenden Blicke, die aufwallenden Gefühle machten das Betrachten und Lauschen zum höchsten Vergnügen - wahrlich eine Freude!

Wenn Menschen miteinander die Welt erleben, mögen sie aus ihrem Inneren schöpfen im einsamen Kämmerchen oder sich stürzen, wohin es sie gerade verschlägt, bedenkenlos und außer sich. Doch so unterschiedlich die Vorlieben, so verschieden die Gemüter - wenn sie genießen, was ihnen zukommt, für einen Moment ganz bei sich sind und freudig sich selbst genügen, dann merken sie nicht, wie das Alter sie erreicht ...‘“
(Kai Vogelsang: Geschichte Chinas. Stuttgart: Philipp Reclam jun. 2012. ISBN 978-3-15-010857-4)

orchideenpavillon-yong wang-xizhi
永和九年 王羲之
Der Text beginnt mit den folgenden Worten:
Yǒnghé jiǔ nián
(Im neunten Jahr der Yonghezeit...)
der Kalligraf Wáng Xīzhī

Im Spätfrühling des Jahres 353 trafen sich der berühmte Kalligraf Wáng Xīzhī (王羲之) und seine Freunde am Orchideenpavillon (蘭亭 lántíng) in der Provinz Zhèjiāng (浙江) zum Dichten und Trinken.  Die Gelehrten ließen sich am Ufer eines Baches nieder und setzten Weinschälchen ins Wasser. Derjenige, vor dem sie stehen blieben, musste ein Gedicht verfassen. Wáng Xīzhī verfasste aus diesem Anlass das „Vorwort zu der Zusammenkunft am Orchideenpavillon“ (蘭亭集序 Lántíng jíxù).

Am Abend beschloss die Gesellschaft, dass jeder Teilnehmer zum Gedenken an die Zusammenkunft ein Gedicht schreiben solle. Sechzehn von ihnen waren aber so betrunken, dass ihr Papier unbeschrieben blieb. Wáng Xiànzhī (王獻之), der Sohn Wáng Xīzhīs, konnte nur noch seinen Namen niederschreiben.

Wáng Xīzhī schrieb sein Gedicht und fügte noch ein Nachwort an, mit dem er sein Meisterwerk schuf. Diese achtundzwanzig Zeilen hielt er bis ans Ende seines Lebens für seine schönste Kalligrafie.

Das Lántíng xù besteht aus 324 Schriftzeichen in 28 Zeilen. Das Schriftzeichen zhī (之) kommt darin 20 Mal vor, aber keine zwei dieser Schriftzeichen sehen gleich aus.

唐太宗
Tang-Kaiser Tàizōng
(Bild. Wikimedia)

Wie groß die Verehrung für dieses Schriftstück war, beweist die Tatsache, dass der Tang-Kaiser Tàizōng (唐太宗 Táng Tàizōng;  599 - 649) sich mit dem Schriftstück begraben ließ.

Táng Tàizōng schätzte die Arbeiten Wáng Xīzhīs so sehr, dass er alles daran setzte, dies Kalligrafie zu erwerben. Sie befand sich damals aber im Besitz eines Mönches namens Biancai, der jedoch leugnete, sie überhaupt zu besitzen. Der Kaiser schickte den Zensor Xiao Yi verkleidet zum Mönch Biàncái (辯才). Diesem gelang es, sich das Vertrauen des arglosen Mönchs zu erwerben. Biàncái freundete sich mit Xiao Yi an und ließ sich verleiten, ihm die Schriftrolle zu zeigen. Kurz darauf stahl Xiao die Schriftrolle aus dem Kloster und brachte sie dem Kaiser. Der Mönch soll bald darauf gestorben sein, da er den Verlust nicht verwinden konnte.

Die Schriftrolle wurde nun vom Kaiser in den Rang eines offiziellen Vorbildes erhoben. Nach dem wurde die Originalrolle dem Kaiser mit ins Grab gegeben. Seither ist das Original verschwunden.

 

Kalligrafie 書法, die Kunst des schönen Schreibens
   Orchideenpavillon 蘭亭序 - Schriftzeichen 漢字 - Sechs Kategorien der chinesischen Schrift 六書 - Wang Xizhi 王羲之 - Zenkreis 円相

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 (Quelle: Wikimedia)

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