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21. August 2013

Nippon - mit europäischen Augen gesehen

『ニッポン-ヨーロッパ人の眼で見た』 Nippon Yōroppajin no me de kenta
1933
Autor: Bruno Taut (ブルーノ・タウト)

 Warum schreibe ich dieses Buch?

„Japan – das ist für Europa und den von der europäischen Zivilisation ergriffenen Teil der Welt das Land der aufgehenden Sonne. Träume, Gedanken an Wunder und die Vorstellung von einer Verfeinerung der künstlerischen und menschlichen Kultur knüpfen sich an dieses Land.

Als die moderne Maschinenzivilisation Europas und Amerikas aufblühte, ermüdete die künstlerische Kultur Europas und Amerikas. Die alten Formen wurden durch die Maschine inhaltslos. Die jungen und entscheidenden künstlerischen Kräfte Europas suchten nach einem Ausweg, blickten sich in der Welt um und fanden in Japan das Land, das ihnen in seiner jahrtausendealten Pflege reiner und sauberer Formen neuen Mut gab. Dort waren seit alters her in erstaunlicher Verfeinerung noch solche Formen lebendig, die die Architektur und alle Künste in einer Fassung zeigten, die den modernen Tendenzen durchaus zu entsprechen schien. Um 1900, als zuerst von England die Erneuerung der Bühne und des Kunstgewerbes ausging, sodann in Deutschland und Österreich, als der sogenannte ‚Jugendstil’ entstand, waren die Einflüsse Japans auf die modernen Künstler Europas sehr bedeutend.

Um persönlich zu sprechen: Ich selbst habe mir damals als 20jähriger die billigen original-japanischen Musterbücher von Dolchblättern, von Stoffmustern usw. besorgt, die japanischen Farbenholzschnitte emsig studiert, nicht aber, um sie zu kopieren. Ich habe mich wochenlang an das Ufer eines Waldsees gesetzt und das Wasser beobachtet, wie es im Wind Kräuselungen und Wellen bildet, wie sich die Blätter der Bäume darin spiegeln. Ich habe den Teppich des Waldes mit den bunten Herbstblättern beobachtet, im Winter die trockenen Gräser über der Schneedecke genau nachgezeichnet, lange in das Eis der Gräben hineingesehen und es nachgezeichnet, ebenso den Wuchs der verschiedenen Bäume, um die Gesetze ihrer Verästelung zu begreifen, die Tautropfen auf den immergrünen Pflanzen des Winters, die Raumbildung des Waldes usw. Dies alles aber nicht, um Bildchen zu machen, sondern um die Gesetze der Natur herauszufinden und aus ihnen zugleich auch die Gesetze, die für die Proportionen der neuen Architektur gelten können. Denn da die Kostüme der alten Stile nicht mehr für die neue technische Zeit paßten, so gab es keinen anderen Halt für die Gesetze der Proportionen als die Natur. Dasselbe versuchte ich auch für die Harmonie der Farben.'

Japan war auf diese Weise das Ziel der Sehnsucht und eine Reise dorthin der schönste Wunsch, der aber wegen der großen Kosten Traum bleiben mußte. –

Die Einflüsse Japans auf Europa blieben in der späteren Zeit ebenso stark, wenn auch in anderer Form. Als die heutige moderne Architektur das Licht der Welt erblickte, also in den Jahren um 1920, war es der einfache und völlig freie japanische Wohnraum mit seinen großen Fenstern, den Wandschränken und der völligen Reinheit seiner Konstruktion, der den stärksten Anstoß zur Vereinfachung des europäischen Wohnraums gab (siehe unter anderem auch mein Buch ‚Die neue Wohnung’ 1924).“
(Bruno Taut: Nippon mit europäischen Augen gesehen. Berlin: Gebr. Mann, 2009. ISBN: 978-3-7861-2612-6)
 

Bruno Taut
(Foto: Wikimedia)

Der Architekt und Stadtplaner Bruno Taut (1880 - 1938) wurde durch die Großsiedlungen in Berlin-Britz (Hufeisensiedlung) und Berlin-Zehlendorf (Onkel Toms Hütte) bekannt. Als ihm die Nationalsozialisten als „Kulturbolschewisten“ abstempelten und ihm seine Professur entzogen verließ er Deutschland. Er ließ sich auf Einladung des japanischen Architekten Isaburo Ueno in Japan nieder und wandte sich wieder theoretischen Veröffentlichungen zu.

Taut war kaum vier Wochen in Japan, als er den Auftrag erhielt, ein Buch über seine Eindrücke zu schreiben. Der sich modernisierenden japanischen Gesellschaft riet er, das traditionelle Können zu bewahren; einer unkritischen Übernahme von „westlichen“ Mustern erteilte er dagegen eine klare Absage.

 

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