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07. Dezember 2012

Nomikai

飲み会 nomikai (trinken + Treffen)

飲み会パーティーBEST店
Nomikai pātī best tana
Die besten Bars für Trinkgelage
ISBN: 978-4-883813216

„Bier? Bier ist lächerlich. Jetzt muss Sake [酒] ran. ‚Minna no osake kudasai!’ [みんなのお酒ください] raunzt Yoshimori Saito die Bedienung in der Tokioter Bar ‚Takogiku‘ [多古菊] an. Her mit dem 15-prozentigen Reiswein für den Chef und seine drei Mitarbeiter, ab jetzt wird ordentlich gebechert. Saito San [斎藤さん] wird den Takt vorgeben, wie immer, wenn der Abteilungsleiter zur ‚Nomunication’ ruft. ‚Nomunication’, das heißt Trinken (japanisch: Nomu [飲む]) und dabei Reden (englisch: Communication). Auf gut Deutsch: Saufen und Tacheles reden unter Kollegen.

Nomunication ist kein spontaner Feierabendspaß, sondern ein festes Ritual im japanischen Arbeitskosmos. Wo Gehaltsempfänger wie Sputniks um ihren Chef kreisen und alles tun, um ihn bei Laune zu halten. Tagsüber schuften sie genügsam und ohne Widerrede, zum Wohle des Unternehmens und der Harmonie im Kollegenkreis. Bloß nicht auffallen, ja nicht aufmucken, keine Fragen stellen. Und wenn der Boss nach Büroschluss zur ‚Nomunication’ einlädt, danken sie ihm mit einer ergebenen Verbeugung. Auch wenn einigen von ihnen schon vor dem unvermeidlichen Sakegelage graut. ...

Trinken im Kollegenkreis, das gibt es natürlich auch in Deutschland. Schnapsselige Weihnachtsfeiern oder rauschende Ausstände haben mit den ritualisierten After-Office-Trinkgelagen, die in Japan jeden Abend Tausende ausknocken, aber nichts zu tun. Bei Nomunication geht es nicht nur ums Amüsieren – sondern in erster Linie um die Arbeit. Nach dem dritten Sake darf es auch der einfache Mitarbeiter wagen, seinem Chef mild-kritische Anmerkungen oder kühne Innovationsvorschläge anzutragen – im streng hierarchischen Berufsalltag undenkbar. Und wenn einer dabei zu weit vorprescht, sei das am nächsten Tag vergessen, versichern alle an Saito Sans Tisch. Darauf könne sich jeder verlassen. Regeln und Normen gibt es auch bei der Nomunication, sonst wäre es keine japanische Erfindung.

Wenn er nicht regelmäßig weggehe mit seinen Leuten, ‚dann wüsste ich doch nie, was die wirklich denken. Hier, unser junger Kollege, der hat mir letzte Woche gesagt, wie wir seiner Meinung nach unser Marketing verbessern können. Das hätte er mir in der Firma nie erzählt, da hat er seine Arbeit zu erledigen und basta’, erzählt Saito San und prostet dem Gelobten zu. Und auch für das Meeting morgen mit dem ‚großen Boss‘ sei jetzt alles abgesprochen, die Marschrichtung festgezurrt. So können alle am nächsten Tag höflich und erleichtert mit dem Kopf nicken, denn das Ergebnis der Diskussion steht bereits fest. Hochprozentig ausbaldowert.

Fast erinnert der japanische Pflicht-Trinkausflug mit dem Chef dabei an den verordneten Frohsinn der Karnevalszeit im Mittelalter: Damals diente der Karneval als einziges Ventil, als geduldeter Tabubruch in einer sonst streng reglementierten Gesellschaft: Das Volk darf auch mal ausrasten, aber bitte kontrolliert und zu festen Zeiten. Damit es sich danach, wenn es sich ausgetobt hat, wieder in folgsame Untertanen verwandelt. ...

‚Wir trinken oft zu viel, das gehört einfach dazu’, meint der Boss achselzuckend. ‚Kanpai’ ruft er, ‚Prost’ [乾杯]. Aber macht’s denn wirklich allen Spaß, den Feierabend saufend im Kreise der Kollegen zu verbringen? Gibt es nichts anderes, was Japaner nach der Arbeit gerne tun? Letztlich schon, nur – wer schlägt schon eine Einladung vom Chef aus. Niemand. Oder nur ganz Mutige oder ganz Verzweifelte.

Erstere gibt es so gut wie gar nicht, letztere schon wesentlich häufiger. Verzweifelt sind all jene, die beim ersten Drink rot anlaufen oder Herzrasen bekommen. Ein Viertel der japanischen Bevölkerung fehlt ein Enzym in der Leber, das den Alkohol abbaut. Für sie ist Nomunication eine gefährliche Pflichtübung. Und sie fordert ihre Opfer. Wie erschossen liegen sie nach ein paar Stunden Saufen in den Straßen, die Uniformen zerknittert und besudelt. …

Wer in Japan Geschäfte machen will, der muss bekennender Nomunicator sein. So wie Roland Biegler. Der Kanadier hat vor zehn Jahren in Tokio die Videoproduktionsfirma Elastic gegründet. ‚Etwa 90 Prozent meiner Deals mache ich in einer Bar.“
(Business Punk,  01/2010: Smells like Team Spirit. Wenn der Chef in Japan zum Pflichtsaufen bittet, gibt es kein Entrinnen. Auf Spritztour in Tokios Feierabendkneipen.)

Nomiakai ist das gemeinsame Saufen zur Festigung beruflicher Verbindungen in Japan. Angestellte sind zur Teilnahme zwar nicht ausdrücklich verpflichtet, dennoch wird sie in gewissem Umfang erwartet. Das japanische Gesundheitsministerium schätzt die Zahl der Alkoholabhängigen auf über 800.000. Aber die Politik weigert sich, Alkoholismus als Krankheit anzuerkennen. Viele führende Politiker trinken gern, regeln dabei wichtige Angelegenheiten und loben jene, die viel vertragen. So wurde ein ehemaliger Präsident des Unternehmerverbandes auf seinem Grabstein mit der Inschrift „geehrt“: „Er war ein begnadeter Trinker.“

Ende des Gelages

Nomikai werden fast immer dadurch beendet, dass alle aufstehen und gemeinsam in die Hände klatschen (一本締め ippon-jime, Ein-Klatschen-Ende oder Drei-Klatschen-Ende (三本締め sanbon-jime).

二次会 次会
nijikai sanjikai
zweites Treffen drittes Treffen
Die Teilnehmer teilen sich oft in kleinere Gruppen auf und suchen verschiedene Bars auf. Manchmal kommt es sogar zu noch einem weiteren Trinkgelage.
 
 Arbeitsalltag japanischer Angestellter
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