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Institutsleitung
Prof. Dr. Frank Rövekamp

Stellvertr. Leitung / Studienberatung
Christine Liew, M.Litt.
0621-5203-423

Sekretariat
Conny Scheurer
0621-5203-410

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Wir begrüßen unsere neue Dozentin für Koreastudien, Frau Shiny Park.

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12. Oktober 2012

Mo Yan

莫言 Mò Yán (Pseudonym)
管谟业 Guǎn Móyè (bürgerlicher Name)
* 1955

mo-yan
Mò Yán auf der Frankfurter Buchmesse

„Mò Yán  ist ein Künstlername und bedeutet ‚Ohne Worte‘. Entgegen diesem Ausdruck begann der Chinese mit Anfang 20 - als Mitglied der Volksbefreiungsarmee - gegen alle Wahrscheinlichkeit zu schreiben. Seine Kindheit hatte er auf einem Bauerndorf verbracht, noch als Junge war er während der Kulturrevolution genötigt, die Schule zu verlassen und in einer Fabrik zu arbeiten. Seine Geschichten reflektieren die Herkunft des Autors und widmen sich dem Leben in der chinesischen Provinz vor der historischen Kulisse des 20. Jahrhunderts. Dieses habe ‚vor allem aus Krieg und Elend‘ bestanden...“
(Süddeutsche Zeitung)
 
Frankfurter Rundschau: „Bis heute lassen Sie ihre Bücher zum Großteil in ihrem Heimatdorf Gaomi spielen, und nicht etwa in den Städten, wo viele andere Gegenwartsautoren ihre Erzählungen ansiedeln.“

Mo Yan: „Gāomì [高密] ist meine Heimat, zumindest literarisch. Ich habe die ersten 21 Jahre meines Lebens dort verbracht. Danach wollte ich wie viele Chinesen dem Landleben entkommen, je weiter, umso besser. Aber beim Schreiben fühlte ich mich dann plötzlich wieder auf meine Heimat zurückgeworfen. Erst hat mich das beschränkt, bis ich gemerkt habe, was für ein Schatz das ist. Natürlich ist das Gaomi in meinen Büchern nur zum Teil echt, aber viele meiner Romanfiguren haben ihre Vorbilder in meinen dortigen Verwandten oder Nachbarn. Im Moment arbeite ich zum Beispiel an einem Buch, das auf der Geschichte einer Tante basiert, die fünfzig Jahre lang als Frauenärztin auf dem Land gearbeitet hat. Was die alles erlebt hat!“
(Bernhard Bartsch in der Frankfurter Rundschau vom 10. Juli 2009: Chinas Wahrheit ist nicht elegant)

Nobelpreis
 
Am 11. Oktober 2012  wurde Mò Yán (莫言) in chinesischen Medien als der „erste chinesische Bürger“ bezeichnet, der einen Nobelpreis (诺贝尔奖 Nuòbèi'ěrjiǎng) erhalten habe.
 
Das stimmt so nicht, denn zuvor erhielten der inhaftierte Bürgerrechtler Liú Xiǎobō (刘晓波) 2010 den Friedensnobelpreis (诺贝尔和平奖 Nuòbèi'ěr hépíng jiǎng) und der in Frankreich lebende chinesische Schriftsteller Gāo Xíngjiàn (高行健) 2000 den Literaturnobelpreis (诺贝尔文学奖 Nuòbèi'ěr wénxuéjiǎng).

Darüber hinaus wurde 1989 auch der im Exil lebende Dalai Lama (达赖喇嘛 Dálài Lǎma) mit dem Friedensnobelpreis  ausgezeichnet.
 
Pseudonym

Da Mò Yáns richtiger Name Guǎn Móyè (管谟业) ist, vermutet man hinter seinem Pseudonym (笔名 bǐmíng, Stiftname) ein Programm. Dieser Künstlername wird entweder mit „der Sprachlose“ oder „ohne Worte“ wiedergegeben. Wir wollen wissen, ob das stimmt und ziehen zwei Chinesischwörterbücher zu Rate:
 
lexikon-rot moyan-mo-rot moyan-yan
lexikon-fuchsenberger moyan-mo-f moyan-yan-f
Fazit: Im Prinzip stimmt die Übersetzung.
 
Der bürgerliche Name Guǎn Móyè (管谟业) setzt sich zusammen aus:
  • Guǎn (管): Familienname (bedeutet: Rohr)
  • mó (谟): planen (geläufiger: 谋 móu)
  • yè (业): Gewerbe, Beruf, Wirtschaft, Karma
Was sich die Eltern bei diesem Namen gedacht haben, wissen wir nicht.
 
Bücher
 
Auf Deutsch sind von Mò Yán bereits zahlreiche Bücher erschienen, von denen hier vier kurz vorgestellt werden sollen:
 
mo-yan-schnapsstadt

酒国
Jiǔguó
Die Schnapsstadt

Kleine Kinder werden von den Bauern an die Parteikader und die Neureichen der Schnapsstadt verkauft, die diese als besondere Delikatesse schätzen gelernt haben.

Aber wer isst schon kleine Kinder? Nein: „Was wir hier essen, ist kein Menschenfleisch, sondern ein mit Hilfe spezieller Küchentechniken zubereitetes Gericht für Feinschmecker."

mo-yan-ueberdruss

生死疲勞
Shēngsǐ píláo

Der Überdruss

Der Roman beginnt 1950 in der Hölle, kurz nach der Landreformbewegung. Zwei Jahre lang hat Fürst Yama (Sanskrit: यम), der Herrscher der Unterwelt, den Grundbesitzer Xīmén Nào (西门闹) jeder möglichen Folter unterworfen, um ihn zu zwingen, die Anklage zu akzeptieren, die zu dessen Hinrichtung durch die Kleinbauern führten. Aber Ximen Nao beteuert seine Unschuld. Widerwillig erlaubt ihm Yama schließlich, zu seinem früheren Besitz zurückzukehren. Aber als er dort ankommt, findet er heraus, dass er nicht als Mann wiedergeboren wurde, sondern als Esel. Mit den Augen des Tieres verfolgt er nun das Schicksal seiner früheren Familie, seiner Freunde, Rivalen und Feinde. Weitere Wiedergeburten lassen ihn zu einem Stier, einem Schwein, einem Hund und einem Affen werden.

mo-yan-sandelholzstrafe

檀香刑
Tánxiāngxíng
Die Sandelholzstrafe

Vor der Kulisse einer untergehenden Epoche im China des Jahres 1899 treten fünf Figuren auf. Fremde Menschen drängen in das zuvor verschlossene Reich. Sie bringen die Eisenbahn, die über die Gräber der Ahnen verlaufen soll. Das Kaiserreich liegt in Agonie, ebenso wie Sun Bing, der Opernsänger und Anführer des Aufstands gegen die Eisenbahntrasse. Um seinen Ungehorsam zu ahnden, verordnet die Staatsmacht ein letztes Mal die Sandelholzstrafe, die grausamste und zugleich kunstvollste der überkommenen Foltermethoden.

mo-yan-knoblauch

天堂蒜苔之歌
Tiāntáng suàntái zhī gē
Die Knoblauchrevolte

Die Bauern im Dorf  Gāomì (高密) bauen seit Jahrhunderten Knoblauch an. Aber im Jahr 1987 nehmen die Behörden ihre Ernte nicht mehr ab, denn sie haben durch Misswirtschaft, Korruption und politische Willkür die Wirtschaft zum Erliegen gebracht. Als dann auch noch ein Bauer vom betrunkenen Fahrer eines Funktionärs überfahren wird, kommt es zum Aufstand gegen die Kreisverwaltung.

mo-yan-kornfeld

红高粱家族
Hóng gāoliang jiāzú
Das rote Kornfeld

Rund um eine Schlacht zwischen chinesischen Dorfbewohnern, vagabundierenden Söldnertruppen und der japanischen Armee, die sich in den Weiten der roten Hirsefelder zuträgt, beschreibt Mo Yan die anarchistischen Zustände und brutalen Lebensbedingungen der chinesischen Landbevölkerung. Im Kampf gegen Armut, feindselige Landsleute und die Japaner erleben sie allerlei Grauenhaftes, das Menschen anderen Menschen antun - und sie begehen es auch selbst.

Der Roman wurde durch Zhāng Yìmóu (张艺谋) verfilmt und bei der Berlinale 1988 mit dem Goldenen Bären ausgezeichnet.

 
Leseprobe
 
„Mit diesem Buch beschwöre ich die erzürnten Geister der Helden, die durch die grenzenlosen roten Hirsefelder meiner Heimat schweifen. Ich, euer unwürdiger Nachkomme, bin bereit, mir das Herz aus der Brust zu reißen, es in Sojasauce einzulegen, durch den Fleischwolf zu drehen, auf drei Eßschälchen zu verteilen und es euch in den Hirsefeldern als Opfergabe darzubringen. Guten Appetit!"
 
„Am neunten Tag des achten Monats des Jahres 1939 nach dem alten Kalender schloß sich mein Vater, Sproß einer Familie von Rebellen und gerade fünfzehn geworden, dem Trupp des Kommandanten Yu Zhan'ao an, eines Mannes, der später zu einem sagenumwobenen Helden werden sollte. Sie hatten vor, auf der Landstraße von Jiao nach Pingdu eine japanische Lastwagenkolonne zu überfallen. Großmutter, die eine warme Jacke übergeworfen hatte, begleitete sie bis zum Rand des Dorfes. ‚Bleib stehen’, befahl Kommandant Yu. Großmutter blieb stehen.

‚Douguan, höre auf deinen Pflegevater’, ermahnte Großmutter meinen Vater, der schwieg. Der Anblick von Großmutters hochaufgeschossener Gestalt und der Duft ihrer gefütterten Jacke ließen ihn erschauern. Er zitterte, und sein Magen knurrte.

Kommandant Yu strich ihm übers Haar und sagte: ‚Gehen wir, Pflegekind.’

Himmel und Erde waren in Aufruhr, die Landschaft verschwamm vor dem Auge, das gedämpfte Getrampel des Trupps klang aus weiter Ferne herüber. Vater konnte sie noch hören, aber die Männer selbst waren hinter einem weißblauen Nebelvorhang verschwunden. Vater hielt sich am Zipfel von Kommandant Yus Mantel fest und rannte stampfenden Schrittes voran. Das stürmische Nebelmeer kam immer näher, und Großmutter verschwand am fernen Ufer. Er hielt sich an Kommandant Yus Mantel fest wie an der Reling eines Bootes.

So eilte mein Vater dem unbehauenen Granitfelsen entgegen, der ihm inmitten der roten Hirsefelder seiner Heimat zum Grabstein werden sollte. Jahre später führte ein kleiner Junge mit nacktem Hintern einen weißen Ziegenbock an das unkrautüberwucherte Grab, und während der Bock ruhig und zufrieden graste, pißte der kleine Junge voll Inbrunst auf das Grab und sang aus voller Kehle: ‚Die Hirse ist rot, der Japaner kommt, Landsleute, seid bereit, feuert aus allen Rohren!’

Irgend jemand hat behauptet, der kleine Ziegenhirt sei ich gewesen, aber ich weiß nicht, ob das stimmt. Damals liebte ich die Gemeinde Nordost-Gaomi von ganzem Herzen und haßte sie gleichzeitig mit zügelloser Wut. Erst als Erwachsener habe ich erkannt, daß Nordost-Gaomi der zweifellos schönste und abstoßendste, einzigartigste und gewöhnlichste, heiligste und korrupteste, heroischste und feigste, trinkfreudigste und liebestollste Ort auf der Welt ist. Damals, zur Zeit meines Vaters, aßen die Dorfbewohner mit Vorliebe Zuckerhirse und pflanzten so viel davon an, wie sie nur konnten. Im Spätherbst, im achten Monat nach dem alten Kalender, schimmerten die üppigen roten Hirsefelder wie ein Meer von Blut. Die rote Hirse war der Glanz von Gaomi; kühl und lieblich war sie und mächtig; süß und leidenschaftlich waren ihre Wellen.“

(Mo Yan: Das rote Kornfeld. Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 2000. ISBN 3 499 13633 3, S. 9f. Sämtliche Rechte beim Rowohlt-Verlag, der sich über einige zusätzlich Leser sicher freut)
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