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20. Juni 2013

Maos kleiner General

《天雠:从男生到毛军队的“小将”》 Tiānchóu cóng nánshēng dào Máo jūnduì de xiǎojiàng (Himmel + Rache + von + Schüler + zum + Mao Zedong + Truppe + Genitiv + klein + General)
The revenge of heaven: journal of a young Chinese
Maos Kleiner General. Die Geschichte des Rotgardisten Ken Ling
Autoren: Miriam London, Li Ta-ling und Ken Ling (耿凌 Gěng Líng)
1972

 

天雠
Tiānchóu
(Rache des Himmels)

„Ein außergewöhnliches und wichtiges Buch: ein detaillierter Bericht aus erster Hand von den blutigen Unruhen, die China in der Kulturrevolution [文化大革命 wénhuà dàgémìng] erschütterten; und ein wirklichkeitsgetreues Bild der Rotgardistenbewegung von einem, der dabei war, von einem der ‚Kleinen Generäle‘ Maos.“
(Klappentext, Newsweek)

Die ersten Roten Garden

„Anfang Juli führte ich, dem Beispiel anderer folgend, fünf Überfälle auf Lehrerwohnungen an, um nach Belastungsmaterial zu suchen. Viele von unseren Lehrern wohnten gegenüber der Küste von Amoy [厦门 Xiàmén] auf der malerischen kleinen Insel Gǔlàngyǔ [鼓浪屿], die früher eine internationale Niederlassung gewesen war. Die dort lebenden Familien waren im allgemeinen gutsituiert. Aus zwei Gründen wählte ich diese Insel für meine Überfälle: erstens konnte ich fern von allen Leuten, mit denen ich in Amoy bekannt war, freier agieren, zweitens konnte ich dort am Strand zum Schwimmen gehen.

Eine der Wohnungen, die wir durchsuchten, die eines meiner ehemaligen Lehrer in der Unterstufe der Oberschule, war ein mir wohlvertrauter Ort. Im Sommer, wenn ich schwimmen ging, war ich häufig hierhergekommen. Ich zog mich hier immer um, und wenn ich, ins Badetuch gehüllt, zurückkehrte, pflegte ich mir in der Küche Kaffee zu machen, so als ob ich daheim wäre. Selbst die Katze des Lehrers war eine alte Bekannte; vor ein paar Monaten noch hatte ich ihr für ein paar Cents getrockneten Fisch mitgebracht. Alles war vertraut – das Klavier, das Go-Spiel, der Lehnstuhl unter der weinüberrankten Pergola, der Tungbaum [油桐, Holzölbaum], dessen Blätter im Wind raschelten. Und doch war es nicht wie sonst, denn jetzt war es das Haus eines Feindes. Früher hätte ich es zutiefst bedauert, wenn ichversehentlich eine kleine Vase zerbrochen hätte, aber jetzt würde mich die Demolierung des Klaviers kein bißchen bekümmern. Noch hegte ich keinen Groll gegen diesen Lehrer; ich kam nun in anderer Eigenschaft und mußte entsprechend handeln. Natürlich behandelte mich seine Familie nicht mehr genauso wie früher, und ich brachte seiner kleinen Tochter auch keine Süßigkeiten mehr mit.

Ich tat jedoch unter diesen Umständen mein Bestes, um seine frühere Güte zu erwidern. Ich gab strikten Befehl, die Durchsuchung auf die Tagebücher des Lehrers, auf seinen Terminkalender, seine Korrespondenz und andere Papiere zu beschränken und keinerlei Wertgegenstände anzutasten. Zu Anfang der Kampagne der Überfälle auf Wohnungen hatte ich diese Disziplin als selbstverständlich durchgesetzt. Bald jedoch bemerkte ich, daß meine Begleittruppe nicht mehr so begeistert mitging. Ich sah, daß sie das Interesse ganz und garverlieren würde, wenn ich ihr nicht zubilligte, sich während einer Durchsuchung die eigenen Taschen zu füllen.

Manchmal gingen wir an einen der berühmten Strände der Insel, um einmal kurz ins Wasser zu tauchen, wenn wir von einem Überfall erhitzt und verschwitzt waren. Dabei vergruben wir unsere erbeuteten Sachen im Sand, damit sie nicht gestohlen würden. Im Wasser vergaßen wir das Weinen und Jammern der Familie, die wir eben verlassen hatten, und schwammen und trödelten herum bis in die Dunkelheit."
(Ken Ling, Miriam London und Li Ta-ling: Maos Kleiner General. Die Geschichte des Rotgardisten Ken Ling. München: dtv, 1974. ISBN: 3-423-1024-X)

Blick von der Insel Gǔlàngyǔ auf die Stadt Xiàmén
(Foto: Wikimedia)

„Dies ist der authentische und detailfreudige Bericht eines jungen Chinesen über sich, über das tägliche Leben in einer chinesischen Stadt, über die chinesische Jugend in Schule und Familie – vor allem aber über die Große Proletarische Kulturrevolution [无产阶级文化大革命 wúchǎnjiējí wénhuà dàgémìng] in den Jahren 1966 bis 1968. Ken Ling [耿凌 Gěng Líng], der intelligente-und brave Sohn einer Kleinbürgerfamilie in Amoy, hilft begeistert mit, die ‚Vier Alten Übel[四旧 sìjiù] auszurotten und einen neuen revolutionären Geist wachzurufen, wird Anführer jugendlicher Propaganda- und ‚Säuberungs’trupps und steigt auf zum regionalen Führer der Roten Garden [红卫兵 hóngwèibīng], zum Herrn über Fabrikkombinate, bis er schließlich, enttäuscht und ernüchtert und mit dem Gefühl, mißbraucht worden zu sein, nach Hongkong flieht.

Von diesem Schlüsselereignis Rotchinas erzählt Ken Ling aus seinem eigenen Erleben und Mitmachen. Da stehen realistische Schilderungen über Verhöre und Folterungen neben einer romantischen Liebesgeschichte, rührende Familienszenen neben haarsträubenden Einzelheiten aus den Fraktionskämpfen, Berichte über Schulungen, über eine Flucht, über ‚Kontaktreisen’ durch die Provinzen und nach Peking und eine desillusionierende Begegnung mit Mao Tse-tung [毛泽东 Máo  Zédōng].“
(aus dem Vorwort)

 

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