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23. Dezember 2012

Mein Land und mein Volk

吾國與吾民 Wú guó yu wú mín (mein + Land + mein + Volk)
Orginnaltitel: My Country and My People
Mein Land und mein Volk
1935
wuguowumin

„Es wird sich schwerlich vermeiden lassen, daß ich bei den Verfassern anderer Bücher über China Anstoß errege, am meisten wohl bei meinen Landsleuten und den großen Patrioten unter ihnen. Diese großen Patrioten – nun,  ich habe nichts mit ihnen zu schaffen, denn ihr Gott ist nicht mein Gott, und ihr Patriotismus ist nicht der meine. Es könnte sein, daß ich mein Land nicht weniger liebe, aber vor ihnen halte ich das geheim, denn man kann den Mantel des Patriotischen auch in Fetzen tragen und so lange mit ihm durch die Straßen ziehen, bis nichts mehr von ihm übrig ist.“
(Lin Yutang: Mein Land und mein Volk)

1935 veröffentlichte Lín Yǔtáng (林語堂) in den USA sein erstes Buch, das zu einem internationalen Bestseller wurde, der ins Deutsche, ins Französische und sogar ins Chinesische übersetzt wurde. Damit war er der erste chinesische Schriftsteller, der seinen Ruhm im Ausland begründete.

In zwei Teilen beschreibt er die Geschichte und das Leben Chinas: Das chinesische Volk, Der Charakter der Chinesen, Lebensideale, Frauenleben, Politisches, soziales und literarisches Leben, Lebenskunst.

Leseprobe

„Die Gleichförmigkeit der Kultur läßt uns mitunter vergessen. daß auch in China starke Rassen- und Blutunterschiede herrschen. Bei näherem Zusehen verflüchtigt sich die abstrakte Vorstellung vom einheitlichen Chinesen-Typ und löst sich auf in eine ganze Bildergalerie verschiedener, in Wuchs, Temperament' und geistiger Anlage stark voneinander abweichender Rassen. Man muß nur einmal versuchen, Soldaten aus dem Norden einen Befehlshaber zu geben, der aus dem Süden stammt, und das ganze Ausmaß der bestehenden Unterschiede wird auf der Stelle klar.

Da haben wir auf der einen Seite den Nordchinesen, einen klardenkenden, abgehärteten Burschen, groß und kräftig, gesunde munter und gutgelaunt, einen Zwiebelesser und Spaßmacher, der in jeder Hinsicht mongolischer und konservativer ist als das Völkergemengsel aus der Gegend von Shànghǎi [上海] und im Gegensatz zu diesem nicht die geringsten Anzeichen einer rassemäßigen Dekadenz verrät. Von dieser Art sind die Boxer aus Hénán [河南], die Räuber aus Shāndōng [山東] und die königlichen Briganten, die China seine einheimischen Kaiserdynastien geschenkt haben, den Rohstoff für alle großen Gestalten der chinesischen Kriegs- und Abenteuerromane.

An der Südküste, südlich vom Yangtse [長江  Cháng Jiāng], trifft man dann einen ganz anderen Typ: durch und durch verbürgerlicht und geistig überzüchtet, körperlich aber zurückgeblieben, Liebhaber der Poesie und jeglicher Lebensannehmlichkeit, unansehnliche, kleingewachsene Männer und schmächtige, neurasthenische Frauen, mit Vogelnestersuppe [燕窩 yànwō] und Lotussamen [蓮子 liánzǐ] aufgepäppelt, pfiffige Geschäftsleute, begabte Literaten, im Kriege feig, immer bereit, sich auf die Erde zu werfen und nach der Mama zu schreien, ehe die aufgehobene Faust auf sie niederschlägt, Abkömmlinge der kultivierten chinesischen Familien, die mit ihren Büchern und Bildern über den Yangtse zogen, als gegen Ende der Qin-Dynastie [秦朝 Qín Cháo, 221 - 207] China von barbarischen Eroberern überflutet wurde.

Im Süden, in Guǎngdōng [廣東], findet man wieder einen anderen Menschenschlag von ganz ungebrochener Lebenskraft: dort essen und arbeiten die Leute wie richtige Männer; sie sind unternehmend, sorglos, ja verschwenderisch, zu Streit und Abenteuern aufgelegt, regsam und quecksilbrig, und unter der herrschenden chinesischen Kultur ist noch eine starke Überlieferung aus der Zeit der schlangenfressenden Ureinwohner lebendig und zeugt für eine kräftige Blutbeimischung von seiten jener alten Yuè [粤], die früher in Südchina gesessen haben.

Nördlich und südlich von Hànkǒu [漢口; heute Teil von Wǔhàn 武漢] in Mittelchina leben die laut fluchenden, intriganten Húběi [湖北]-Leute, die man in den anderen Provinzen mit ‚neunköpfigen Vögeln [九頭鳥 jiǔ​tóu​niǎo] - im Himmel‘ vergleicht, weil sie niemals kleinzukriegen sind; der Pfeffer ist ihnen pur noch zu wenig scharf, sie essen, ihn erst, wenn sie ihn in Öl geröstet haben. Ihre Nachbarn, die Leute aus Húnán [湖南], als gute Soldaten und sture Dickschädel bekannt, sind eine liebenswürdigere Spielart dieser Nachkommenschaft der alten Krieger vom Stamme Chǔ [楚].
(Lin Yutang: Mein Land und mein Volk. Stuttgart: DVA)


Bücher von Lin Yutang 林語堂
Mein Land und mein Volk 吾國與吾民 - Weisheit des lächelnden Lebens 古文小品譯英 

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