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06. Dezember 2012

Mandschukuo

Mănzhōu Guó 滿洲國 Mănzhōuguó (Mandschu + Reich)
滿洲國 Manshūkoku (Mandschu + Reich)
満洲帝国 Manshū teikoku (Kaiser + Reich + Mandschu)
1932 - 1945

mandschukuo-siegel

„Was mich in Port Arthur am meisten beunruhigte, war indes nicht meine Isolierung, sondern die Tatsache, daß meine Restauration als Kaiser entgegen allen Versprechungen plötzlich in Frage gestellt schien. Wieso hieß es nun, die Form des ‚neuen Staates’ sei noch unbestimmt? Hatte mir Doihara [土肥原賢二 Doihara Kenji] nicht in Tiānjīn feierlich zugesichert, nur eine Monarchie werde in Betracht gezogen? Mit solchen und ähnlichen Fragen quälte ich mich drei Monate, und dann erreichte mich am 18. 2. 1932 — genau einen Tag nach meinem 26. Geburtstag — die Nachricht, daß das ‚Administrationskomitee für den Nordosten’ (dieses Gremium setzte sich aus hohen Beamten …, die zu den Japanern übergelaufen waren, zusammen …) den Entschluß gefaßt habe, eine ‚Republik’ zu gründen. Kurz darauf kam eine zweite Meldung herein: Dasselbe Komitee hatte noch am gleichen Tag unter der Regie von Itagaki [板垣 征四郎 Itagaki Seishirō; japanischer General] eine ‚Unabhängigkeitserklärung’ abgegeben.

Jeder in meiner Umgebung – außer Zhèng Xiàoxū [鄭孝胥] – war empört, während ich selbst vor ohnmächtiger Wut förmlich überkochte. Ich lief wie ein Verrückter im Empfangsraum auf und ab und zerbrach dabei Zigaretten in zwei Hälften; dann riß ich das Buch ‚Von der Kunst, die Zukunft zu erforschen’, in dem ich bis dahin Trost gesucht hatte, vom Tisch und schleuderte es auf den Boden. …

Gerade als ich Luo und Zhèng mitteilte, ich sei entschlossen, ins Ausland zu gehen, falls die Japaner sich weigerten, mich als Kaiser einzusetzen, rief Itagaki an. Die beiden möchten bitte zu einer Besprechung kommen. Tschen Dzeng-schou […] mußte mir in aller Eile zwölf Gründe niederschreiben, wieso das ‚Richtige System’, das heißt die Restauration der Tsching [Qing-Dynastie], unerläßlich war. Dieses gewichtige Dokument, das von moralischen Faktoren bis zu Schmeicheleien über die glorreiche Regierung des japanischen Kaisers Meiji alles enthielt, was uns zu diesem Thema einfiel, gab ich meinen zwei Unterhändlern mit auf den Weg und schärfte ihnen ein, fest aufzutreten, um Itagaki zum Einlenken zu zwingen. Zhèng versprach mir sofort, er werde sein Bestes tun, aber vor Itagaki erklärte er sich mit der Gründung der Republik einverstanden: Er werde es übernehmen, mich zur Annahme der mir vorgezeichneten Rolle als ‚Staatsoberhaupt’ der Republik zu überreden.

Wie versprochen, machte sich Zhèng nach seiner Rückkehr gleich ans Werk, mich in die Falle zu locken. Wenn ich jetzt nicht mit Japan kollaboriere, warf er mir vor, sei es mit allen Hoffnungen auf eine spätere Restauration vorbei. Dazu führte er Dutzende von Beispielen aus der Geschichte an, und erst, als auch das nicht verfing, sagte er schließlich leicht verärgert, ich könne am Nachmittag selbst mit Itagaki sprechen. Er wünsche mich zu sehen.

‚Laß ihn nur kommen!’ erwiderte ich wütend.

Das Puppenspiel beginnt

Ich traf Itagaki Seishiro am Nachmittag des 23. Februar 1932. ...
Nach ein paar einleitenden Höflichkeiten begann Itagaki ruhig und gemessen von Zhāng Xuéliángs [張學良] schlechter Herrschaft in der Mandschurei zu sprechen und erklärte mir darauf langatmig die speziellen Interessen, die Japan an die Bevölkerung im Nordosten banden. Ich nickte beifällig zu allem, was er sagte, in der Hoffnung, ihn dadurch schneller zur Sache zu bringen. Endlich war es dann soweit. Itagaki sagte:

‚Der neue Staat wird Mandschuguo [Mandschuland] heißen. Als Hauptstadt ist Chángchūn [長春] vorgesehen, das in Xīnjīng [新京; Neue Hauptstadt] umbenannt wird. Mandschuguo wird fünf Nationalitäten umfassen: Mandschu, Han-Chinesen [ursprüngliche Bevölkerung Chinas], Mongolen, Japaner und Koreaner. In Anbetracht der Mühen und Opfer, welche die Japaner im Lauf der Jahrzehnte im Nordosten aufgewandt haben, wird ihr legaler und politischer Status billigerweise dem der anderen Nationalitäten entsprechen. Das heißt, es steht ihnen auch das Recht zu, offizielle Staatsämter zu bekleiden ...’ Noch bevor der Dolmetscher mit seiner Übersetzung für mich zu Ende war, entnahm Itagaki aus einem Lederköfferchen die ‚Unabhängigkeitserklärung des mandschurisch-mongolischen Volkes’ sowie eine Fahne des neuen Staates ‚Mandschuguo’ und legte sie vor mir auf den Tisch.

Mit vor Empörung zitternder Hand schob ich beides beiseite: ‚Soll dieser Staat etwa das Imperium der Großen Tsching sein!’

‚Natürlich ist das keine Restauration des Imperiums der Großen Tsching’, antwortete Itagaki ruhig. ‚Dies wird ein neuer Staat sein. Das Administrationskomitee für den Nordosten hat einstimmig eine Resolution verabschiedet und Eure Exzellenz zum Staatsoberhaupt proklamiert. Das heißt, Eure Exzellenz werden das Präsidentenamt übernehmen.‘

Dieses ‚Eure Exzellenz’ trieb mir das Blut in den Kopf: Zum ersten Mal hatte ein Japaner gewagt, mich anders als mit ‚Eure Majestät’ anzureden. Ich war nicht bereit, diese Streichung meines Kaiserlichen Titels hinzunehmen ... Itagakis Vermessenheit reizte mich so, daß ich kaum mehr stillsitzen konnte:

‚Wenn die Namen nicht mehr stimmen, geraten die Worte in Unordnung, und wenn die Worte in Unordnung sind, dann läßt sich nichts mehr vollbringen. Die Völker der drei Ostprovinzen sehnen sich nicht nach meiner Person als Individuum zurück, sondern nach dem Kaiser der Großen Tsching. Wird dieser Titel gestrichen, wird auch ihr Vertrauen und ihre Loyalität untergraben. Ich muß die Kwantung Armee ernstlich bitten, dies zu bedenken!’

Itagaki setzte mir höflich lächelnd auseinander, daß die Kwantung Armee nur den Willen des Volkes respektierte, wenn sie mich zum Präsidenten berief, was ich wiederum abstritt. In diesen Tönen redeten wir drei Stunden lang aneinander vorbei, dann klappte Itagaki plötzlich sein Lederköfferchen zu. Jedes Lächeln war aus seinem Gesicht verschwunden: ‚Eure Exzellenz (nach meinem Einspruch hatte er mich eben noch Kaiser Xuāntǒng [宣統] genannt) sollten sich alles noch einmal in Ruhe überlegen. Wir werden die Diskussion morgen fortsetzen.’ Mit dieser eisigen Bemerkung erhob er sich und ließ mich allein.

Am Abend gab ich ein Bankett für die Japaner. Dscheng Hsiao-hsü hatte mich gewarnt, es sei gefährlich, die Armee zu verärgern. In der Tat hatte ich es nur deshalb gewagt, Itagaki Widerstand zu leisten, weil ich wie Hu und Tschen halb glaubte und halb hoffte, daß die Japaner unter den gegenwärtigen Verhältnissen nicht ohne mich auskommen würden. Als mir dann aber Dscheng Hsiao-hsü das abschreckende Beispiel von Dschang Dzo-lins Tod [der von den Japanern in die Luft gesprengt worden war] in Erinnerung rief, hatte ich mich einverstanden erklärt, Itagaki durch ein Bankett zu versöhnen.

Der Abend verlief reibungslos, doch schon am nächsten Morgen berief Itagaki Dscheng Hsiao-hsü und Luo Dschen-yü zu sich ins Hotel Yamato: ‚Die Forderungen der Armee können in keiner Weise mehr geändert werden. Die Armee wird jeden weiteren Einwand als feindlichen Akt betrachten und danach handeln. Das ist unser letztes Wort.’

Als Dscheng und Luo mir Itagakis Ultimatum ausrichteten, verlor ich die Fassung. Meine Knie wurden weich und ich sank auf das Sofa, unfähig, auch nur ein Wort hervorzubringen. In der betroffenen Stille, die darauf folgte, ließ sich mit einem Mal Dschengs Stimme vernehmen: ‚Euer Untertan hat schon immer gesagt, daß man die Gefühle der Japaner nicht verletzen darf!’ ... Aber, fuhr er schnell fort, die Lage sei keineswegs so hoffnungslos, wie es den Anschein habe. Im Gegenteil. Immerhin würden die Japaner mich als Staatsoberhaupt einsetzen, was nicht viel weniger sei als eine Restauration. Um diese Gelegenheit herbeizuführen, habe er mir all die Jahre treu gedient. Falls ich mich weiterhin weigere, mein Glück anzunehmen, bleibe ihm nichts anderes übrig, als seine Sachen zu packen und nach Hause zurückzukehren.

Dschengs Drohung brachte mich zur Verzweiflung. Aber er hatte gar nicht die Absicht, sie wahr zu machen, sondern schlug mir vor, den Japanern eine Frist von einem Jahr zu stellen. Falls das ‚Richtige System’ (das heißt meine Wiedereinsetzung als Kaiser) bis dahin nicht verwirklicht sei, hätten sie mit meinem Rücktritt zu rechnen. ...

Am 28. Februar 1932 verabschiedete die sogenannte ‚Allmandschurische Nationalversammlung’ in Mukden auf Veranlassung der Kwantung Armee eine Resolution, die den Nordosten zum unabhängigen Staat erklärte und mich zum Regenten ernannte. ...

Am 1. März traf eine neunköpfige Abordnung der Nationalversammlung in Port Arthur ein, und ich gab ihnen wie vorgesehen eine Absage aus Gründen der Bescheidenheit, während die auf 29 Abgeordnete verstärkte Delegation, die mich vier Tage später aufsuchte, meine schriftliche Einwilligung erhielt. Im letzten Abschnitt meiner zweiten Antwortnote stand zu lesen:

‚... Wie könnte ich es wagen, selbstsüchtig um eines müßigen, faulen Lebens willen abzulehnen, nun, da ich mit dieser großen Verantwortung betraut worden bin? Ich werde mich bemühen, meine bescheidenen Fähigkeiten nach bestem Vermögen einzusetzen, um das Amt des Staatspräsidenten für die Dauer eines Probejahres zu versehen; und wenn meine Unzulänglichkeiten sich hernach als zu zahlreich erweisen, werde ich nach Ablauf dieser Zeit zurücktreten. Sollte jedoch innerhalb dieses Jahres eine Verfassung in Kraft treten und eine Staatsform konstituiert worden sein, die sich mit meinen ursprünglichen Absichten deckt, werde ich sorgsamst meine Tugend und mein [staatsmännisches] Vermögen überprüfen und entscheiden, ob ich das Amt des Staatsoberhaupts weiterhin wahrnehmen kann.’

Jedem meiner Minister war ein japanischer Vizeminister ‚unterstellt’, der die tatsächliche Verfügungsgewalt besaß. Auch Dscheng Hsiao-hsüs Premierstatus war nichts als eine hohle Phrase. Mandschuguo wurde von Komai Tokuzo, dem Chef des ‚Amtes für allgemeine Angelegenheiten’, regiert, der allmächtig war und in den japanischen Zeitungen offen mit dem Titel ‚Premierminister’ bezeichnet wurde. Die Diäten der Vizeminister waren höher als die ihrer vorgesetzten Minister, da sie, wie man mir mitteilte, ‚nicht wie die Mandschus Gaoliang [eine im Nordosten vorherrschende Getreidepflanze], sondern teuren Reis essen und für ihre Arbeit fern der Heimat eine besondere Entschädigung verdienen’.“
(Pu Yi: Ich war Kaiser von China. München: dtv, 1988. ISBN 3-446-15054-4. S. 239 ff)

Mandschukuo war ein von Japan errichtetes Kaiserreich in der Mandschurei. Kaiser wurde der letzte Kaiser Chinas, Pǔ Yí  (溥儀;), der 1932 Präsident von Mandschukuo wurde und von 1934 bis 1945 Kaiser war.

 

In Mandschukuo war die berüchtigte Einheit 731 (731部隊) der japanischen Armee stationiert, die grausame Menschenversuche unternahm. Dazu wurden auch Experimente an lebenden Menschen vorgenommen. Bei Kriegsende 1945 wurden mit Pest infizierte Ratten freigelassen, die eine Epidemie mit über 20.000 Todesopfern auslösten.

mandschukuo
Flagge Mandschukuos und Propagandaplakat

Propagandaplakat, das die Harmonie zwischen Japanern, Chinesen und Mandschu beschwört. Der Text (日華满協助天下太平 Rì Huá Mǎn xiézhù tiānxià tàipíng) – in traditioneller Schreibweise von rechts nach links – besagt: „Mit der Kooperation von Japan, China und Mandschukuo wird alles unter dem Himmel in Frieden sein.“

Die Flagge ähnelt der fünfstreifigen ersten Flagge der Republik China von 1912, in der die einzelnen Farben für die Völker Chinas standen:

Rot Blau Weiß Schwarz Gelb
Han-Chinesen Mongolen Hui und Uiguren Tibeter Mandschu
 

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