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06. Dezember 2012

Mandschu

滿洲族 Mǎnzhōuzú (Mandschu-Volk)
 
mandschuschrift
Mandschu in mandschurischer Schrift
(von oben nach unten geschrieben)
 

„Noch unter der alten Kaiserin ist auch die wichtige Mandschu-Frage angeschnitten worden. Die Mandschu sind die alten Eroberer des chinesischen Landes. Bisher lebten Mandschu und Chinesen in den großen Städten vollständig getrennt voneinander. In jeder Stadt mit Mandschubesatzung waren diese in dem besseren Teil angesiedelt und durch Wälle und Mauern von den Chinesen getrennt. Beide hatten keinerlei Beziehungen zueinander; Heiraten unter ihnen waren verboten. Mit der Zeit hatten die Mandschu ihren ursprünglich militärischen Charakter eingebüßt. Sie standen zwar als ‚Bannertruppen‘ unter Generalen und mußten diesen zur Verfügung stehen; aber irgend welche Exerzitien fanden nicht statt. So wurden die Mandschu immer mehr reine Drohnen, die auf Kosten der Chinesen lebten; sie erhielten einen Sold, der es ihnen gestattete, ohne Beschäftigung zu bleiben. Auch in den ersten Stellen der Verwaltung und des Heeres beanspruchten die Mandschu alle Vorrechte. Dieser Zustand war den Chinesen immer unerträglicher geworden. …

(Foto: Wikimedia)

Alles in allem dürften in den 18 Provinzen des eigentlichen China nicht mehr als sechs Millionen Mandschu vorhanden sein, und es ist bezeichnend genug, daß diese Minderheit die übrige große Mehrheit von 400 Millionen bisher zu beherrschen verstanden hat. Die Mandschu sind allerdings im allgemeinen von einem stärkeren Schlag als die Chinesen; namentlich gilt dies von den Frauen, was vornehmlich damit zusammenhängt, daß die Mandschufrauen ihre Füße nicht in so barbarischer Weise verkrüppeln wie die Frauen der Chinesen. Deshalb gehen sie aufrecht und in stolzem Gange einher, während die Chinesinnen auf ihren spitzen Stöckelschuhen vollständig hilflos einherstelzen, so daß der leiseste Stoß sie umwerfen kann. …

Mandschu-Frauen um 1900
(Foto: Wikimedia)


Ein sehr gebildeter Chinese hat vor Jahren schon gesagt: ‚Lasset doch um Gottes Willen die Mandschu am Leben, denn wer soll sonst unser Volk regieren?‘“
(Franz Woas in der Leipziger Illustr. Zeitung von 1909: Chinas Erwachen. Deutsche Interessen an der Neubildung Chinas.)

Die Mandschu (Mandschuren) im Nordosten Chinas sind eine der 55 anerkannten ethnischen Minderheiten Chinas. Die knapp 11 Millionen Mandschus sprechen Chinesisch. Nur noch einige Dutzend alte Menschen beherrschen die mandschurische Sprache, die damit so gut wie ausgestorben ist.

Der Name Mandschu wurde 1635 eingeführt. Vorher hieß das Volk Dschurdschen (女眞 Nǚzhēn). Angeblich stammt dieser Name vom Bodhisattva Manjusri (मञ्जुश्री Mañjuśrī), dessen Inkarnation der Dschurdschen-Anführer Nurhaci (努爾哈赤 Nǔ'ěrhāchì) zu sein behauptete.

1616 errichtete Nurhaci die Späte Jin-Dynastie (後金 Hòu Jīn) und vereinigte die Mandschu-Stämme. Nach dem Tod Nurhacis änderte sein Sohn den Namen der Dynastie in Qīng (清). Während der Qing-Dynastie (清朝 Qīngcháo, 1644 - 1911) versuchte die Regierung die mandschurische Kultur und Sprache zu erhalten. Diese Versuche waren langfristig nicht sehr erfolgreich, weil sich die Mandschu immer mehr den Han-Chinesen anpassten und auch deren Sprache übernahmen.

 aisin-gioro-m aisin-gioro-chines 
 Name der Herrscherfamilie Aisin Gioro
in Mandschurisch
ᠠᡳᠰᡳᠨ ᡤᡳᠣᡵᠣ
Name der Herrscherfamilie Aisin Gioro
in Chinesisch
愛新覺羅 Àixīn Juéluó

 

Das Vielvölkerreich der Qing hatte mehrere Amtssprachen, aber Mandschurisch war die Staatssprache. Mandschurisch, schrieb Georg von der Gabelentz in seiner Chinesischen Grammatik von 1881, habe „uns Europäern den Weg der sinologischen Forschung gebahnt; und noch heute sollte Niemand, der Chinesisch treiben will, die Erlernung der Mandschusprache vernachlässigen“.

Das mag zunächst überraschen. Mandschurisch ist den Turksprachen und dem Mongolischen, nicht aber dem Chinesischen verwandt. Als agglutinierende Sprache, bei der die Wortstämme durch Anhängen von Suffixen bestimmt werden, ist es viel eindeutiger als das Chinesische. Dieser Umstand und seine einfache Schrift machten es für Europäer leicht zugänglich.

Die Jesuiten, die am Hof der Qing-Kaiser wirkten, beherrschten es denn auch weitaus besser als das Chinesische. Das meiste, was sie aus China berichteten, beruhte auf mandschurischem Material.

Als Kaiser Kangxi 1708 ein mandschurisches Wörterbuch erstellen ließ, beklagte der Herausgeber, die Mandschuren begännen, ihre Sprache zu vergessen. Zu vielen Vokabeln mussten Greise und Bewohner von Randgebieten befragt werden. Obwohl Mandschurisch als Verwaltungssprache für Beamte Pflicht blieb, mehrten sich die Klagen über seinen Verfall. Beamte lernten es wie eine Fremdsprache. Doch selbst ein 48bändiges Wörterbuch von 1771, konnte die Verdrängung durch das Chinesische nicht aufhalten. Im 19. Jahrhundert diagnostizierten westliche Beobachter den Tod der Sprache im Kerngebiet des Qing-Reichs. Das traditionelle Mandschurische ist heute fast gänzlich ausgestorben: die UNESCO meldete 2004 weniger als 20 Sprecher, alle über 60 Jahre alt.

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