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28. Oktober 2013

Lhasa

ལྷ་ས་ Lhasa
拉萨 Lāsà

Lhasa mit Potala-Palast
(Foto: Wikimedia)

„Froh traben die Tiere, und die Zeichen der Verheißung mehren sich: Um eine jähe Felsenecke biegend, erscheinen Pilgerzüge in zerschlissenen Bettelgewändern — — — und tun stoße ich unvermittelt auf den ersten, schwielenbedeckten Asketen, der in dauerndem Niederfall, den nackten Fels mit seiner hornbeuligen Stirn berührend, gen Lhasa wallt.

Ohne sich in seinem religiösen Eifer stören zu lassen, kriecht der Mensch dahin. An einer Bodenschwelle richtet er sich auf, schüttelt den Staub von den Fäustlingen, glättet den Lederschurz und sieht mich mit verwunderten Augen an. Ein Osttibeter ist's, aus Amdo von der chinesischen Grenze. Zweitausend Kilometer ist er durch Frost und Sturm auf seinen Knien durch die Bergwüsten gezogen, immer in Vollendung seines Laufes; acht volle Jahre lang. Jetzt steht er vor dem Ziel, vor Lhasa, dem langersehnten. Dort wird seine Wallfahrt beendet sein. …

Pilger in Tibet
(Foto: Wikimedia)


Der gelobte Pfad, auf dem vor uns schon Millionen gläubiger Buddhisten gen Lhasa zogen, um einmal in ihrem Leben die Heilige Stadt und die Götterburg des Potala zu betreten, ist nun zu einer breiten, zu einer wirklichen Straße geworden. Zottige Yaks, wollpelzige kleine Kühe, helle Schafe und langhaarige Ziegen, die im strähnigen Gelock wie neugierige. Teufelchen aussehen, scharren auf abgeernteten Feldern nach kärglicher Wurzelnahrung.

Einem Garten Eden vergleichbar, überwintern tausende von stattlichen Schwarzhalskranichen und bunten Streifengänsen in den öden Talgefilden um die Heilige Stadt. Die gleichen stolzen Vögel, die in ihrer Brutheimat auf den hohen kalten Steppen zu den scheuesten und vorsichtigsten. Wildtieren gehören, bevölkern die Ackerbautäler vom Spätherbst bis zum beginnenden Frühjahr in ungeheuren Schwärmen. Sie haben ihre sprichwörtliche Scheu fast völlig verloren. Oft stehen sie in großen Scharen nur wenige Meter von der Karawanenstraße entfernt, ohne sich bei der Nahrungssuche stören zu lassen. Nur ab und zu hebt ein wachhabender Kranich oder ein vorsichtiger Ganter den Kopf, lüftet die Schwingen, schnattert etwas vor sich hin und schaut uns mit schief gehaltenem Kopfe nach. Manchmal auch erheben sich die großen stolzen Vögel unter schallenden Trompetenrufen in riesigen blauschimmernden Geschwadern und ziehen zu unseren Häupten majestätische Kreise. Die Legende erzählt, daß die lebenden Götter Tibets, die Dalai Lamas, sich der heiligen Kraniche bedienten, um auf ihren, mächtigen Schwingen von Kloster zu Kloster zu schweben. Und wenn die pilgernden Hirtennomaden aus den wilden Hochsteppen zum ersten Male die fruchtbaren Felder mit den heiligen Vögeln erblicken, dann wissen sie, daß das Ziel ihrer Wallfahrt nicht mehr ferne liegt.

Schwarzhalskraniche
(Foto: Wikimedia)


Hier und da säumen knorrig verschrobene, mit bunten Gebetsfahnen geschmückte Korkzieherweiden, die als Geisterwohnungen göttliche Verehrung genießen, den steinigen Pfad, und man kann sich der Eingebung nicht verschließen, daß das hohe Ziel mit jeder Meile näher rückt. ... Die freudige, erwartungsvolle Stimmung aber wächst und wächst. …

Da erfaßt uns plötzlich eine seltsame Erregung. Als wenn der Buddha unsere Augen lenkte, fallen wir in Galopp und jagen — halb unbewußt — über Stock, Stein und kiesiges Geröll der nächsten Bodenwelle entgegen. In jubelnder Begeisterung wird die kleine Anhöhe erklommen. Und dann — — — wahrhaftig! Da wächst sonnfunkelnd auf hochwuchtendem Zeugenfels das Wahrzeichen Lhasas, der Potala, der wunderbare, der goldstrahlende Palast der Gottkönige von Tibet, aus blau-dunstverschleierter Ebene hervor! Dies Monument des Glaubens, Sinnbild einer endgültigen Macht mitten in felsstarrender ungebändigter Natur, zwingt uns augenblicklich von den Pferden. In tiefem Schweigen stehen wir versunken.  …

(Foto: Wikimedia)


Abseits, mit gesenkten Köpfen, stehen die Pferde. Ich trete zurück, das ganze Bild zu umfangen. Unsere Tibeter und Sikkimesen haben sich zu Boden geworfen, den Staub mit den Stirnen berührend.
(Ernst Schäfer: Fest der weißen Schleier. Eine Forscherfahrt durch Tibet nach Lhasa, der heiligen Stadt des Gotteskönigtums. Braunschweig: Vieweg, 1949)

Die tibetische Hauptstadt hat große religiöse Bedeutung und beherbergt viele Mönche. Eine wichtige Sehenswürdigkeit ist der Potala-Palast, der ehemalige Palast des Dalai Lama.

Seit 2006 ist Lhasa an das chinesische Eisenbahnnetz angebunden. Die mehrheitlich von Tibetern bewohnte Stadt hat im inneren Stadtbezirk einen chinesischen Bevölkerungsanteil von rund einem Drittel.

Lhasa vom Potala-Palast aus Lhasa mit Potala-Palast
(Foto: Wikimedia) (Foto: Wikimedia)
Jokhang-Palast Ganden
(Foto: Wikimedia) (Foto: Wikimedia)

 

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