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15. September 2013

Literatenmalerei

文人畫 wén​rénhuà (Kultur + Mensch + Malen)

 

秀石疏林圖

„Die Qualität der Malerei, so sagten die Literatenmaler, spiegelt die Persönlichkeit des Künstlers, der Ausdrucksgehalt kommt aus seinem Inneren und hat nicht notwendig eine Beziehung zum Dargestellten, auch nicht zum Fühlen und Denken des Beschauers. ... ‚Wer immer bei der Malerei an Ähnlichkeit denkt’, schreibt Sū Dōngpō [蘇東坡], ‚verdient, als ein Kind angesehen zu werden.’

Hier sind Ideen vorweggenommen, die in der abendländischen Kunst erst im späten 19. Jahrhundert erscheinen. Die Schöpfungen der Literatenmaler waren für ihre Zeit umstürzend; sie arbeiteten gewöhnlich nur mit Tusche und verwendeten oft bewußt Techniken, die nach Dilettantismus aussahen. In ihren Bildern erschienen schon deutlich Verzeichnungen der Form, manchmal in archaischem Geiste, indem sie naive und unbeholfene Züge alter Zeiten übernahmen... Sie malten nur zu ihrem Vergnügen oder für ihre Freunde, verschenkten ihre Bilder und lehnten heftig ab, sie zu verkaufen. …

Auf jeden Fall ist ein Landschaftsmaler, dessen Tätigkeit hauptsächlich in endlosen Wiederholungen der gleichen Landschaft besteht, kaum mit der Landschaft als solcher beschäftigt. Ní Zàn [倪瓚] malte auch den Bambus, aber nicht aus Liebe zu dieser Pflanze, und als man ihm vorwarf, sein Bambus sähe wie ‚Hanf’ oder wie ‚Binsen’ aus, antwortete er, seine Absicht sei nur gewesen, den ‚ungestümen Gefühlen in seiner Brust Ausdruck zu geben’. Ein anderes Mal soll er jemandem, der fand, daß ein Bild, das Ní in der Nacht gemalt hatte, überhaupt keinen Bambus darstelle, erwidert haben: ‚Mag sein, aber dieser völlige Mangel an Ähnlichkeit ist doch schwer zu erreichen; das gelingt nicht jedem.’“
(James Cahill: Die chinesische Malerei. Stuttgart: Klett-Cotta, 1988. ISBN: 978-3-8844-7056-5)

 

新枝枯幹雨竹
Xīn zhī kū gàn yǔ zhú

Die Entstehung der Gelehrtenmalerei

Die Gelehrtenmalerei begann sich in der Song-Dynastie (960 - 1127) zu verbreiten. Zum Unterschied von Berufsmalern hatten Gelehrtenmaler ein hohes Bildungsniveau. Sie konnten nicht nur malen, sondern waren auch in der Literatur und Kalligrafie bewandert.

Beim Malen verwendeten sie meistens Tusche mit hellen Farben und legten Wert darauf, ihre Gefühle zum Ausdruck zu bringen, während sich die Berufsmaler mehr darum kümmerten, die objektive Welt naturgetreu darzustellen. Daher neigten die Gelehrten zu Xiěyì (寫意, freie Skizze) und die professionellen Maler zu Xiěshi (naturgetreue Beschreibung).

Mit der Yuan-Dynastie (1280 - 1367), erfuhr die chinesische Malerei eine große Veränderung, als die Mongolen herrschten und auf die Gelehrten herabsahen. Deshalb nahmen diese eine Bokotthaltung ein und brachten ihre Gefühle durch ihre Bilder zum Ausdruck.

Mit der Zeit wurden Gelehrte doch zu Beamten, aber sie fühlten sich schuldig und wollten durch das Malen eine Rechtfertigung finden. Das ist der Grund, warum es plötzlich so viele Landschafts-, Bambus- und Felsenmalereien gab, die den Wunsch nach einem zurückgezogenen Leben widerspiegeln.

 

Grille und Kürbis; Aquarell von Qí Báishí
(Bild: Wikimedia)


Das Ende der Gelehrtenmalerei

Qí Báishí (齊白石; 1864 - 1957), der letzte Gelehrtenmaler, war in einer armen Familie geboren. Er ging zu einem Zimmermann in die Lehre, lieh sich im Alter von 20 Jahren ein Buch über die Malkunst und begann zu malen. Mit 40 Jahren verließ er seine Heimat und reiste, um Maler und Gelehrte kennenzulernen. Er ließ sich in Peking nieder und begann seine Karriere als Maler, bis er 40 Jahre später starb. Er hinterließ in seinen Bildern zwar viele Spuren der Gelehrtenmalerei wie die Kombination von Zeichnung, Dichtung, Kalligraphie und Siegelschnitzerei, aber er erzielte hinsichtlich der Thematik und Maltechnik neue Durchbrüche. Seine Bilder zeichnen sich durch kühne Pinselführung, einfache Struktur und ein bisschen kindisch wirkende Gestalten aus. Er war besonders gut im Zeichnen von Krabben. Viele seiner Bilder sind humorvoll.
(China Radio International: Das Ende der Gelehrte-Malerei)

 

chinesische Literatenmalerei 文人畫
Allegorie der Essigkoster 嘗醋圖 - Auf einem Gebirgspfad im Frühling 山徑春行圖 - Die Nymphe des Flusses Luo 洛神賦 - Einhundert Pferde 百馬圖 - Ermahnung der Hofdamen 女史箴圖 - Frauen mit Fächern 揮扇仕女圖 - Han Xicais Nachtbankett 韓熙戴夜宴圖 -  In den Fuchun-Bergen verweilend 富春山居圖 - Leg deine Peitsche nieder! 放下你的鞭子! - Qingming-Rolle 清明上河圖 - Sklave und Löwe 奴隸與獅 - Südreise des Kaisers Kangxi 康熙南巡图 - Tanzend und singend wandern 踏歌圖 - Traum von der Unsterblichkeit in einer strohgedeckten Hütte 夢仙草堂圖 - Zehn Ochsenbilder 十牛圖 - Zehntausend hässliche Tintenflecken 萬點惡墨 - Zwei Patriarchen in innerer Harmonie 二祖調心圖 - Zwei Pferde 二馬圖

japanische Gemälde
Die acht Gesichter am Biwasee 琵琶湖八景 - Die große Welle vor Kanagawa 神奈川沖浪裏 -  Dreiundfünfzig Stationen des Tokaido 東海道五十三次 - Hundert berühmte Ansichten von Edo 名所江戸百景 - Sechsunddreißig Ansichten des Berges Fuji 富嶽三十六景

 

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