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06. Dezember 2012

Landesabschluss

鎖国 sakoku (schließen + Land)

1633 - 1853

„Im Herbst 1831 trieb ein heftiger Sturm das japanische Fischerboot Hojun Maru [宝順丸] von der schützenden Küste in die offene See. Vierzehn Monate später strandete das schwer beschädigte Schiff in Kanada. Von den 14 Mann der Besatzung lebten noch drei, doch deren Leidensweg war nicht zu Ende. Sie wurden von Indianern gefangengenommen und mußten als Sklaven dienen, bis ein Angestellter der Hudson Bay Company von ihrem Schicksal erfuhr und sie rettete, indem er sie mit dem Handelsschiff Eagle von der westkanadischen Küste über Hawaii und um Kap Hoorn nach London schickte, wo sie im Juni 1835 eintrafen.

Nachdem die drei Japaner zehn Tage lang auf einem Boot auf der Themse verbracht hatten – ein einziger Tagesausflug nach London, in Begleitung, wurde ihnen erlaubt –, packten die Behörden sie auf ein Schiff, das um das Kap der Guten Hoffnung nach Macao [澳門 Àomén] auslief, wo sie wiederum Monate später bei dem deutschen Missionar Karl Gützlaff [郭士立 Guō Shìlì] Quartier fanden und wo sie auf vier Landsleute trafen, japanische Fischer, die in der Nähe von Nagasaki [長崎] im Sturm auf die Philippinen abgetrieben und von dort nach Macao weitergeschickt worden waren.

Ein amerikanischer Kaufmann in der portugiesischen Kolonie, damals dem bedeutendsten westlichen Stützpunkt in Ostasien, erbarmte sich der Japaner und beschloß, sie in ihre Heimat zurückzubringen, wobei er insgeheim kalkulierte, jener humanitäre Akt werde ihm den Zugang zu den sich abkapselnden japanischen Behörden erleichtern.

Reise der japanischen Schiffbrüchigen um die Welt
(blog.livedoor.jp)

Am 4. Juli 1837 lief er mit seinem Schiff aus Macao aus, und 26 Tage später warf er in der Bucht von Edo [東京湾 Tōkyō-wan], dem heutigen Tōkyō, Anker. Und die sieben Japaner sahen nach all den Prüfungen, nach einer sechsjährigen unfreiwilligen Irrfahrt um die ganze Welt, ihren größten, ihren einzigen Wunsch in Erfüllung gehen und vergossen Tränen der Vorfreude in der Erwartung der Heimkehr zu ihren Familien.

Statt dessen ließ der Shōgun [将軍] seine Küstenkanonen auf den amerikanischen Eindringling abfeuern, der daraufhin schleunigst die See ansteuerte und einige Tage später in Südjapan, an der Küste von Kyūshū [九州], erneut sein Glück versuchte.

Die Beamten des Daimyō [大名] von Satsuma [薩摩], dem heutigen Kagoshima [鹿児島], ließen ihn wenigstens zu Verhandlungen an Land. Als sie die abgetriebenen japanischen Fischer bemerkten, packte sie keineswegs Mitleid, sondern sie hielten den unglücklichen Landsleuten kalt entgegen, daß nach den Gesetzen des Shōguns kein Japaner ins Ausland reisen dürfe und daß jedem, der trotzdem das Land verlasse, auf immer die Rückkehr verboten sei. Dabei mache es keinen Unterschied, ob einer freiwillig gehe oder vom Sturm an fremde Küsten verschlagen werde. 

Die Morrison
(Bild: Wikimedia)


Am 29. August 1837 kehrten die sieben Japaner als gebrochene Männer an Bord des amerikanischen Schiffes nach Macao zurück. Danach hat man nie wieder von ihnen gehört.“
(Gerhard Dambmann: 25mal Japan. Weltmacht als Einzelgänger. München: Piper, 1989. ISBN: 3-492-15104-3)

Jahrhundertelang hat sich Japan radikal von der übrigen Welt abgeschlossen. Die totale Isolierung begann im 17. Jahrhundert, nachdem im 16. Jahrhundert christliche Missionare und europäische Kaufleute Japan zu erschließen versucht hatten.

Anfangs bestaunten die Japaner die Waffen der Portugiesen und Spanier und deren wissenschaftliche Geräte, und da sie vermuteten, dass die Überlegenheit etwas mit der fremden Religion zu tun hatte, ließen sie auch die katholischen Missionare ins Land.

Besonders angenehm fanden die Japaner allerdings die ungeladenen ausländischen Gäste nie. Farbholzschnitte zeigen Europäer und Amerikaner als grobschlächtige, bärtige Gesellen, häufig betrunken.

Doch die Gastfreundschaft war von kurzer Dauer. Den Shōgun packte die Angst, die Bewaffnung der Regionalfürsten im Süden könnte zu einer Bedrohung seiner Zentralgewalt führen, und als sich die fanatischen Missionare gegenseitig zu befehden begannen, schreckte diese Intoleranz die Japaner auf.

Die Regierung verbot das Christentum, verjagte die Missionare, wies die Kaufleute aus und riegelte Japan von 1639 an so wirkungsvoll ab, dass kein normaler Japaner etwas von den Vorgängen jenseits der Grenzen erfuhr. Diese selbstgewählte Isolierung dauerte zwei Jahrhunderte lang und verschaffte Japan eine lange Friedenszeit, länger als sie Europa jemals erlebte, das gerade vom Dreißigjährigen Krieg (1618 - 1648) heimgesucht wurde.

dejima

Ein winziges Fenster zur Welt hielt man sich allerdings offen. Daher erlaubte die Regierung holländischen Kaufleuten, auf der im Hafen von Nagasaki (長崎) künstlich aufgeschütteten Insel Dejima (出島) unter strenger Kontrolle einen Handelsposten zu errichten. Auch chinesischen Händlern gewährte man ein ähnliches Privileg.

Auf dieser Insel lebten sie wie in einem Gefängnis. Die Holländer waren den Spaniern und Portugiesen vorgezogen, weil man mit ihnen Geschäfte machen konnte, ohne von Missionaren bedrängt zu werden.

„Solange die Sonne die Erde wärmt, soll kein Christ so kühn sein und nach Japan kommen, und es soll jedermann wissen, daß, falls der König Philipp [von Spanien] selbst oder sogar der Gott der Christen oder der große Shaka selbst dies Gesetz übertreten, so sollen sie es mit ihrem Kopf bezahlen.“

In mehreren Erlassen wurde zwischen 1633 und 1639 christlichen Missionaren sowie den Spaniern und Portugiesen die Einreise nach Japan verboten. Japaner, die länger als fünf Jahre im Ausland lebten (und dort möglicherweise Christen geworden waren), durften nicht mehr zurückkehren. Ab 1635 wurde den Japanern generell verboten, das Land zu verlassen.

Hintergrund waren der Aufstand der überwiegend christlichen Landbevölkerung von Shimabara 1639 (島原の乱, Shimabara no ran), aber auch die Absicht, den lukrativen Überseehandel der Regionalfürsten zu unterbinden, die dem Shogunat  gefährlich werden konnten.
 

Japan verschließt sich vor der Welt.
William Adams 三浦按針 - Deshima 出島 - Hollandstudien 蘭学 - Engelbert Kaempfer - Landesabschluss 鎖国 - Matthew Calbraith Perry  ペリー - Schwarze Schiffe 黒船 - Philipp Franz von Siebold

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