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06. Dezember 2012

Lama

喇嘛 lǎma

Лам lam
བླ་མ་ blama

lama

„Die Chinesen wenden sich sehr gern an von weither gekommene Wahrsager, wobei die Lamas aus Tibet und besonders die ‚Wiedergeborenen’ geschätzt werden.

Im Frühling 1920 kam ein solcher ‚Wiedergeborener’ aus Lhasa nach Peking. Seine Ankunft erregte in den chinesischen Zeitungen großes Aufsehen, da er die Gabe des Hellsehens besaß. Er stieg in den besten Räumen des Klosters ‚Huangsi’ ab. Zum ersten Mal brachte mich ein mir bekannter Mongole zu ihm, der von ihm Wunder zu erzählen wußte. Dieser Mongole sagte mir, daß der Hellseher einen sehr hohen Posten bei dem tibetischen Dalai Lama bekleide und schon siebzigmal wiedergeboren worden sei.

Mein erster Besuch beim lebenden Buddha - ‚Huófó’
[活佛] - wie ihn alle nannten - machte auf mich einen großen Eindruck: in einem großen Zimmer, dessen Wände mit gelber Stoffseide tapeziert waren, saß auf dem ‚Kàng’ [炕], die Füße unter sich, ein Greis, der so aussah, wie Johann der Grausame auf dem Gemälde des Malers Sjedoff ‚Zar Johann und Wassilissa Melentjewa’. ...

Als wir das Zimmer betraten, ließ sich der Mongole auf die Knie nieder und kroch zum lebenden Buddha, der ihm die Linke segnend auf den Kopf legte, indem er mich gleichzeitig mit seinem scharfen Blick durchbohrte, so daß es mir ganz unheimlich wurde und ich nackt vor ihm zu stehen glaubte. Doch nach einem Augenblick verklärte sich sein Antlitz, und er reichte mir mit freundlichem Lächeln die Rechte. Darauf hieß er mich neben sich Platz nehmen, den Mongolen wies er auf den Schemel. Nach einigen unbedeutenden Sätzen fragte mich der lebende Buddha: ‚Was willst du wissen?’

Da damals die Postverbindung mit Europa, wegen der Revolution in Rußland, fast gänzlich unterbrochen war und ich schon längere Zeit keine Nachricht von meinen Verwandten hatte, fragte ich ihn, ob meine Verwandten noch am Leben seien, wo sie sich befinden und wie es ihnen gehe.

Nach jeder meiner Fragen, wandte sich der Buddha mit dem Gesicht zu den Heiligenbildern, bedeckte seine Augen mit den Händen und schien zu beten. Dann wandte er sich wieder zu mir und antwortete mir ausführlich auf alle meine Fragen, wobei er immer mit den Worten ‚Ich sehe...’ anfing.

Alles, was er mir damals gesagt hatte, hat sich später genau bestätigt. Er konnte nur die Gegend nicht nennen, wo er meine Verwandten sah, doch hatte er sie so genau beschrieben, daß ich alles verstehen konnte. Beim Abschied sagte er mir: ‚Ich werde mich immer freuen, dich bei mir wiederzusehen. Du brauchst keinen Dolmetscher mitzunehmen, da einer von meinen Schülern gut chinesisch spricht. Besuche mich recht oft, wenn es dir mit einem Greis nicht langweilig sein wird.’

Geld wollte er von mir nie annehmen.

Seitdem habe ich oft den lebenden Buddha besucht, wobei er mich immer sehr freundlich empfing und neben sich setzte, was eine hohe Ehre ist, wie mir der Mongole erklärte.

Ohne sich durch meine Gegenwart stören zu lassen, empfing der Buddha zahlreiche Besucher, hauptsächlich Chinesen, die sich mit verschiedenen Fragen an ihn wandten. Einige jagte er einfach weg, andere empfing er freundlich und wohlwollend, von einigen verlangte er nicht unbedeutende Geldsummen, von anderen wollte er nichts annehmen. Wenn wir allein waren, liebte er es, mir von seinem früheren Leben zu erzählen. Besonders gerne erzählte er von Ereignissen am Anfang des XVIII. Jahrhunderts, als, wie er sagte, ‚gleichzeitig drei große Kaiser herrschten’, nämlich: Kāngxī
[康熙; 1661 - 1722], Ludwig XIV. [1643 – 1715] und Peter der Große [Пётр I Вели́кий Pjotr I Weliki; 1682 - 1725].

Einst fragte ich den lebenden Buddha, ob ich männliche Nachkommenschaft haben werde. Nach einem langen Gebet gab er folgende Antwort: ‚Nein, denn dein Vater kann nicht mehr auf die Welt kommen.’

Als er merkte, daß es mich peinlich berührte, fügte er hinzu: ‚Na, ich werde noch mit Gott darüber sprechen, vielleicht schickt Er dir einen anderen Verwandten.’

Ende April 1920 sah ich den lebenden Buddha zum letzten Mal. Als ich zu ihm kam, empfing er mich wie immer sehr freundlich, setzte mich neben sich und sagte: ‚Nach einigen Tagen begebe ich mich nach Kalgan
[張家口  Zhāngjiākǒu], und in diesem Leben werden wir uns nicht wiedersehen. Ich habe dich gut kennengelernt, und du brauchst dich um nichts mehr zu kümmern. Ich werde Gott von dir sagen, und Er wird dir immer beistehen.’

 

Mit diesen Worten nahm er vom Tisch ein Stück gelbes Tuch, auf dem vier Pferde mit einer tibetischen Inschrift dargestellt waren, gab es mir und sprach: ‚Nimm diese Fahne mit dem Bildnis des Pferdes, in dessen Jahr du geboren bist, schreibe deinen Namen in allen dir bekannten Sprachen darauf und hänge sie in deinem Zimmer mit dem Gesicht nach Osten. Gott wird deine Fahne sehen, wird sich des Gebetes Seines Knechtes erinnern und dir im nötigen Augenblick helfen.’

Der Schüler des Buddha, der mich zum Tor begleitete, brach in Tränen aus und sprach: ‚Der lebende Buddha hat befohlen, uns zur Abreise nach Kalgan bereit zu machen, da er bald sterben wird, und auf mongolischem, nicht auf chinesischem Boden sterben möchte.’

Nach ein paar Monaten traf ich denselben Schüler in Peking und er erzählte mir folgendes: ‚Einige Tage nach seiner Ankunft in Kalgan ließ der lebende Buddha, der sich wohl fühlte und über nichts klagte, alle seine Schüler zu sich kommen, segnete jeden von uns und sagte jedem zum Abschied ein paar freundliche Worte. Darauf sagte er, daß er gleich sterben werde, legte sich hin, faltete die Hände auf der Brust und verschied augenblicklich.’ …

Es sind beinahe 30 Jahre verstrichen, seitdem der lebende Buddha mir die Fahne geschenkt hat. Ich habe sie immer noch bei mir und hänge sie in meinem Zimmer auf die nach Osten gerichtete Wand.“
(Eugen Gregory: Dreißig Jahre unter Chinesen. Ein Europäer erlebt das Reich der Mitte. Zürich: 1953)

„Ein Geldverleih mit Zinsen bis zu zweihundert Prozent versprach den Mönchen eine hübsche Einkommensverbesserung. Banden fahrender Mönche zogen über Land, verkauften Ablässe, weissagten die Zukunft und beuteten die gläubigen Hirten nach Kräften aus. Syphilis-Epidemien, die Anfang des 20. Jahrhunderts die meisten Mongolen heimsuchten, wurden der Promiskuität der Lamas angelastet, die sich Harems mit Lustknaben und Konkubinen hielten.

Charles Bawden, der bekannte Historiker der Mongolei, nannte die Klöster den ‚Fluch der Mongolei‘.

Als die Kommunisten an die Macht kamen, waren sie entschlossen, das Land von ihnen zu befreien. Die feudalen Exzesse störten sie weniger, aber die Priester waren die einzigen ernst zu nehmenden Gegenspieler der Partei, denn sie hatten die Macht und wollten sie behalten.“
(Stanley Stewart: Auf den Spuren von Dschingis Khan. Zu Pferd durch die Mongolei. 2003. ISBN 3-89405-619-3)

Der Buddhismus in der tibetischen Variante, der so genannte Lamaismus, war die Hofreligion der Mongolen.

Der tibetische Lama Pagsba kam ursprünglich als Geisel an den mongolischen Hof, wuchs aber allmählich in die Rolle eines Mittelsmannes zwischen den Tibetern und den Mongolen und erhielt schließlich die Aufsicht über alle religiösen Angelegenheiten des mongolischen Reiches.

buddhistische Schlüsselbegriffe
Amitabha अमिताभ - Bodhidharma बोधिधमृ - Bodhisattva बोधिसत्त्व - Bonze 坊主 - Buddha बुद्ध - Buddhismus 佛教 - Daibutsu 大仏 - Dalai Lama ཏཱ་ལའི་བླ་མ་ - Dickbauch-Buddha 笑佛 - Drei Religionen 三教 - Jadebuddha-Tempel 玉佛禅寺 - Jizo 地藏 - Kannon 観音 - Lama 喇嘛, Лам, བླ་མ - Maitreya मैत्रेय - Om mani padme hum ॐ मणिपद्मे हूँ - Pagode 塔 - Pantschen Lama པན་ཆེན་བླ་མ་ - Reines Land 净土 - Zehn Ochsenbilder 十牛圖 - Zen ध्यान - Zengarten 枯山水
 

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