• Herzlich willkommen am Ostasieninstitut!
    Herzlich willkommen am Ostasieninstitut!
  • Schwerpunkt Korea
    Schwerpunkt Korea
  • Schwerpunkt China
    Schwerpunkt China
  • Schwerpunkt Japan
    Schwerpunkt Japan

Institutsleitung
Prof. Dr. Frank Rövekamp

Stellvertr. Leitung / Studienberatung
Christine Liew, M.Litt.
0621-5203-423

Sekretariat
Conny Scheurer
0621-5203-410

_______________________

Wir begrüßen unsere neue Dozentin für Koreastudien, Frau Shiny Park.

_______________________

pdf» Information in English (pdf)
pdf» Partner Universities (pdf)

21. November 2014

Kuhn (Franz Kuhn)

弗蘭茲•庫恩 Fúlánzī Kùēn


„‚Stumm die Jade-Terrassen,
Herbstlich Nebel wallen,
Alter Mond gelassen
Schaut in alte Hallen.
Die drin jauchzten, tranken,
Längst zu Asche sanken.‘

Das gilt noch heute allgemein als „chinesisch“ und ist doch so unverwechselbar deutsch in Ton und Aussage! Es sind Verszeilen aus jenem Roman, der von Franz Kuhn unter dem Titel Kin Ping Meh [金瓶梅  Jīnpíngméi] 1930 erstmals ins Deutsche übersetzt wurde. Und sie verdeutlichen, warum wir als junge Sinologiestudenten in den späten 1970er Jahren die Übertragungen Franz Kuhns hochmütig zu verachten pflegten.

Allein seine exotisierende Wortwahl reizte zum Spott: All die Jade-Terrassen, Lotosblumenweiher, Pavillons und anmutigen Konkubinen, ‚deren feuriges Liebesverlangen klafterhoch loderte‘, wie es bei Kuhn hieß, vermittelten ein China-Klischee, das allenfalls ins Rokokozeitalter gepasst hätte, so dachten wir damals.

Und doch war unsere Kritik nur teilweise berechtigt, denn sie unterschlug die Verdienste, die einem Übersetzer wie Franz Kuhn unbestreitbar zukommen. Immerhin war er es gewesen, der erstmals einer breiteren Leserschaft den Zugang zur chinesischen Erzähltradition eröffnete – und dies war in der Generation des 1884 geborenen Franz Kuhn keineswegs üblich.“
(Dagmar Lorenz: Auf den Jade-Terrassen – Der Übersetzer Franz Kuhn)

Franz Kuhn war ein promovierter Jurist, der in einem zweijährigen Chinesischkurs am Berliner Seminar für Orientalische Sprachen ein Sprachendiplom erwarb. Damit war er ab 1909 als Übersetzer in der Gesandtschaft in Peking und als Vizekonsul in Harbin tätig. Doch 1912 kehrte er nach Berlin zurück, um dort zwölf Semester lang die alte chinesische Schriftsprache zu studieren.

Er hätte damit eine akademische Karriere einschlagen können. Als er sich aber an die Übersetzung einer Novelle aus der Ming-Zeit machte, jagte man ihn aus dem sinologischen Seminar. Und Franz Kuhn arbeitete fortan als freiberuflicher Übersetzer. Damit ging er ein Risiko ein. Sollten seine Übersetzungen aus dem Chinesischen Erfolg haben, mussten sie auf die Lesegewohnheiten des deutschen Publikums eingehen: Zugleich galt es, das Interesse an „exotischen“ Stoffen zu bedienen. Kuhn gelang dies offensichtlich, denn seine Übertragungen wurden so populär, dass sie in andere europäische Sprachen, ja sogar ins Chinesische übertragen wurden. Dafür nahm er erhebliche Auslassungen vor: Den Traum der roten Kammer kürzte er um die Hälfte, unterschlug Handlungsstränge und Figuren, klitterte Textteile neu zusammen, denn der Leiter des Insel-Verlages war der Meinung, ein Buch von mehr als tausend Seiten würden deutsche Leser nicht in die Hand nehmen.

„Bei einer europäischen Übertragung altchinesischer Prosadichtung kommen nur zwei Möglichkeiten in Betracht: entweder eine vollständige, streng philologische Übersetzung für die Fachkreise oder eine freigestaltete Übertragung, eine freie lebensfähige Neuschöpfung für das bücherlesende und bücherkaufende Publikum. Meine Aufgabe war: aus dem Original für das deutsche Publikum das zu machen, was es in China ist: ein Volksbuch. Demgemäß variiert meine Fassung von der wortwörtlichen Übersetzung über die künstlerische Übertragung bis zur freien Bearbeitung. … Alle Kürzungen, Streichungen, Zutaten und sonstigen Freiheiten, die ich mir erlaubt habe, glaube ich wissenschaftlich und künstlerisch verantworten zu können.“
(Franz Kuhn aus dem Nachwort zu „Die Räuber vom Liang Schan Moor“)

Übersetzungen

Franz Kuhn übertrug bis zu seinem Tod im Jahr 1961 die bekanntesten Werke der altchinesischen Erzählliteratur ins Deutsche:

《好逑傳》
Hǎoqiúzhuàn
《二度梅全傳》
Èrdù Méi Quánzhuàn
《金瓶梅》
Jīn Píng Méi
《紅樓夢》
Hónglóumèng
《水滸傳》
Shuǐhǔzhuàn
Eisherz und Edeljaspis
1926
Die Rache des jungen Meh
1927
Kin Ping Meh
1930
Der Traum der roten Kammer
1932
Die Räuber vom Liang Schan Moor
1934

Rainer Schwarz: Der Traum der Roten Kammer
„Erste vollständige Übersetzung des gewaltigen chinesischen Romans, in puncto Klassik, heißt es, vergleichbar mehr der Odyssee oder der Göttlichen Komödie als – beispielsweise - den Buddenbrooks.“ (Amazon-Rezension)

Yao: „Von 1932 bis heute war Franz Kuhns Übersetzung des Hónglóumèng in Deutschland sehr populär und wurde immer wieder aufgelegt. Wie beurteilen Sie diese Übersetzung?“

R. S.: „Zunächst war ich der Meinung, sie sei nicht schlecht, und sie habe durchaus ihre starken Seiten. Aber es ist doch so, wie der große Sutra-Übersetzer Kumārajīva [鳩摩羅什 Jiūmóluóshí] gesagt hat: ‚Wenn man aus dem Sanskrit Chinesisch macht, geht seine Schönheit verloren. Der große Sinn bleibt wohl erhalten, aber der Stil ist weit entfernt. Es ist so ähnlich, als wenn man jemandem das Essen vorkaut – nicht nur geht der Geschmack verloren, es wird einem speiübel davon.‘
Das fällt mir immer ein, wenn ich daran denke, dass Kuhn davon spricht, ‚chinesische Kost dem Publikum schmackhaft zu servieren‘. …

Ich kann mich noch daran erinnern, wie in meiner Studienzeit Professor Liu Panxi 1959 oder 1960 in seinem Literaturkursus mit uns Studenten über den Charakter von Wáng Xīfèng [王熙鳳] diskutieren wollte. Wider Erwarten kannte er eine ganz andere Wang Xifeng als wir. Der Grund dafür war ganz einfach: er hatte das Hónglóumèng im Original gelesen, wir aber in der Übersetzung von Franz Kuhn.“
(Zehn lange Jahre: Viel für ein Buch – Interview mit dem Übersetzer Rainer Schwarz)

 

Über uns

Den Kern des Instituts bilden 15 ständige Mitarbeiter. weiterlesen ...

Studium

Das Studium schließt nach acht Semestern mit dem Bachelor of Science ab. weiterlesen ...

Publikationen

Veröffentlichungen und Forschungsbeiträge aus dem Institut  weiterlesen ...

Wort des Tages

Aktuelle chinesische oder japanische Begriffe weiterlesen...

Ostasienlexikon

Schlüsselwörter aus China, Japan, Korea, Mongolei, Hongkong, Macau und Taiwan weiterlesen...

Sprichwörter

„Es gibt da ein chinesisches Sprichwort …“ – Wer kennt sie nicht, diese Einleitung? weiterlesen...