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31. August 2013

Kanzleischrift

隸書 lìshū

„Nach der Errichtung des großen Qin-Reiches [秦朝 Qíncháo, 221 - 207 v. u. Z.] vermehrte sich zusehends der Schriftverkehr zwischen der Zentralregierung und den lokalen Verwaltungen. Kultur und Information standen in lebhaftem Austausch. Die Menschen stellten neue Anforderungen an die Schrift. Jetzt ging es hauptsächlich um praktikable Schnelligkeit, und nicht in erster Linie um die Regelmäßigkeit der Form oder um die Vereinheitlichung der Dicke, Länge, Krümmung oder Geradlinigkeit der Striche. Auch die ästhetischen Kriterien veränderten sich. Saubere, gleichmäßig proportionierte, einheitliche Linien und Zeichen waren weniger gefragt als eine zweckmäßige Unebenheit, Streuung, oder Veränderung. Kraft, Rhythmus und Bewegung galten jetzt als schön. ...

 Im Zuge einer weiteren Desintegration der Siegelschrift wurde die einheitliche Dicke und Länge der Striche beim freien Schreiben durchbrochen. Manche betonten den Strich nach rechts unten, andere verlängerten senkrechte Striche und Haken, oder sie gingen sogar noch weiter und führte einen neuartigen waagrechten Strich ein, mit cántóu yànwěi [蠶頭雁尾 cántóu yànwěi] ‚Seidenraupenkopf und Wildgansschwanz’: Wenn es im Zeichen nur einen waagrechten Strich gab, schrieb man den Anfang des Striches fest und dick wie einen Seidenraupenkopf; gleichzeitig stieg das Ende des Striches nach oben, wie der Schwanz einer Wildgans.

Hatte ein Zeichen zwei oder drei waagrechte Striche untereinander, wurde nur der unterste ein Seidenraupenkopf mit Wildgansschwanz, die übrigen schrieb man etwas kürzer und mit konventionellen Enden. Diese Versuche erhielten immer mehr Beifall und Zustimmung unter den Schreibern, und endlich wurde daraus ein neuer Stil, nämlich die jetzt erstmals sogenannte Lishu oder Kanzleischrift. Die Shichen-Stele bietet ein repräsentatives Beispiel für die damalige Lishu. In der Mitte der Han-Dynastie (im 1. Jahrhundert n.Chr.) war sie ausgereift und festgelegt als die zweite Normschrift nach der Siegelschrift.“
(China Radio International: Die Kanzleischrift und ihre Nachfolger)

 

Die Kanzleischrift wurde entwickelt, um mit einer schneller auszuführenden Schrift die Menge an offiziellen Dokumenten in den Kanzleien zu bewältigen. Ein Gefängniswärter aus der Qin-Dynastie entwarf diese breite, eckige Kalligrafieart durch Abwandlung der Siegelschrift. Ihre Hauptmerkmale sind schnurgerade senkrechte und waagrechte Linien und eine enge Struktur. Diese Schrift war angenehmer zu schreiben als die Siegelschrift, und man sparte dadurch viel kostbare Zeit.

kanzleischrift-matsudaira Kanzleischrift-prinz-ryosho
玉兔
gyoku usagi
Jadekaninchen
樂書
rakugaki
Geschmiere
Matsudaira Takechiyo (松平竹千代) Prinz Ryōshō

 

Die Kanzleischrift war nach der Siegelschrift (篆書) die zweite Normschrift. Sie wurde hauptsächlich in der Han-Dynastie verwendet. Die einheitliche Dicke der Linien ist schon aufgegeben, die nach Bildsymbolen geformten Zeichen sind bereits stark reduziert und teilweise verschwunden.

Die Kanzleischrift hat noch eine Besonderheit: Sie ist flach und gedrungen, ganz verschieden von den eher hohen, langen Zeichen der anderen vier Stile. Sie hat auch ganz deutlich etwas aus uralter Zeit an sich, sie ist aber relativ leicht zu lesen.

 
Kalligrafie 書法, die Kunst des Schreibens

Siegelschrift
篆書
Kanzleischrift
隸書
Regelschrift 
楷書
Kursivschrift
行書
Grasschrift
草書

(Quelle: Wikimedia

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