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09. August 2013

Krebs (Emil Krebs)

艾米爾․克爾布思 Àimǐěr Kèěrbùsī
1867 - 1930

„Die heutige Sprachenvielfalt der Europäischen Union hätte Emil Krebs gefallen, war er doch all dieser Sprachen mächtig. Vor 120 Jahren gab es zwar keine Europäische Union, der Sprachendienst des Auswärtigen Amts hatte jedoch einen Mitarbeiter, der nahezu alle heutigen Sprachen der EU – sowie auch außereuropäischer Länder – sprach. Bis heute ist er eines der größten Sprachwunder in der Menschheitsgeschichte. ...

Seine in einem Manuskript 1920 formulierte Haltung zu China mutet antikolonialistisch an und zeugt von Einfühlungsvermögen in andere Kulturen:

‚Die nunmehr etwa achtzigjährige Geschichte der näheren Beziehungen Chinas zu den europäischen Staaten stellt eine ununterbrochene Kette von Vergewaltigungen der territorialen und souveränen Rechte Chinas auf politischem, wirtschaftlichem und kulturellem Gebiet dar…‘“
(Emil Krebs - Die Sprachenvielfalt in der EU wäre kein Problem für ihn)

 

Wie viele Sprachen sprach Ihr Herr Gemahl? 68 Sprachen
Wie viele Sprachen las er ohne sie zu sprechen? Er hat sich mit über 100 Sprachen beschäftigt. Wenn er Sprachen lernte, wollte er sie lesen, schreiben und sprechen. Er repitierte sie, um sie gegenwärtig zu haben.
Hatte er ein gutes Gedächtnis…? Ja, ein außerordentlich gutes
- für Namen? Ja
- für Zahlen? Ja
- für Dinge des gewöhnlichen Lebens? Soweit sie ihn interessierten
...  
War jemand unter seinen Großeltern, Eltern, Tanten, Onkeln, Basen, Vettern, Neffen sprachbegabt? Nein
Zeigte er Interesse, auch für anderes als Sprachen? Ja
- für Mathematik? Sehr begabt. Er war bereits in der Prima vom Unterricht dispendiert, kaufte auch noch in neuerer Zeit Mathematikbücher.
...  
Wie lernte er Sprachen? Er lernte aus Grammatik, Sprachführern, Fibeln der Schulkinder des Landes
- aus Grammatik, also methodisch? -  oder fing er gleich mit Lektüre, mit Lexikon an?    Wenn er nichts anderes hatte, dann ließ er sich die Grammatiken kommen und zur Übung Romane, Chrestomatien, schrieb Vokabeln auf, lief um den Tisch und lernte sie auswendig
- Übte er eine erlernte Sprache mit Individuen, die die Sprache kannten? Er war glücklich, wenn er diese zum Sprechen fand, aber erst, nachdem er die Sprache beherrschte.
Wie verhielt er sich in Gesellschaft? Lebhaft, wenn die Personen ihn interssierten
Wovon sprach er am liebsten? Er sprach wenig am Tage, spät abends ging er manchmal aus sich heraus und fesselte dann den Betreffenden die halbe oder ganze Nacht durch bei Wein oder Bier. Seine Erlebnisse in China und mit den Chinesen, Politik, Kulturzusammenhänge, alles was man anregte, Sprachvergleichung.

(Unterlagen des Cecile und Oskar Vogt-Archivs, Düsseldorf: Manuskript eines Fragenkataloges aus dem Jahr 1930, Auszug: Interview mit seiner Frau Amanda Heyne, Tochter des Geheimen Justizrates Glasewald aus Magdeburg)

 

„Krebs ersetzt uns 30 Außenmitarbeiter.“

Der Sinologe Emil Krebs beherrschte 68 Sprachen in Wort und Schrift und befasste sich mit 111 Sprachen (ohne Dialekte).

Neben seinem Jurastudium an der Universität Berlin wandte er sich dem chinesischen Sprachstudium zu, weil gerade diese Sprache als die schwierigste galt. 1893 ging Emil Krebs nach Peking. 1896 wurde er Dolmetscher bei der Kaiserlichen Gesandtschaft.

Vom Leiter des Sprachendienstes stammt der Ausspruch: „Krebs ersetzt uns 30 Außenmitarbeiter.“ Sogar chinesische Autoritäten zogen ihn in grammatischen Fragen ihrer eigenen Sprache zu Rate.

Krebs verzichtete auf eine Ernennung zum Konsul, vermutlich, weil seine eigentliche Berufung die Sprachstudien waren.

 

Kein bequemer Mitarbeiter

Intensivste Bemühungen des Auswärtigen Amtes, ihm eine Professorenstelle am Sprachen-Seminar (SOS) der Universität Berlin zu vermitteln, scheiterten am Widerstand dort maßgeblich tätigen Professoren. Die Begründung war wohl Krebs selbst, der ein sehr schwieriger Mann war und nur für seine Sprachen lebte.

„Der Verkehr mit Krebs war schwer. Die chinesischen Amtsdiener fürchteten seine Grobheit. Auch uns sagte er auf einen freundlichen Gruß: ‚Was wollen Sie, lassen Sie mich in Ruh!’

Einmal wünschte ihn der Gesandte am frühen Nachmittag dringend zu sprechen. Ich wurde vorgeschickt, ihn zu holen. Sein würfelförmiges kleines Häuschen war von vier Mauern vollkommen abgeschlossen. An zwei Seiten hatte er Kai mön di (Pförtner) installiert, die jede Störung von ihm fernhalten sollten. Da er von Mitternacht bis 4 Uhr morgens Sprachen, in seinem Eßsaal unbekleidet umherwandernd, nur durch eine Flasche Germaniabräu (aus Tsingtau) in jeder Ecke gestärkt, repetierte, schlief er des Nachmittags.

‚Herr Legationsrat Krebs, hsiao lao ye, Seine Exzellenz läßt Sie bitten.’

Keine Antwort. Lauter: ‚Herr Krebs, der Gesandte braucht Sie dringend.’

Keine Antwort. Noch lauter: ‚Der Herr Minister läßt bitten.’

Endlich ein unwilliges Brummen.

‚Herr Krebs, Herr Krebs, lassen Sie mich doch ein!’

‚Der Gesandte kann mir, lassen Sie mich in Frieden.’

‚Darf ich Ihnen beim Anziehen helfen?’

‚Gehen Sie zum Teufel!’

‚Man braucht Sie dringend.’

‚Das behauptet man immer.’

Inzwischen hatte Krebs, krebsrot an seinem Hemdenknopf würgend, Befehl zum Öffnen der Mauertür gegeben und sich grollend in Marsch gesetzt. Wie der Fall zeigt, kein bequemer Mitarbeiter.“
Wilhelm Matzat: Krebs, Emil (1867 – 1930), Dolmetscher in Peking und Tsingtau – Das “Sprachwunder”)

 Diplomaten

Ban Ki-mun 반기문 - Townsend Harris タウンゼント・ハリス – Clemens von Ketteler 克林德 - Emil Krebs 艾米爾․克爾布思 - George Macartney 馬戛爾尼 - Matthew Calbraith Perry マシュー・カルブレイス・ペリー
 

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