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06. Dezember 2012

Kuli

苦力 kǔlì (bitter + Kraft)

„Kam ein Auswandererschiff im Hafen von St. Francisco an, so wurden die Leute in ihren nationalen blauen Blusen und Zeugkappen nebst ihren Bündeln und sonstigem Gepäck zu zwölf bis zwanzig auf einen offenen Wagen gesetzt, nach dem Chinesenviertel gefahren und dort in ‚Hotels’ untergebracht. Von dem Schmutz, dem widerlichen Geruch und dem Gedränge in einem solchen Gasthaus kann man sich in Europa überhaupt keinen Begriff machen. Ein einfenstriger Raum, mit dem bei uns kaum ein stellungsloser junger Kaufmann fürlieb nehmen würde, wird durch eine Längs- und eine Querwand in vier Teile zerlegt, und an den so gewonnenen acht Wänden werden in Abständen von nicht viel mehr als einem halben Meter Bretter über einander angebracht, deren jedes einen Chinesen als Schlafstelle dient. Auf diese Weise bietet also ein Zimmerchen, das kaum einen Europäer beherbergen kann, Unterkunft für ein viertel Hundert Zopfträger. In solchem Loch bleibt der Neuankömmling so lange, bis ihm die Compagnie, die ihn nach Amerika übergeführt hat, eine Stellung verschafft.

Das klingt überaus menschenfreundlich; in der Wirklichkeit handelt es sich aber um eine ausgesprochene Form der Sklaverei, denn vier oder fünf Jahre lang erhält der Kuli nicht einen Pfennig Lohn, sondern der Erlös seiner Arbeitskraft wandert als Ersatz für das Überfahrtsgeld in den Säckel der betreffenden chinesischen Kapitalisten-Gesellschaft. Am liebsten ist es der letzteren natürlich, wenn sie den Neuankömmling gleich auf mehrere Jahre an irgend ein größeres Unternehmen vermieten kann. Beispielsweise wurde die Zentral-Pacific-Eisenbahn fast ausschließlich von Kulis gebaut. Die Gesellschaft stand sich natürlich recht gut dabei, denn die Verpflegung und Kleidung stellte sich für den Kopf jährlich auf vielleicht 50 bis 60 Dollars, und wenn sie als Lohn an die Gesellschaft 100 Dollars bezahlte, so kostete ihr die einzelne chinesische Arbeitskraft jährlich nicht viel mehr als 600 Mark, während der Lohn für Europäer mindestens das Vierfache betragen hätte und ganz andere Vorkehrungen für Verpflegung, Küche und Barackenlager notwendig gewesen wären. ...

Schon in den siebziger Jahren wurden alle chinesischen Einwanderer bei ihrem Eintreffen im Hafen durch amerikanische Dolmetscher auf Anordnung der Regierung vorgelesen, dass es in Amerika keine Sklaverei gäbe, dass etwa dahin lautende Verträge, welche der Einzelne in China abgeschlossen habe, null und nichtig wären und dass jeder dahin gehen könne, wohin es ihm beliebe - aber es ist nie ein Fall bekannt geworden, dass jemand von diesem Rechte Gebrauch gemacht habe. Überhaupt werden die amerikanischen Gerichtshöfe fast nie von Chinesen angerufen, sondern die genannten Gesellschaften haben besondere chinesische Richter eingesetzt, vor denen deren Landsleute alle ihre Streitigkeiten zur Entscheidung bringen.

Hat der männliche Kuli seine Sklavenzeit hinter sich, so beginnt für ihn das Glück seines Lebens. Er vermietet sich entweder als Diener, Koch oder Arbeiter oder fängt auch selbständig oder mit einem Landmann zusammen irgendein Geschäft an, das wenig Kapital und wenig Kraftaufwand erfordert. Vornehmlich ist es der Zigarrenhandel und die Wäscherei, die ihn anlocken. Es gibt vom Stillen bis zum Atlantischen Ozean kaum ein Städtchen, in dem sich nicht wenigstens eine chinesische Waschanstalt befindet.“
(J. Scheibert: Der Krieg in China 1900 -1901. Berlin: 1909)

Das Wort „Kuli“ hat seinen Ursprung in einer Turksprache und ist mit dem Türkischen Wort kul ‚Knecht, Sklave' verwandt. Das Wort verbreitete sich über das Urdu in weitere Sprachen Indiens. Ins Chinesische ist es wohl erst später gelangt. Dort sieht es wie eine chinesische Zusammensetzung aus. Die Bedeutung von ‚苦’ (kǔ) ist nämlich „bitter“ und ‚力’ (lì ) kann als „Arbeitskraft“ aufgefasst werden. Deshalb ist der Ursprung des Wortes gelegentlich im Chinesischen vermutet worden.

 
Chinatown 唐人街 - Kuli 苦力 - Triaden 三合會 - Überseechinesen 華僑
 

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