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06. Dezember 2012

klassisches Chinesisch

文言 wényán  (Literatursprache)
文言文 wényánwén  (Literatursprache)
古文 gǔwén (alt + Sprache)

Und da gibt es noch das klassische Chinesisch (wényánwén).

„Vergiss es. Es ist viel zu schwierig. Solltest du denken, dass du nach drei oder vier Jahren Studium Konfuzius und Menzius lesen wirst wie Französischstudenten im dritten Studienjahr auf einem vergleichbaren Niveau Diderot und Voltaire, dann hast du dich getäuscht. Es gibt einige Westler, die ziemlich gut klassisches Chinesisch lesen können, aber die meisten haben bereits ziemlich viele graue Haare oder zumindest


Unglücklicherweise taucht klassisches Chinesisch überall auf, besonders auf chinesischen Gemälden oder Schriftrollen, und die meisten Leute werden annehmen, dass jeder der ein bisschen Chinesisch kann, das lesen kann. Es ist wirklich peinlich, in einem Chinarestaurant zu sitzen und jemand fragt dich, ob du ein paar  Schriftzeichen übersetzen kannst, die an der Wand hängen.

‚Hey, du sprichst Chinesisch. Was steht auf dieser Schriftrolle?‘

Du schaust hoch und siehst, dass die Zeichen in wényán  in einer unverständlichen ‚Grasschrift‘ geschrieben sind. Es könnte genauso gut ein EKG eines sterbenden Herzpatienten sein.

‚Uh, ich kann ein oder zwei Schriftzeichen entziffern, aber ich kann dir nicht sagen, was es bedeutet,‘ stammelst du. ‚Ich glaube, es handelt von einem Phönix oder so etwas.‘

‚Oh, ich dachte, du kannst Chinesisch,‘ sagt dein Freund und kehrt zu seinem Essen zurück. Mach‘ dir nichts daraus, dass sich ein ehrlicher Chinese ebenfalls am Kopf kratzen würde und mit den Schultern zucken würde, aber du hast dein Gesicht verloren.

Während modernes Mandarin nur pervers schwer ist, ist klassisches Chinesisch ausgesprochen unmöglich. Hier ist ein Geheimnis, dass dir Sinologen nicht verraten werden. Einen Abschnitt in klassischem Chinesisch kann man nur verstehen, wenn man zuerst einmal vorher weiß, was in dem Abschnitt steht. Das ist deshalb so, weil das klassische Chinesisch aus mehreren Jahrhunderten esoterischer Anekdoten und Insider-Witzen besteht, die in einem knappen, erbärmlichen Code zur Verbreitung unter einer kleinen Elite durch Inzucht erzeugter Bücherwürmer, die ohnehin bereits die ganze Literatur rückwärts und vorwärts kennen.“
(David Moser, University of Michigan Center for Chinese Studies: Why Chinese is so Damned Hard)
Wann wurde es gesprochen?

Das klassische Chinesisch basiert auf der  Sprache Chinas während der Zeit der Streitenden Reiche (戰國時代 Zhànguó Shídài , 5. – 3. Jahrhundert v. u. Z.) und bis ins 20. Jahrhundert hinein die chinesische Schriftsprache.

Schon nach der Qin-Dynastie (秦朝 Qíncháo) wurde das klassische Chinesisch allmählich zu einer toten Sprache, hielt sich aber bis in die Neuzeit hinein.

Diese alte Sprache hat sich in vielen Sprichwörtern (成語 chéngyǔ) gehalten, die meist aus vier Zeichen bestehen und den Telegrammstil des klassischen Chinesisch bewahrt haben.
 
Anhand eines klassischen Zitats soll hier aufgezeigt werden was wesentliche Unterschiede zwischen klassischen und modernem Chinesisch sind:
 
Klassisches Chinesisch:
qiān


zhī

xíng

shǐ



xià
 

  1.000 Meile (Genitiv) gehen Anfang bei Fuß unter  
Modernes Chinesisch:
zǒu


qiān


,

  gehen 1 1.000 Meile Weg  
 
shì

cong




kāi

shǐ

de


  ist von Nr. 1 Schritt öffnen Anfang Partikel
 
Das Zitat stamm aus dem Tao-te-king (道德經 Dàodéjīng) und bedeutet:
„Eine Reise von tausend Meilen beginnt unter deinem Fuß.
 
„Die Kinder (von acht Jahren an) sitzen und büffeln die berühmten ‘Vier Bücher’ (sishu)   die ersten Texte des alten chinesischen Unterrichtsprogramms. Die archaische Sprache des konfuzianischen Kanons ist so weit von der Umgangssprache, in der das Kind denken und sprechen gelernt hat, entfernt, daß nur das scharfe Auge des Gelehrten die Ähnlichkeiten entdecken kann. Fast eine Fremdsprache, allerdings mit chinesischer Phonetik!
 
Natürlich übersteigt ein Verständnis die Kräfte der Anfänger; daher wird der Text zusammen mit dem Kommentar ohne weitere Erklärungen auswendig gelernt, und das solange, bis der Schüler das Alter erreicht hat, in dem seine inzwischen gewachsene Allgemeinbildung ihm zu größerer Klarheit verhilft. ...
 
Hier ist in den Anfängen nur noch ein sinnloses Auswendiglernen übriggeblieben, das die Form eines Singsangs angenommen hat, bei dem höchst seltsame Melodien nach rätselhaften Noten gesungen werden, die man Schriftzeichen nennt. Dabei singt natürlich jeder auf seine Art, ohne sich um den Nachbarn zu kümmern, und das Ergebnis ist ein Heidenlärm, den wir schon zu hören bekamen, als wir uns der Schule näherten.“
(V. M. Alekseev: China im Jahre 1907. Leipzig, Weimar: Gustav Kiepenheuer, 1989)
 

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