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06. Dezember 2012

Kindespietät

孝 xiào

24-13

爲母埋兒。
Wèi mŭ mái ér.
Er wollte seine Söhne für seine Mutter begraben.

 

„Cáo Ān [曹安] lebte im Kreise Nánhuá [南華] des Bezirkes Caozhou-fu im südwestlichen Shāndōng [山東]. Mit sechs Jahren kam er zur Schule und lernte sehr fleißig; mit fünfzehn Jahren heiratete er eine Frau aus der Familie Sī [司]. Im dritten Jahre der Ehe wurde dem jungen Paare ein Söhnchen geboren. Bei den Eltern und der mit ihnen lebenden Großmutter herrschte viel Freude darüber.

Als das Kind vier Jahre alt war, brach infolge einer großen Dürre im ganzen Lande eine furchtbare Hungersnot aus. Monatelang war kein Tropfen Regen gefallen. Auch unser Cáo Ān wurde von dem Unglück heimgesucht; er erlitt eine Mißernte. Und doch sollte er dreizehn Menschen, die zu seinem Haushalt gehörten, ein ganzes Jahr lang unterhalten. Das war unmöglich. Infolge Hungers starben bald neun seiner Angehörigen; nur Cáo Ān, seine Mutter, sein Weib und sein Söhnchen waren am Leben geblieben. …

Heimlich hielt er Rat mit seiner Frau, was wohl zu tun wäre, um den Tod hinauszuschieben, vor allem aber, wie der altersschwachen Mutter zu helfen sei. Sie hatte stets die besten Bissen bekommen, und doch nahmen ihre Kräfte zusehends ab.

Cáo Ān sagte: ‚Meine Schande wäre unerträglich groß, wenn die Mutter Hungers stürbe; ich muß unser Kind opfern, um ihr das Leben zu retten.’

Die junge Frau war über diese Worte ihres Mannes entsetzt und weigerte sich, in die Tötung des Kindes zu willigen. Da erwiderte der Mann in höchstem Zorn: ‚Wenn du bereit bist, daß ich das Kind um unserer Mutter willen opfere, so erreicht unsere Kindesliebe den höchsten Grad der Vollkommenheit, widersetzest du dich aber, so schreibe ich noch heute den Scheidebrief und verkaufe dich an einen anderen.’

Was blieb der armen gequälten Frau übrig, als zu gehorchen. Sie sprach zu ihm: ‚Gehe hin, mein Liebling, zum Yánluówáng [閻羅王], zum König der Unterwelt; er möge dir ewiges Glück gewähren.’

Die Eheleute hielten nun gemeinsame Klage über das unschuldige Opfer. Dann nahm der Vater ein scharfes Messer, durchschnitt dem Kinde die Kehle und schlitzte ihm den Leib auf. Nun mußte die Frau das Gericht zubereiten, und der Sohn brachte der alten Mutter einen gefüllten Napf in ihr Schlafzimmer. Als sie die Hälfte der Mahlzeit gegessen hatte, gebot sie, das übrige ihrem Enkelchen zu geben. Alles Zureden der Schwiegertochter half nicht, sie beharrte auf ihrem Wunsch.

Da endlich gestand die junge Frau, was sie getan und sagte, das Gesicht zur Seite wendend: ‚Du hast das Fleisch deines Enkels gegessen!’

Die Großmutter warf den Napf zur Erde, daß er in tausend Stücke ging und wehklagte weinend: ‚Wehe! Was habt Ihr getan! Ihr habt das vierjährige Kind für mich hingeopfert, die ich doch nicht mehr lange zu leben habe! Wen werdet Ihr im Alter zum Troste haben, nachdem ihr nun euer einziges Kind getötet habt?’

Der Sohn suchte die Mutter zu beruhigen: ‚Wir sind noch jung, es bleibt uns noch die Hoffnung, andere Kinder zu zeugen. Ist aber das Leben der Mutter einmal dahin, so ist auch die Mutterliebe unwiederbringlich verloren.’

Kaum hatte Cáo Ān das letzte Wort ausgesprochen, als es draußen laut gegen das Hoftor pochte. Dort standen zwei Männer, die der Hofhund ankläffte. Es waren Gerichtsdiener aus dem Yámen [衙門], die rückständigen Feldzins einforderten. Cáo Ān ließ die Männer eintreten und bat seine Frau, Tee zu bringen. Diese setzte aber den Leuten statt dessen einen Napf Brühe vor. Ahnungslos tranken die Männer davon. Dann forderten sie Cáo Ān auf, endlich nun die seit drei Jahren fälligen Abgaben zu entrichten; denn wenn er in diesen schweren Zeiten noch Fleisch kaufen könne, müsse er doch auch Geld haben!

Cáo Āns Versicherung, daß er mittellos sei, fand keinen Glauben. Es blieb ihm also nichts übrig, als den Männern das Furchtbare zu erzählen. Seine Rede schloß mit den Worten: ‚Wenn ihr es nicht glauben wollt, so überzeugt euch selbst. In der Küche werdet ihr die Überreste meines Kindes finden. Um meiner alten Mutter willen habe ich dies getan!’

Die beiden rohen Gesellen waren über diese schreckliche Enthüllung entsetzt und eilten in den Yámen zurück, um die furchtbare Tat zu melden.

Der Präfekt jedoch war ein Mann von großer Weisheit; er faßte sein Urteil in die Worte zusammen: ‚Eine größere Tat der Kindesliebe ist noch niemals von einem Menschen vollbracht worden. Cáo Āns Werk ist vollkommen!’

Der Präfekt erstattete alsdann dem Kaiser Bericht von der heldenhaften Kindesliebe des Cáo Ān. Cáo Ān wurde sogleich zum Kabinettsminister des Kaisers ernannt, auch wurde ihm eine Fahne verliehen mit der Inschrift: ‚Xiàoshùn’ [孝順], d. h. ‚Kindesliebe und Gehorsam!’

Die Einkünfte der Präfektur Caozhou-fu sollten ihm und seinen Nachkommen zufallen. Und um. seiner hochherzigen Tat willen sollte den Bewohnern des Bezirks die Nachzahlung der schuldigen Abgaben erlassen werden.

Cáo Ān wurde auch in seinem späteren Leben hoch belohnt. Er zeugte noch fünf Söhne, die sämtlich hohe Ämter und Würden erhielten und die ihm dieselbe kindliche Liebe und Verehrung entgegenbrachten, die er einst seiner alten Mutter erwiesen hatte.“
(Wilhelm Filchner: Tschung-Kue, Das Reich der Mitte. Alt-China vor dem Zusammenbruch. Berlin: Deutsche Buch-Gemeinschaft, 1924)

世界上最不能等的事: 孝順!!!
Shìjièshàng zuì bùnéng děngde shì: Xiàoshùn!!!

 

Die Beispiele der Kindespietät sind für uns zum Teil erschreckend. In den Vierundzwanzig Beispielen kindlicher Pietät (二十四孝 èrshísì xiào)  wurde chinesischen Kindern Jahrhunderte lang  blinder Gehorsam gegenüber den Alten eingeimpft.
 
Nummer 13 berichtet von einem Hunger leidenden Ehepaar, das beschließt das eigene Kind zu töten, damit für die Großmutter genug zu essen bleibt (Er wollte seine Söhne für seine Mutter begraben. 爲母埋兒。 Wèi mŭ mái ér.). Diese Episode erschreckte den Schriftsteller Lǔ Xùn (魯迅) als Kind, wenn seine Eltern wieder einmal über ihre Armut klagten:

„Allein schon der Anblick meiner weißhaarigen Großmutter beunruhigte mich, denn ich hatte das Gefühl, dass einer von uns beiden zu viel war.“
 
kindespietaet-kind-beerdigen
爲母埋兒。
Wèi mŭ mái ér.
Er wollte seine Söhne für seine Mutter begraben.

Kindespietät bedeutet auch, dass die Autorität der älteren Generation nicht hinterfragt werden darf. Die Verpflichtung geht mit der Verehrung der Ahnen sogar über den Tod hinaus und soll alles andere, auch die Liebe zum Ehepartner und die Loyalität zum Staat, übertreffen.
 

Ahnenverehrung 拜祖
Fünf Beziehungen 五倫 - Kindespietät 孝 - Qingming-Fest 清明节 - Vierundzwanzig Beispiele kindlicher Pietät 二十四孝


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