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06. Dezember 2012

Kimono

着物 kimono (Kleidung + Sache; Ding zum Anziehen)

„Die Welt hat eine bestimmte Vorstellung von Japan: Männer und Frauen in Kimonos, die sich im Schatten von Pagoden feierlich voreinander verbeugen; verlockende Geishas mit altertümlichen Saiteninstrumenten, die ihr Spiel nur unterbrechen, um ein paar kecke Antworten zu geben; verlegene, kleinwüchsige Männer und Frauen, die von Blumenzeremonien kommen und zu Teezeremonien weitereilen vielmehr: sich gemächlich dorthin begeben, verlegen kichernd und heftig zischelnd, während im Hintergrund verärgerte Samurais Harakiri begehen.“
(George Mikes: Mit Geishas fängt der Tag gut an. Im Lande des aufgehenden Yen. 1970. ISBN: 978-3430167314)
 

Furisode
(振袖, Schüttelärmel)
(Foto: Wikimedia)
 
„Der Schauplatz war eines der großen Hotels in Tōkyō an irgendeinem Tag bei irgendeiner der vielen Partys, die täglich in dieser Riesenstadt stattfinden. Die Gesellschaft gab sich international, und man war in eleganter Robe erschienen, viele Damen im Kimono. Köstlich, diese Farben zu sehen und die Dekors!

Einer darunter mit einem unglaublich kühnen Muster fiel sofort ins Auge. Über die Grundfarbe, ein leichtes Ocker, zog sich vom unteren Saum her ein Dekor nach rechts oben zur Hüfte. Nein, es war kein Dekor, es war ein Gemälde, die Darstellung einer Welle, aufschäumend, sich brechend und zerstiebend in lauter kleine Kräusel, weiß gehöht gegen eine dunkel verlaufende Wolke gesetzt. Ein Gemälde wie mit Tusche gemalt, nach einem berühmten Motiv berühmter alter japanischer Meister. Dazu trug die Dame eine rotgoldene Obi-Schärpe aus Brokat — eine gewagte Kombination. Und welch eine Farbsymphonie, wenn mehrere Kimono-Damen beieinander standen: Da komponierten zwei Damen einen hellen Frühlingsakkord; der Grundton war hellgrün mit einem weiß ausgesparten Dekor aus grazilen Gräsern, das sich mit Blüten und Blättern an der linken Schulter fortsetzte; dazu trat eine Kimono-Dame mit zartem Pfirsichblütenrot, nur akzentuiert mit weißen eingeschossenen Fäden. Plötzlich aber tauchte dazwischen ein schwarzer Kimono auf mit einem strengen, vom Saum her gestickten Goldmuster mit weißen Familienwappen an der Schulter.

Man war etwas irritiert: so formell war die Party nun auch wieder nicht; vielleicht war die Dame gerade von einer Hochzeit gekommen? Doch es klärte sich auf, als man genauer hinsah und die Trägerin durch den Raum ging. Das war ein wandelnder Irrtum: Die Trägerin war blond — eine Amerikanerin wahrscheinlich —, und wie sie ging! Sie wackelte in den Schultern, der Kimono schlug vorn viel zu weit auf. Diese ganze Szene war eine konkrete Lektion dafür, wie man einen Kimono zu tragen hat und was er ist und was er nicht ist. Das heißt, er ist bestimmt nicht dazu da, den Körper der Trägerin zur Schau zu stellen, eine Voraussetzung der meisten westlichen Kleider. Beim Kimono scheint es eher umgekehrt: Die Trägerin zeigt ihn, sie hat ihm als dem Kunstwerk zu dienen, und dazu gehört eine ruhige, nicht hastige, gleichmäßige Bewegung, fast ein wenig schiebend; erst dann kann man die ganze Schönheit — des Kimonos nämlich — bewundern; die Dame, die in ihm steckt, kommt dann ganz von selbst zur Geltung. Es spielt dabei gar keine Rolle, ob die Kimono-Trägerin von schlanker, eleganter Figur ist oder nicht. Auch Mollige können in diesem Gewand durchaus anziehend wirken, bleiben doch die Blicke fast stets am Dekor, am Kunstwerk hängen.“

(Irmtraud Schaarschmidt-Richter und Eberhard Grames: Japanische Impressionen. Schaffhausen. Edition Stemmle, 1988. ISBN: 3-7231-9372-3)
 
Dieses elegante Oberbekleidungsstück hat wohl bei europäischen Besuchern den Vergleich mit Schmetterlingen ausgelöst: Madame Butterfly ohne Kimono ist unvorstellbar!
 
Nach der Öffnung Japans drohte der Kimono verdrängt zu werden. Kleidung aus Baumwolle galt als praktischer und billiger. Nach dem Kanto-Erdbeben von 1923 galten Kimono-Träger als besonders gefährdet, da sie schlechter fliehen konnte.

Heute ist der Kimono verbunden mit der Tradition. Hochzeiten finden im Kimono statt, ebenso Beerdigungen oder Tee-Zeremonien.
 

Der Kimono wurde ursprünglich aus dem China der Tang-Zeit (唐朝 Tángcháo; 618 - 907) übernommen. Er wird aus einer einzigen Stoffbahn mit festgelegten Abmessungen (0,37 Meter mal 12,0 Meter) zugeschnitten. Er ist nicht maßgefertigt, sondern wird durch Raffen der Größe der Trägerin angepasst und mit einer Schärpe, dem Obi, (帯) gebunden. Bis in die 1960er Jahre war der Kimono noch Alltagskleidung, heute ist er nur noch ein festliches Kleidungsstück für besondere Anlässe.

 

Kleidungsstücke
Cheongsam 長衫 - Deel дээл - Hanfu 漢服 - Hanbok 한복 - Kimono 着物 - Mao-Anzug 中山裝 - Schuluniform 学らん - Tang-Kappe 탕건, 唐冠

 

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