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06. Dezember 2012

Kaiserkanal

大運河 Dà Yùnhé (großer Transportfluss)
京杭大运河 Jīng-Háng Dà Yùnhé (Beijing + Hangzhou + groß + Transport + Fluss)


Fahrt auf dem Kaiserkanal

„Es ist keine romantische Schiffsreise, aber sie hat ihren großen Reiz. Die Chinesen sagen: ‚Wer nicht auf dem Kaiserkanal gefahren ist, der war nicht in China.’ Nun, das mag eine Übertreibung sein, doch gehört diese Reise sicherlich zu den bleibenden Erlebnissen.

Es herrscht ein außerordentlich reger Verkehr von Lastschiffen, hochbeladen mit Steinen, Eisenträgern, Baumaterial und Gemüse. Man könnte sich in einen venezianischen Kanal versetzt fühlen, wären die Boote nicht so vollkommen anders. ...

Die Schiffe — kann man diese Gebilde überhaupt so nennen? — haben die abenteuerlichsten Motoren, die gefährlich donnern und knattern: Hier versteht man die Bezeichnung ‚Explosionsmotor‘. Die Treibriemen liegen offen und schwingen und zittern.

Manche Boote transportieren Baumaterial, ungelöschten Kalk in viereckigen, offenen Kisten, die direkt vor der mit Matten überdeckten Kajüte stehen. Männer mit Strohhüten, die Zementsäcke an Schulterstangen auf die Boote tragen, balancieren über die Stege, Bauern mit Hacken und Strohkörben gehen am Ufer. Industriegebäude prägen hier noch die Landschaft. Der Schiffsverkehr ist inzwischen fast beängstigend dicht geworden, Lastkahn an Lastkahn, Geleitzug nach Geleitzug.

Menschen liegen lang ausgestreckt auf den Motorkabinen oder auf ihren Kajüten und schlafen, es stört sie nicht, daß ununterbrochen gehupt wird, es dampft und stinkt, Masten und Segeltuchplanen ziehen vorüber — man fühlt sich manchmal wie auf der Autobahn im Stau, wenn man langsam die Geleitzüge überholt. …

Unser Touristenboot ist für die Leute hier eine willkommene Abwechslung, es wird uns zugewinkt und zugelacht, sogar zugepfiffen, und wenn wir fotografieren, stellt man sich in Positur. …

In Venedig ist alles verfallene Pracht, hier ist alles verfallen, aber es war niemals Pracht, sondern nur — vielleicht — bürgerliche Behaglichkeit.“
(Max Kruse: Eine Reise von Peking bis Kanton. München: Prestel, 1986. ISBN 3-7913-0718-5)
 
Es gibt drei große Kanäle: den Panamakanal, den Suezkanal und den Kaiserkanal. Dieser ist der älteste und mit 1.794 Kilometer der längste.

Alle großen Ströme Chinas fließen von Westen nach Osten. Diese fünf verbindet der Große Kanal:
den Qiantangjiang bei Hangzhou,
den Changjiang,
den Huaihe,
den Gelben Fluss
und den Haihe
 
Der Kanal war die wichtigste Verbindung zwischen den Reiskammern im Süden und der Hauptstadt im Norden. Die schnelle Nord-Süd-Verbindung beendete die Gefahr einer Spaltung.
 
„Die schwerste Arbeit auf der einförmig langen Reise durch den Kanal erfordert das Passieren der Schleusen, deren es Dutzende gibt. In der Provinz Jiāngsū [江苏] allein sind deren vier, aber nicht Schleusen nach europäischer Art, sondern das Passieren von einem Niveau zum andern erfolgt auf steilen Rampen, über welche das durch Steinmauern eingezwängte Wasser herabschießt. Auf diesen Mauern zu beiden Seiten der Rampen sind hölzerne Rampen (Gangspille) nach Art der Pferdegöpel angebracht. Nähert sich ein Frachtschiff einer Schleuse, so sind auch bald achtzig bis hundert Kulis zur Stelle, mit deren Führer der Besitzer des Bootes sich bezüglich des Preises einigen muß. Gewöhnlich beträgt er 1.000 bis 2.000 Käsch [錢 qián].
 
Dann wird das Boot an die Seile der Winden festgebunden, und unter furchtbarem Schreien und Lärmen wird das Boot langsam die Rampe emporgezogen, bis es sich auf dem höhern Wasserspiegel befindet. Während dessen beten und opfern die Bootseigentümer den Kanalgöttern. Das Passieren von einem höheren Wasserspiegel zu einem tieferen geht leichter vor sich und kostet dementsprechend auch weniger.“
(Ernst von Hesse-Wartegg: China und Japan. Erlebnisse, Studien, Beobachtungen. 1897)
Zwischen 584 und 610 ließen die beiden Kaiser der Sui-Dynastie (隋朝 Suícháo, 581 - 618) ein Kanalnetz ausbauen, das die Hauptstädte am Gelben Fluss (黄河 Huánghé) und dem Wei-Fluss (渭河 Wèihé) mit dem Unterlauf des Jangtse (長江 Chángjiāng) verband. Kaiser Yángdì (煬帝 ) selbst fuhr mit einer 65 Meilen langen Flotte auf dem Kanal.
 

Der Kaiserkanal mit einer Länge von mehr als 1.800 Kilometer immer noch die längste von Menschen geschaffene Wassertraße. Mit einer Länge von mehr als 1.800 Kilometer und einer Breite von bis zu 40 Meter verband er den Norden Chinas mit dem fruchtbaren Mündungsgebiet des Jangtse.


Zwischen 584 und 610 ließen die zwei Kaiser der Sui-Dynastie ein bereits vorhandenes Kanalnetz ausbauen. Kaiser Yangdi (煬帝) selbst fuhr mit einer 65 Meilen langen Flotte auf den Kanal, was zur Folge hatte, dass die Preise für Lebensmittel entlang seines Weges hochschnellten.

(Karte: Wikimedia)

Verlauf in der Sui-Zeit
(Karte: Wikimedia)

 
 

Transport zu Land und Wasser
Dschunke 帆船 - Fahrrad 自行车 - Rikscha 人力車 - Sampan 舢板 - Schubkarre 獨輪車
Kaiserkanal 大運河 - Seidenstraße 丝绸之路 - Tokaido 東海道

 

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