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20. August 2013

Jadekaiser

玉帝 Yù Dì (Jade + Gott)
玉皇 Yù Huáng (Jade + Kaiser)

„Ebenso, wie es auf Erden einen obersten Herrscher gibt, gibt es im Himmel einen einzigen Herrn, einen obersten Gott, der über alle anderen herrscht. Dieser Gott heißt ‚Erhabener der Jade’ oder ‚Oberster Kaiser, Erhabener der Jade’ und ist in gewissem Sinne der Erbe des archaischen Herrschers der Höhe, der der taoistischen Auffassung angepaßt wurde. ...

Es ist ein Gott, der von einem Kaiser im Jahre 1008 n. Chr. erfunden wurde, um seine Dynastie neu zu festigen. Aufgrund eines demütigenden Friedensabkommens mit den Tungusen war er vom Verlust seiner Vorrangstellung bedroht. Er war in Gefahr, durch einen Volksaufstand gestürzt zu werden und das himmlische Regierungsmandat zu verlieren. Der gewitzte Minister Wang Ching-chiao riet dem Kaiser (998 - 1023) zu behaupten, er stünde in direkter Verbindung mit dem Himmel. Andere Kaiser vor ihm hätten sich der gleichen Lüge bedient, als sie erklärten, wunderbare Offenbarungen von Geniert oder anderen übernatürlichen Wesen empfangen zu haben, um damit ihre wankende Herrschaft zu stützen. Der Kaiser ließ sich überzeugen. Er rief im Jahre 1008 die höchsten Würdenträger des Hofes zusammen und erklärte vor der Versammlung feierlich:

‚Am elften Tag des vergangenen Jahres, im zwanzigsten Tag des Zyklus, kurz vor Mitte der Nacht, während ich einschlief, breitete sich in meinem Zimmer ein grelles Licht aus, und es erschien mir ein Genius. Er trug auf dem Haupt eine Krone aus Sternen und war in ein scharlachrotes Gewand gekleidet; er teilte mir mit, daß ich bald ein himmlisches Sendschreiben erhalten solle; ich solle mich auf das Ereignis vorbereiten. Gerührt richtete ich mich auf, um dem Genius zu danken, dieser aber verschwand. Heute hat mir der Gouverneur der Hauptstadt verkündet, daß während der Nacht am Gesims der Himmelspforte auf wunderbare Weise ein gelbes Seidentuch aufgehängt wurde. Es muß sich um die Botschaft handeln, die der Himmel sich herabgelassen hat mir zu übermitteln ...’


Die Geschichte berichtet, daß sich alle Würdenträger dem Kaiser zu Füßen warfen, um ihm zu huldigen. Nun begab sich der Kaiser an der Spitze eines langen Zuges der Minister und Staatsdiener zur Himmelspforte und befahl zwei Männern, den gelben Seidenstoff vom Gesims herunterzuholen, der in der Tat einen Brief enthielt. Der Kaiser kniete nieder, nahm ihn in Empfang und brachte ihn in den Palast, wo er ihn auf einen eigens dafür hergerichteten Altar legte. Einer der Minister las den Inhalt der Botschaft vor, und der Kaiser hörte kniend andachtsvoll zu. Der Himmel beglückwünschte sich mit ihm wegen der Weisheit seiner Herrschaft, forderte ihn auf, immer besser zu regieren, und verbürgte sich dafür, daß seine Dynastie die Jahrhunderte überdauern sollte. Es wurden Boten ausgesandt, die das wunderbare Ereignis den Göttern des Bodens und der Ernten sowie den kaiserlichen Vorfahren mitteilen sollten. Der Kaiser verkündete, daß das Zeitalter des göttlichen Zeugnisses begonnen habe, erließ eine Generalamnestie und beförderte viele Staatsdiener, damit man im ganzen Reiche von nichts anderem spräche als von diesem wunderbaren Ereignis.

Nur ein Archivar der kaiserlichen Bibliothek soll dazu bemerkt haben: ‚Wieso schreibt der Himmel, der nicht spricht, jetzt sogar Briefe?’

Er fand jedoch keine Beachtung. Das göttliche Zeugnis ließ keinen Zweifel darüber aufkommen, daß sich die Dynastie der besonderen Gunst des Himmels erfreute, und man beschloß, der Kaiser solle sich auf den Gipfel des Berges Tai begeben, um dort das Feng-Opfer zu feiern, eine feierliche Danksagung, die seit vierhundert Jahren vernachlässigt worden war. Einige Würdenträger begaben sich zum heiligen Berg, um die nötigen Vorbereitungen zu treffen. Kurze Zeit darauf sandten sie ein weiteres göttliches Sendschreiben in die Hauptstadt, das sie, ebenfalls in einen gelben Schal gewickelt, auf der Spitze eines jahrhundertealten Baumes auf dem Gipfel des Berges Tai gefunden hatten. In diesem zweiten Brief stand geschrieben:

‚O Kaiser, du bist in Wahrheit mein ergebener Sohn und hast das Volk glücklich gemacht; daher lasse ich dir die Gunst zukommen, dir feierlich meine Genugtuung kundzutun. Hiervon sollen alle in Kenntnis gesetzt werden! In allen Provinzen möge Wohlstand herrschen und du mögest ein langes Leben haben!’ Die Minister brachen über die Tugend des Kaisers in Jubel aus und verliehen ihm folgende Titel: Erhabener, Gelehrter, Verehrer des Himmels, Befolger des Weges, durch besondere Gaben Geehrter, Weiser, Erleuchteter, Frommer ...‘

So nimmt die Geschichte des ‚Erhabenen der Jade’ seinen Anfang, ein Gott, von dem - wie viele skeptische konfuzianische Gelehrte feststellen - bis zu diesem Zeitpunkt nichts bekannt war. Unerklärlicherweise wird er jedoch sofort populär, und sein Kult wird überall gefeiert. Wahrscheinlich stand der Erhabene der Jade im Volksglauben bereits im Rang einer obersten Gottheit, denn anders wäre dieser plötzliche Erfolg nicht zu erklären. Kaiser Zhēnzōng [真宗] hätte sich wohl kaum der Autorität einer unbekannten Gottheit anvertraut, auf die er seine göttliche Investitur zurückführte.

Die Gestalt des Erhabenen der Jade wurde durch die Phantasie des Volkes weiter ausgeschmückt. Man schrieb ihm sogar eine Familie und einen Hof zu, wobei bereits früher existierende Gottheiten mit ihm in ein Verwandtschaftsverhältnis gestellt wurden. Auf diese Weise herrschte in dem um den Erhabenen der Jade künstlich aufgebauten chinesischen Pantheon die denkbar größte Verwirrung.“
(Renata Pisu: China - Treffpunkt dreier Religionen. Freiburg: Herder, 1983. ISBN: 3-451-19527-5)


Der Jadekaiser ist eine der wichtigsten chinesischen Gottheiten. Sein Kult wurde vor allem im 11. Jahrhundert von der Song-Dynastie (宋朝 Sòngcháo, 960 bis 1279) gefördert. Er ist einer der Drei Reinen (三清 sānqīng), die die drei reinen Himmel bewohnen.

Der Jadekaiser regelte alle himmlischen und irdischen Angelegenheiten. Er hatte Minister, eine pedantische Verwaltung und war ein Spiegelbild des konfuzianischen Systems der Staatsverwaltung, dem am Neujahrstag alle Gottheiten Bericht zu erstatteten hatten.

 

chinesische Mythologie
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