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17. Juli 2013

Japan

日本 Nihon (Sonne + Wurzel)
日本 Nippon (Sonne + Wurzel)

„Vor fünfzig Jahren schenkte der Berliner Verleger Paul Cassirer seinem Autor Bernhard Kellermann eine Reise — als Bonus für Bestsellererfolge. Eine Reise, wohin er immer wolle.

Kellermann wollte nach Japan, das war schon immer sein Traum. Länger konnte eine Reise kaum dauern: durch ganz Sibirien mit der Eisenbahn und dann aufs Schiff. Seine Ankunft in Japan beschreibt er so:

‚Am dritten Tage nach unserer Abfahrt von Wladiwostok kam Japan, das Land der sonderbaren und unglaublichen Dinge, in Sicht. Merkwürdigerweise sah es ganz anders aus, als ich es mir vorgestellt hatte. Ich hatte gedacht, es würde sich als eine Reihe flacher Inseln präsentieren sonnige Gärten, Blumen, Teehäuser, kleine Tänzerinnen, in der Mitte steht der Fujiyama, man fährt hin, und man ist da. So war es nicht. Was ich sah, war ein düsteres Gebirge, das nach und nach Form bekam, sich zerteilte und uns die große Bucht von Tsuruga [敦賀] öffnete. Weder Sonne noch blühende Gärten. Es regnete, und am Gestade lag ein elendes Nest, grau, flach, kaum zu sehen.

Ehe ich mich versah, saß ich in einer Riksha, und es ging dahin. Der Kuli nickte mit dem Kopf wie ein Pferd, der flache Hut hüpfte auf seinem kahlgeschorenen Schädel. Ich aber fing an, mich mehr und mehr zu wundern: Dieses Japan, von dem man soviel gehört und gelesen hat, es existierte also wirklich! Ich hatte im Sibirischen Expreß Muße genug gehabt, mich vorzubereiten, aber doch verwirrte mich alles und jede Einzelheit.

Was für ein Land ist das? denke ich, ich werde mich hier... Halt! Der Kuli verbeugt sich, lächelt — und ich bin verwundert über das feine, milde Lächeln dieses schlichten Kulis. Wir halten vor einem Haus, das weder der Bahnhof noch ein Hotel ist, ich kann es noch so aufmerksam betrachten. In einem kleinen Vorraum steht eine Menge hoher Stelzenschuhe, ein geschlitzter blauer Vorhang mit weißen Ideogrammen verbirgt das Innere des Hauses. Und wieder verbeugt sich der Kuli, lächelt — da verstehe ich plötzlich: Das ist ein Teehaus! Vor zehn Minuten habe ich dieses Land betreten, und schon bin ich hier. Dieser Tausendsassa mit dem feinen Lächeln fuhr mich weder zum Bahnhof noch in ein Hotel, sondern es schien ihm wichtiger, daß ich gleich das Wesentliche kennenlerne.

 

Ein Genie von einem Droschkenpferd! Ach, damals wußte ich ja noch nicht, daß es ein Kastenwahnsinn der japanischen Rikshakuli ist, jeden Fremden ins Teehaus zu fahren, hartnäckig ins Teehaus, mag er wollen oder nicht.

Fünfzig Jahre sind seither vergangen — wie sehr hat sich diese Welt gewandelt! Aus der wochenlangen Anfahrt mit dem Sibirienexpreß wurde ein Sechzehn-Stunden-Flug, aus dem Teehaus ein Tausend-Betten-Hotel. Heute haben Touristen eine andere Vorstellung von Japan: das ist doch das Land, das die Autos und Kameras herstellt, die Stereogeräte, die Uhren und Rechenmaschinen, das übervölkerte und von Umweltverseuchung geplagte Japan!

Und wirklich: zunächst findet der ausländische Tourist vor, was er erwartet. Wenn er im Sommer ankommt, ist die Luft über Tokyo miserabel, der Smog liegt über der Stadt, der Fremde fährt mit dem Taxi durch graue Häuserzeilen oder auf der überfüllten Stadtautobahn und landet im Riesenhotel. Von Reiseleitern oder Geschäftspartnern, die englisch sprechen, hin- und herumgeführt, erlebt er internationales Geschäftsleben, findet, daß alles sehr teuer ist, und verläßt dieses Land: in seinem Gepäck neben dem Glaskasten mit der japanischen Puppe, einem Geschenk des Geschäftsfreundes, das Bündel mit den bestätigten Vorurteilen.


Wehe aber, wenn er länger bleibt! Dann muß er, ob er will oder nicht, Beobachtungen machen. Er lernt und lernt. Immer wenn er zu einem sicheren Urteil gekommen ist, verblüfft ihn Japan durch eine gegenteilige Erfahrung.“
(Eberhard Grames, Susanne und Peter Krebs: Japan. München: Bucher, 1987. ISBN 3-7658-0559-9)

Natürliche und politische Grenzen fallen in Japan zusammen.

„Häufig teilen sich auf der Erde mehrere Völker in einen naturgegebenen geographischen Raum, oft glauben ganze Kontinente an denselben Gott, immer wieder ändern sich Herrschaftsordnungen. Nur die Japaner leben auf ihren Inseln in einem natürlichen Raum, den sie mit niemandem zusammen bewohnen müssen, symbolhaft repräsentiert von einem Kaiserhaus, das bis in die Urgeschichte zurückreicht, geprägt von einem Glauben – dem Shintoismus –, in dem Kaisertum und Volk und Land zu einer Einheit verschmelzen. Das macht die Japaner zu den Außenseitern der Völkergemeinschaft.

 

Die Grenzen der Bundesrepublik, zum Vergleich, wurden, abgesehen von den Küsten der Nord- und Ostsee, nicht von der Natur, sondern von der Geschichte gezogen. Kein breiter Fluß, kein hohes Gebirge, keine menschenfeindliche Wüste trennt die Deutschen von ihren Nachbarn. ... Fast alle Staaten der Welt teilen Gemeinsamkeiten mit ihren Nachbarn oder mit entfernten Partnern, seien es Sprache (England – Amerika – Australien), der natürliche Raum (Amerika – Kanada), die Religion (christlicher Westen, islamische Länder) oder neuerdings die Ideologie (kommunistische Länder). So sind alle Staaten auf Wechselwirkungen und gegenseitige Beziehungen angelegt.

Allein bei den Japanern überwiegt nicht das Verbindende, sondern das Trennende...

Wer Japan verläßt, verzichtet auf Schutz und Geborgenheit, noch heute. Denn Küstenlinien und Staatsgrenze, Natur und Politik, fallen zusammen und bilden eine schwer zu überwindende Barriere, gegen die die Wogen unberechenbarer Meere schäumen. Dahinter, in unsichtbarer Ferne, beginnen dann Staaten, in denen sich Japaner verloren fühlen müssen, nicht nur, weil sie deren Sprache nicht verstehen, sondern weil sie nicht einmal deren Schriften (koreanisch, chinesisch, lateinisch, thailändisch) lesen können, ganz abgesehen von den fremdartigen Traditionen und Gewohnheiten.“
(Gerhard Dambmann: 25mal Japan. Weltmacht als Einzelgänger. München: Piper, 1989. ISBN 3-492-15104-3)

 

Japan ist der flächenmäßig viertgrößte Inselstaat und besteht im Kern aus vier Hauptinseln. Mit über 126 Millionen Einwohnern liegt es auf Platz zehn der bevölkerungsreichsten Länder der Erde.

 

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