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06. Dezember 2012

Japanpapier

和紙 washi (Japan + Papier)
和紙 wagami (Japan + Papier)

japanpapier

Washi
(Foto: Wikimedia)

„Unter dem Fenster befand sich ein großer rechteckiger Bottich, gerade hüfthoch. Davor stand eine Frau mit dicker Schürze, die Ärmel hochgekrempelt, und hielt ein ebenfalls rechteckiges, mit einer Bambussplittmatte belegtes Sieb in beiden Händen, das an einer Querstange über ihrem Kopf mit Seilen aufgehängt war. ...

Es war faszinierend, ihr zuzusehen, wie sie ihr Sieb an den Querstäben fest angepackt hielt und langsam, mit der hinteren Seite zuerst in den Bottich tauchte, es waagrecht hielt und dann ein wenig hin und her rüttelte, wieder eintauchte in gleichmäßigem Rhythmus drei-, viermal hintereinander, immer sanft rüttelnd, bis sich eine dicke Schicht gebildet und die Fasern sich verzahnt hatten. Dann ließ sie das Wasser vollends ablaufen, um schließlich vorsichtig den Halterahmen von der Bambusmatte zu lösen und diese mit einem Schwung auf einen schon fast einen Meter hohen Stoß zu legen, indem sie die Matte umdrehte und sie dann von oben abzog. ...

In einer anderen Werkstatt war man schon ein wenig weiter. Da wurde dem ersten Stoß mit einer mechanischen Presse das Wasser herausgedrückt, etwa drei Stunden dauert das, erklärte man uns. Wir hatten Glück, sie waren gerade um, und jetzt begann etwas, was man als Wunder bezeichnen könnte: Von diesem scheinbar massiven Block einer feuchten Masse wurde jetzt Blatt um Blatt — sie hatten etwas von festem, feuchtem Filz —, gelöst und auf große Holzbretter zum Trocknen aufgestrichen. Diesmal war es kein einfaches weißes Papier, sondern schon in der Fasermasse dekoriert mit bunten eingelegten Papierschnitzeln. ...

Fast ebenso wichtig wie das Schöpfen ist das Trocknen der feuchten, auf Brettern aufgestrichenen Bögen. Sonnenschein, Lichtgualität, Feuchtigkeit spielen dabei eine große Rolle. Bei den Hütten oben am Hang sahen wir, gerade in dem Augenblick, als wir aus der letzten Werkstatt traten, wie eine Frau damit begann, die mit weißen Papierbögen belegten Bretter aus der Hütte herauszutragen und vorsichtig an die Hüttenwand zu lehnen. Das wollten wir aus der Nähe sehen und kletterten nicht ohne Mühe den steilen Hang hinauf. Fröhlich begrüßte sie uns und wunderte sich offensichtlich gar nicht, daß da zwei komische Ausländer zu ihr heraufgestiegen waren.
Ja', sagte sie, das ist besonders schönes Papier' und strich fast zärtlich über die schon langsam ihr Weiß erreichenden, halbtrockenen Bögen, auf denen sich die Holzmaserung des Trockenbrettes und die gleichmäßigen Linien des Bürstenstriches wie zu einem eleganten, zurückhaltenden Dekor' vereinigt hatten. ‚Und die Arbeit ist wirklich eine Freude‘, fügte sie hinzu, ‚es ist eine Bestellung, und wenn sie von jemandem kommt, der etwas vom Papier versteht, dann macht es besonders Spaß — und das Geld stimmt auch!‘ lachte sie.“
(Irmtraud Schaarschmidt-Richter, Eberhard Grames: Japanische Impressionen. Schaffhausen. Edition Stemmle, 1988. ISBN: 3-7231-9372-3)

Das handgeschöpfte, dünne, halbdurchsichtige japanische Papier wird sowohl für die Verpackung von Geschenken, als auch zur Dekoration verwendet und gilt als das feinste handgeschöpfte Papier der Welt.

„Das Schönste vielleicht, was bisher über das japanische Papier und seinen Unterschied zum westlichen Papier gesagt wurde, stammt von Junichirō Tanizaki ([谷崎 潤一郎 Tanizaki Jun'ichirō] 1886 - 1965), dem großen modernen Romancier, und findet sich in seinem Essay ‚Lob des Schattens’ [陰翳礼讃 In'ei Raisan] von 1933:

‚Westliches Papier erregt in uns keine andere Empfindung, als daß es sich um einen einfachen Gebrauchsgegenstand handelt, aber die Textur des chinesischen und des japanischen Papiers gibt uns ein gewisses Gefühl der Wärme, als ob das Herz stille würde.

Obwohl es das gleiche Weiß ist, ist das Weiß des westlichen Papiers ein anderes als das des hōsho und des China-Papiers: Westliches Papier neigt dazu, das Licht zurückzuwerfen, während das hōsho und das China-Papier wie eine weiche Fläche frischen Schnees das Licht voll in sich hineinnehmen.

In der Hand fühlt es sich geschmeidig an, beim Knicken und beim Falten macht es kein Geräusch. Es ist von einer Stille, es ist von einer Frische, als ob man das Blatt eines Baumes berührte.’“
(Irmtraud Schaarschmidt-Richter und Eberhard Grames: Japanische Impressionen. Schaffhausen. Edition Stemmle, 1988. ISBN: 3-7231-9372-3)

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