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06. Dezember 2012

Iwakura-Mission

岩倉使節団 Iwakura shisetsudan

„Kaum eine andere Regierung dürfte den Mut aufbringen, ihre wichtigsten Mitglieder nur wenige Jahre nach ihrer Installierung auf eine so lange Reise zu schicken. Die Regierungsangelegenheiten in Tōkyō überließ man einem Stab von Stellvertretern...
 
Sie waren durch folgende Weisung gebunden:

‚Da es unsere Absicht ist, nach unserer Heimkehr tiefgreifende Reformen durchzuführen, sollten weitere Reformvorhaben für die Zeit unserer Abwesenheit nach Möglichkeit unterbleiben.’“

(Martin Collcutt, Marius Jansen, Isao Kumakura: Japan. Bildatlas der Weltkulturen. 1997)

Die Iwakura-Mission war 21 Monate lang unterwegs. Da jede Regierungsabteilung Mitglieder auf die Reise schickte, wuchs ihre Zahl schnell auf 50, doch auch diese verdoppelte sich noch, als ehemalige Feudalherren sich anschlossen. Bei einer Abschiedsfeier beauftragte der Kaiser die Reisenden, die Institutionen der besuchten Länder genau zu studieren.
 

Am 23. Dezember 1871 verließ die Gesandtschaft den Hafen Yokohama und fuhr nach San Francisco.
 
iwakura-route
Von Januar bis Ende Juli 1872 hielt sich die Gesandtschaft in den Vereinigten Staaten auf.  Dann verbrachte die Gesandtschaft 122 Tage in Großbritannien. Dies war der längste Aufenthalt. Im  Dezember besuchte die Gesandtschaft Frankreich, welches mit der Aufarbeitung der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg belastet war. Dann führte der Weg über Belgien in die Niederlande, zu denen die diplomatischen Beziehungen nie abgebrochen waren.
 
Im März besuchten die Japaner das Deutsche Reich. Das preußische Militärwesen, das aus dem Deutsch-Französischen Krieg siegreich hervorging, sollte für die japanische Armee zum Vorbild werden. Itō Hirobumi wurde besonders von der autoritären preußischen Staatsform beeindruckt, die einen starken Kaiser vorsah. Von Berlin aus ging es weiter nach Sankt Petersburg. Dann bereiste die Gruppe für jeweils eine Woche Dänemark und Schweden. Über München führte die Reise nach Österreich. Anschließend reisten sie in die Schweiz.
 
Am 15. Juli 1873 kehrte die Delegation schließlich über Ägypten, Singapur, Hongkong und Shanghai nach Japan zurück. Am 13. September 1873 war die Mission wieder in Japan, fast ein Jahr später als geplant. Die Erkenntnisse, die auf dieser Mission gewonnen wurden, spielten für die Entwicklung des modernen Japans eine entscheidende Rolle.

Der Delegationsleiter Iwakura Tomomi (岩倉具視) war einer der Männer, die die Meiji-Restauration (明治維新 Meiji ishin), in Gang brachten und die Politik der ersten Jahre bestimmten. Er war antidemokratisch eingestellt, doch seine Europareise machte ihm klar, dass die Einführung eines konstitutionellen Systems unerlässlich war, schon allein um von den westlichen Nationen anerkannt zu werden.
 
iwakura
Erinnerungsfoto der Iwakura-Gesandtschaft
 
„Hohe Beamte unter Führung von Iwakura Tomomi [岩倉具視] bereisten den Westen, um von ihm zu lernen. Einer von ihnen, Ōkubo Toshimichi [大久保利通], hatte in Bezug auf Europa erklärt: ‚Gegenwärtig bemühen sich alle Länder der Welt darum, die Lehren der ‚Zivilisation und Aufklärung’ zu verbreiten, und ihnen fehlt es an nichts, Wir müssen es ihnen darin deshalb gleichtun.‘

Dass dazu auch gehörte, sich westlich zu kleiden, schien fast selbstverständlich. Ein Erinnerungsfoto der Iwakura-Gesandtschaft bringt das und die Umbruchstimmung dieser Jahre deutlich zum Ausdruck. In der Mitte Iwakura, der Gesandte, auf beiden Seiten umgeben von seinen Begleitern, dem erwähnten Ōkubo Toshimichi und Ito Hirobumi
[伊藤博文] zu seiner Linken, Ōkuma Shigenobu [大隈 重信] und Kido Takayoshi [木戸 孝允] zur Rechten; alle fünf als Samurai [侍] geboren und noch viele Jahre einflussreiche Mitglieder der politischen Führungsschicht. Die vier Jüngeren haben westliche Anzüge mit weißen Hemden und Halsbinde an.
 
Nur Iwakura, der Älteste, trägt einen formellen Kimono [着物] und die traditionelle Haartracht der Samurai, kombiniert allerdings mit westlichen Schuhen und, wie die anderen, einem Zylinder, ein ungeheuerlicher Stilbruch, wie er nur in hybriden Zeiten möglich ist, wo die alte Ordnung nicht mehr trägt und die neue noch nicht etabliert ist.“
(Florian Coulmas: Die Kultur Japans. Tradition und Moderne. München: 2009. ISBN: 978-3406587764)
 

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