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17. August 2013

Homophone

同音 tóng​yīn (gleich + Laut)
同音異字 dōon iji (gleich + Laut + verschieden + Zeichen)

„Ich machte einen drei Jahre währenden Versuch, in anderthalb Privatstunden pro Woche über mein niederes Niveau hinauszukommen. Am Ende gab ich auf. Nur sprechen zu wollen, ohne schreiben zu können, ist in jeder Sprache mühsam. Im Japanischen ist es, der vielen Homophone wegen und durch die verwirrende Wortwahl, die den aus China entlehnten Schriftzeichen (Kanji [漢字]) verschiedene Sprechungen anhängen, fast unmöglich.

Wer je zwei Japaner, in ein Gespräch über ein kompliziertes Thema vertieft, beobachtet hat, mag gesehen haben, wie dann und wann der eine oder andere seine linke Handfläche vor sich hielt wie ein Buch und mit dem Zeigefinger der Rechten mit raschen Bewegungen ein Schriftzeichen skizzierte. Das Nicken des anderen folgt sofort, und die Erleichterung steht in den Mienen.“
(Uwe Schmitt: Tokyo Tango. Ein japanisches Abenteuer. Frankfurt: Eichborn, 1999. ISBN: 3-8218-4499-X)

Ein Homophon (griechisch: ομόφωνος „das gleich Klingende“) ist ein Wort, das bei gleicher Aussprache verschiedene Bedeutungen hat.

„Die Zahl der aussprechbaren Silben ist nicht unbegrenzt, und je mehr Wörter die Sprache hervorbrachte (es sei daran erinnert, daß wir es mit einer Kultursprache zu tun haben, die schon zu einer frühen Zeit einen reichen Wortschatz besaß), um so weniger ließ es sich vermeiden, daß zwei oder mehrere Wörter in der Aussprache einander ähnlich, ja identisch, wurden. Diese Homophonie nahm dadurch beträchtlich zu, daß das Chinesische im Laufe seiner Entwicklung, soweit wir sie kennen, immer zur Vereinfachung der Laute neigte. Um 800 v. Chr. herrschte noch eine beträchtliche Lautverschiedenheit, so daß die Homophone nicht übermäßig zahlreich waren. Aber schon gegen 500 n. Chr. duldete die Sprache nur noch einen einfachen Konsonanten im Anlaut … Konsonantenverbindungen wie in streng, brechen, treiben, fliegen, Anen gab es nicht. Noch größere Armut herrschte im Auslaut. ...

In dieser Periode hatte die Sprache bereits ein Stadium erreicht, in dem viele Wörter unterschiedlicher Bedeutung und verschiedenen Ursprungs gleichlautend geworden waren. So lauteten z. B. die vier etymologisch verschiedenen Wörter für ‚hoch [高]‘, Fett‘ [膏], ‚Kuchen‘ [糕], ‚Lamm‘ [羔] alle gleich: gāo.

Natürlich finden wir solche Beispiele auch in anderen Sprachen. ... Im Englischen werden real (lesen) und reed (Ried) gleich ausgesprochen, doch weist die Schreibung auf einen früheren Unterschied hin. Leeren und lehren, Lied und Lid seien für das Deutsche angeführt. …

In europäischen Sprachen sind Beispiele dieser Art nicht so zahlreich oder verwirrend, daß sie zu Unsicherheiten führen würden. Aber in der erwähnten Periode muß die große Zahl der Homophone im Chinesischen zu Verständigungsschwierigkeiten beim Sprechen geführt haben. Dies sollte jedoch noch ausgeprägter hervortreten. Seit jener Zeit ist die chinesische Sprache auf dem Wege der Lautvereinfachung noch weiter fortgeschritten. Auch wird die Sachlage dadurch kompliziert, daß die Lautvereinfachung nicht in allen Teilen Chinas gleich verlief. In einigen Gebieten sind die Endkonsonanten -p, -t, -k abgefallen, in anderen haben sie sich erhalten; hier haben sich die alten stimmhaften Anlaute b’-, erhalten, dort wurden sie zu p-, t-, k-, oder p’-, usw. So spaltete sich das Chinesische in eine große Anzahl von Dialekten. …

Da die chinesische Sprache schon etwa fünf Jahrhunderte n. Chr. eine störende Menge von Homophonen besaß, leuchtet es ein, daß diese weitere Lautvereinfachung die Schwierigkeit noch vergrößerte — wie radikal sie war, ist ja gezeigt worden. Alle heutigen Dialekte besitzen nur ein ziemlich beschränktes Lautmaterial mit sehr vielen Homophonen. Der Mandarin-Dialekt von Peking ist einer der lautärmsten, mit nicht mehr als etwa 420 verschiedenen Silben, und selbst von diesen sind noch viele einander ähnlich. …

Alle einfachen Wörter dieser hochentwickelten Sprache müssen somit auf diese rund 420 Silben verteilt werden. Ein kleines Wörterbuch nur der gebräuchlichsten Wörter führt etwa 4.200 Wörter auf, im Durchschnitt kommen damit zehn verschiedene Wörter auf jede Silbe. Man darf aber nicht glauben, die Wörter seien auf die vorhandenen Silben gleichmäßig verteilt — die Zahl der Homophone dieser oder jener Reihe ist einmal größer und einmal kleiner. Nur zwei der gebräuchlichsten 4200 Wörter werden run, aber 69 werden i [yi], 59 shi und 29 ku [gu] ausgesprochen usw.

Jedoch gibt es einen Hoffnungsschimmer in diesem scheinbaren Chaos. Wir müssen jetzt ein bestimmtes phonetisches Mittel betrachten, welches die Homophonie erträglicher macht: den ‚Wortton‘ oder den musikalischen Akzent. ... Jedem chinesischen Wort ist eine bestimmte Melodie eigen, und im übrigen gleichlautende Wörter unterscheiden sich durch ihren Ton. Wie der Schwede giftet ‚Heirat' von giftet ‚Gift' sogleich durch den Ton unterscheidet, so auch der Chinese mit seinen Wörtern. …

Sagt ein Chinese aus Peking zhū [豬], bedeutet das ‚Schwein', sagt er zhú [竹], bedeutet es ‚Bambus'. So heißt zhǔ [主] ,Herr, Meister, Gott', und zhù [住] ist ‚wohnen‘. Es wäre natürlich eine Katastrophe, wenn ein ausländischer Missionar zhū ‚Schwein' mit zhǔ ‚Gott' verwechselte. …

Dem westlichen Denken muß sich nun die Frage aufdrängen: Wie ist es überhaupt möglich, eine Sprache mit so vielen Homophonen zu handhaben? Wie kann man wissen, wenn man ein i- hört, ob der Sprecher ‚Kleidung’, ‚sich verlassen auf‘ oder ‚heilen' meint? Darauf gibt es nur eine Antwort: Es ist völlig unmöglich, es sei denn, der Sprecher greift zu einem weiteren Hilfsmittel. …

Diese Mittel waren verschiedener Art. Die Bildung von Synonym-Komposita, wie man sie nennen könnte, war das häufigste und weitaus wichtigste. Sie bestand darin, zwei zuvor allein gebrauchte einfache Wörter gleicher oder ähnlicher Bedeutung zu verbinden. Wir haben bereits gesehen, daß es nicht weniger als 38 häufig gebrauchte Wörter mit der Aussprache ‚i‘ [yi] gibt. Eines von ihnen heißt ‚Bedeutung, Gedanke'. Hört man nun ein isoliertes ‚i'  [yì 意]  so kann man unmöglich wissen, welches der 38 Wörter dieser Reihe gemeint ist. Aber es gibt noch eine Silbe si [思], mit der Bedeutung ‚Gedanke, ‚Bedeutung' neben ‚dies' „Diener‘, ‚privat‘, ‚zerreißen', ‚kontrollieren' usw. Somit ist ein alleinstehendes ‚si‘ ebenso unbestimmt wie ein alleinstehendes. Setzt der Chinese aber beide zusammen und sagt yìsi [意思], so deutet er hiermit an, daß er eine Verbindung von ‚Bedeutung' und si- = ‚Bedeutung' beabsichtigt, wodurch er einen unmißverständlichen Ausdruck für ‚Bedeutung' erhält.“
(Bernhard Karlgren: Schrift und Sprache der Chinesen. Berlin, Heidelberg: Springer, 1989. ISBN: 0-387-07108-3)

Die Vier  (四 sì) ist die Zahl mit dem schlechtesten Karma. Ähnlich mit (死 sǐ) dem Tod vermeidet man diese Zahl wo immer es geht. Man sprich auch nicht gerne vom Tod, denn das bringt Unglück. Kein Chinese wird freiwillig eine Telefonnummer mit 4 haben wollen. In Hotels gibt es keine Zimmernummer mit der Vier.

Chinesische Homophone

迷路 麋鹿 手勢 首飾 守勢 芙蓉 夫容
mí​lù
verirren
mí​lù
Hirsch
shǒu​shì
Geste
shǒu​shì
Schmuck
shǒu​shì
Defensive
fú​róng
Hibiskus
fú​róng

 

Japanische Homophone

交渉 高尚 公証 口承 鉱床 工商 厚相
kōshō
Verhandlung
kōshō
Vornehmheit
kōshō
Beglaubigung
kōshō
Überlieferung
kōshō
Erzlager
kōshō
Industrie und Handel
kōshō
Sozialminister
哄笑 考証 校章 工匠 公称 公娼  
kōshō
schallendes Gelächter
kōshō
Quellenforschung
kōshō
Schulabzeichen
kōshō
Handwerker
kōshō
Öffentlich-Werden
kōshō
lizenzierte Prostituierte
 

 

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