• Herzlich willkommen am Ostasieninstitut!
    Herzlich willkommen am Ostasieninstitut!
  • Schwerpunkt Korea
    Schwerpunkt Korea
  • Schwerpunkt China
    Schwerpunkt China
  • Schwerpunkt Japan
    Schwerpunkt Japan

Institutsleitung
Prof. Dr. Frank Rövekamp

Stellvertr. Leitung / Studienberatung
Christine Liew, M.Litt.
0621-5203-423

Sekretariat
Conny Scheurer
0621-5203-410

_______________________

pdf» Information in English (pdf)
pdf» Partner Universities (pdf)

05. Dezember 2012

Hunnenrede

匈奴人演說 Xiōngnúrén yǎnshuō (Hunnen + Menschen + Ansprache)
 
hunnenrede-willihaven
Kaiser Wilhelm II. (links) bei seiner Rede
(Foto: Wikimedia)
 
„Vor 100 Jahren war ganz Europa wegen des Boxer-Aufstands im fernen China in Aufruhr. Die fremdenfeindlichen Mitglieder der Gesellschaft einträchtiger Fäuste' [義和團 Yìhétuán], kurz ‚Boxer’ genannt, entluden ihren lang aufgestauten Hass gegen die das Riesenreich ausbeutenden Europäer, Japaner und Amerikaner in einem Rachefeldzug gegen die fremden Teufel'. Opfer wurden zunächst vor allem die christlichen Missionen im Land, schließlich waren alle Ausländer bedroht.“
(Egon W. Scherer in der Rheinpfalz vom 19. Juni 2000)
Willem Zwo mit Geflügel
(Foto: Wikimedia)
 
Die so genannte Hunnenrede hielt Kaiser Wilhelm II. am 27. Juli 1900 in Bremerhaven bei der Verabschiedung des deutschen Ostasiatischen Expeditionskorps zur Niederschlagung des Boxeraufstandes (義和團起義 Yìhétuán Qǐyì) in China. Er sprach dabei martialische Sätze wie die Folgenden:

„Ihr sollt fechten gegen eine gut bewaffnete Macht, aber Ihr sollt auch rächen, nicht nur den Tod des Gesandten, sondern auch vieler Deutscher und Europäer. Kommt Ihr vor den Feind, so wird er geschlagen, Pardon wird nicht gegeben; Gefangene nicht gemacht. Wer euch in die Hände fällt, sei in Eurer Hand. Wie vor tausend Jahren die Hunnen unter ihrem König Etzel sich einen Namen gemacht, der sie noch jetzt in der Überlieferung gewaltig erscheinen läßt, so möge der Name Deutschland in China in einer solchen Weise bestätigt werden, daß niemals wieder ein Chinese es wagt, etwa einen Deutschen auch nur scheel anzusehen.“
 
hunnenrede-scheel
Die Rede wurde von Wilhelm II. teilweise improvisiert. Noch am selben Tag wurden drei Textversionen in Umlauf gesetzt, von denen zwei von Graf Bülow, dem Staatssekretär des Auswärtigen stammten. Dieser wollte verhindern, dass erneut eine Rede des Kaisers in die Kritik geriet. Er verpflichtete daher die Journalisten darauf, nur die von ihm redigierte Fassung zu veröffentlichen, doch da war es schon zu spät. Später nannte Bülow diese Ansprache „die schlimmste Rede jener Zeit“.

Die nach China abgehenden Soldaten verstanden den Kaiser in seinem Sinn. Zum Beispiel berichtet ein Kavallerist in seinem Tagebuch:

„Er [der Kaiser] hielt eine zündende Ansprache an uns, von der ich mir aber nur folgende Worte gemerkt habe: ‚Gefangene werden nicht gemacht, Pardon wird keinem Chinesen gegeben, der Euch in die Hände fällt.’“
 
hunnenrede-globusbeisser
britische Karikatur
(Bild: Wikimedia)
 
Ihre größte Wirkung zeigte die Hunnenrede allerdings erst während des Ersten Weltkriegs, als die britische Kriegspropaganda die Hunnen als Synonym für die Deutschen verwendete.
„Schlagt den Hunnen mit Freiheitsanleihen zurück!"
 

aus der Kolonialzeit
Boxeraufstand 義和團起義 - fremde Teufel  洋鬼子 - Für Chinesen und Hunde verboten 狗與華人不得入內 -
Gelbe Gefahr - Hunnenrede - Clemens von Ketteler - Konzessionen 租界 - Opium 鴉片 - Opiumkriege 鴉片戰爭 - The Germans to the Front! - Tsingtau 青島 - Ungleiche Verträge 不平等條約 -  Völker Europas, wahrt eure heiligsten Güter! - Alfred Graf von Waldersee

logo

Ostasienlexikon
A - B - C - D - E - F - G - H - I - J - K - L - M - N
- O - P - Q - R - S - T - U - V - W - X - Y - Z

 

Über uns

Den Kern des Instituts bilden 15 ständige Mitarbeiter. weiterlesen ...

Studium

Das Studium schließt nach acht Semestern mit dem Bachelor of Science ab. weiterlesen ...

Publikationen

Veröffentlichungen und Forschungsbeiträge aus dem Institut  weiterlesen ...

Wort des Tages

Aktuelle chinesische oder japanische Begriffe weiterlesen...

Ostasienlexikon

Schlüsselwörter aus China, Japan, Korea, Mongolei, Hongkong, Macau und Taiwan weiterlesen...

Sprichwörter

„Es gibt da ein chinesisches Sprichwort …“ – Wer kennt sie nicht, diese Einleitung? weiterlesen...