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09. Juni 2015

koreanische Prüfungshölle

Koreanisch
고시촌, 考試村 Gosichon (Prüfungsdorf)

„Wer sich in Südkorea auf ein Examen vorbereitet, zieht vermutlich irgendwann an diesen Ort: nach Gosichon, einen Stadtteil von Seoul. In schallgedämpften Räumen, in einer Welt, die nur aus Bibliotheken und winzigen Lernhotels besteht, bereiten sich Zehntausende auf die einmal im Jahr stattfindenden Examen vor. Kein Sport, keine Freundschaften, keine Ablenkungen, das sind die Regeln Gosichons. Einer der Studierenden ist Sumin Oh. Ja, er habe die Hoffnung, die Prüfung zu bestehen, sagt er. Denn sonst? ‚Bin ich ein toter Mann.‘“
(Constanze Kindel in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung vom 4. Juni 2013: Schlaflos in Südkorea – Die härteste Examensvorbereitung der Welt)

Gosichon begann Mitte der 1970er-Jahre mit immer mehr Studieninstituten, dann zogen die Studierenden nach. Heute leben dort 23.000 Prüfungsanwärter, so genannte Gosi (고시). Sie leben dort wie in einem anderen Land. Manche leben für Jahre in den schäbigen Lernhotels.

Manchmal finden sich Paare. Die Mädchen bestehen meistens. Die Jungs nicht, denn sie sind nicht multitaskingfähig. Immobilienmakler und Kantinenbetreiber werben mit Noten und Namen ehemaliger Prüflinge und Lesesäle damit, dass sie nur zweimal am Tag die Tür zum Verlassen des Gebäudes öffnen. Um Mitternacht müssen die Mitarbeiter im Lesesaal das Licht ausmachen, damit die Letzten gehen. Kurz vor den Prüfungen liegen die Nerven so blank, dass einer, der seinen Platz verlässt, bei der Rückkehr vielleicht einen Zettel auf dem Tisch findet: „Du atmest zu laut“.

Es gibt Bewerber, die älter als 40 Jahre alt sind und immer noch jedes Jahr versuchen, die Prüfung zu bestehen. Sie leben immer noch vom Geld ihrer Eltern oder lassen sich von Freunden unterstützen.

Das Lernen bis zur Selbstaufgabe ist in Gosichon zur Philosophie überhöht. In schlauen Sprüchen an der Wand heißt es dann zum Beispiel: „Viele Versager sind Menschen, die nicht erkannt haben, wie nahe sie dem Erfolg waren, als sie aufgegeben haben.“ Bestseller mit Titeln „Wie man Versagen vermeidet“ behaupten, dass sich das Lernen perfektionieren lässt.

Die Suneung-Prüfung

In keinem anderen Land geben Familien so viel Geld für Privatunterricht aus, viele verschulden sich, um die Zusatzausbildung in den Nachhilfe-Instituten (학원, 學院 Hagwon) zu finanzieren, in denen nach Schulschluss weitergelernt wird. Der Privatunterricht ist eine Multimilliarden-Dollar-Industrie, und zielt auf einen einzigen Schicksalstag am zweiten Donnerstag im November. Die südkoreanische Hochschulprüfung wird im ganzen Land an einem Tag im November von 8:10 bis 18:05 Uhr geschrieben. Dann entscheidet eine Neun-Stunden-Folge von Tests über das Leben. Das glanzvolle Bestehen des „College Scholastic Ability Tests“ (CSAT; 대학수학능력시험, 大學修學能力試驗 Daehak Suhak Neungnyeok Siheom = Prüfung zur Feststellung der akademischen Reife; kurz: 수능, 修能 Suneung ) ist Voraussetzung für die Aufnahme an den besten Hochschulen des Landes.

Alle 500.000 Oberschüler müssen die gleichen Fragen beantworten. Ein staatliches Institut entwirft die Prüfungsinhalte, die Angst vor Betrug ist so groß, dass die beteiligten Lehrer fünf Wochen in ein Hotel eingesperrt werden und nicht mal mit ihrer Familie telefonieren dürfen.

Pflichtfächer sind Mathematik, Koreanisch und Englisch, sowie zwei naturwissenschaftliche und zwei sozialwissenschaftliche Fächer.

Als zusätzliches achtes Prüfungsfach werden auch chinesische Schriftzeichen (한자, 漢字 Hanja) oder die zweiten Fremdsprachen angeboten (Deutsch, Französisch, Japanisch, Spanisch, Chinesisch, Russisch und Arabisch). Diese zusätzlichen Fächer haben aber nur den Charakter einer Zusatzqualifikation. Daher ist das Niveau auch eher niedrig.

  • Koreanisch (80 Minuten)
  • Mathematik (100 Minuten)
  • Englisch (70 Minuten)
  • sozialwissenschaftliche und naturwissenschaftliche Wahlfächer (126 Minuten)
  • chinesische Schriftzeichen bzw. zweite Fremdsprache (40 Minuten)

Am Tag der Suneung-Prüfung wird der Arbeitsbeginn um eine Stunde hinausgeschoben, damit keine Prüflinge im Berufsverkehr stecken bleiben. Schüler, die verschlafen haben, können über eine Notrufnummer eine Polizeieskorte anfordern. Um die Prüfungsruhe nicht zu stören, werden Flugpläne geändert, dürfen Autofahrer nicht hupen, müssen Bauunternehmen die Arbeit unterbrechen. Zwischen 13:10 Uhr und 13:30 Uhr dürfen im ganzen Land keine Flugzeuge starten oder landen, da während des Englisch-Tests eine Hörverständnisübung stattfindet.

Die Mütter verbringen den Tag betend vor den Schultoren. Abends werden die Antworten veröffentlicht und die meisten Prüflinge wissen zu 80 Prozent genau, wie sie abgeschnitten haben.

Suneung-Film


Judy Suh: ExamiNation: a short documentary

ExamiNation is a short documentary film about the notorious South Korean college entrance exam, Sooneung (수능). The film shows how one exam can dictate a culture and lifestyle in a country. Almost all high school students in Korea prepare for this rigorous and extremely competitive 8-hour exam that happens once a year. On this day, the whole country will pause for these students to take this “life-changing exam.” The film captures the experience of high school students through a day in the life of one student working toward this exam.

Das Ziel der Prüfung

Der Traum aller Oberschüler: „They want to reach the SKY.SKY steht für die drei Top-Universitäten: Seoul National University, Korea University und Yonsei University.

Die Suneung-Prüfung entscheidet aber nicht alleine. Es gibt ein so genanntes „Dreieck des Todes“, das aus der Suneung-Reifeprüfung, dem Notendurchschnitt und einer Prüfung besteht, die von den 30 besten Universitäten abgenommen wird.

Als Erklärungen für die nationale Bildungsbesessenheit werden die konfuzianischen Werte herangezogen und darauf hingewiesen, dass es in China und Japan auch nicht viel anders ist. Wer eine Elite-Universität besucht aht, bekommt nicht nur einen guten Job, sondern hat auch bessere Chancen auf dem Heiratsmarkt.

Südkorea hat die höchste Studienanfängerquote der Welt, 82 Prozent aller Schulabgänger schreiben sich an einer Hochschule ein. Wer in Seoul studieren möchte, muss in der Highschool mit vier Stunden Schlaf pro Nacht auskommen. Für andere Hochschulen reichen sechs Stunden Schlaf.

 

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