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08. Oktober 2013

Glücksspiel

赌博 dǔbó (wetten + spielen)

 

Fāntān (番摊 = mehrfache Abteilungen) ist ein einfaches Glücksspiel mit Bohnen. Jacob Riis beschreibt 1890 in seinem Buch über die Unterwelt New Yorks, sein Betreten eines Fāntān-Spielsalons:
„Beim ersten Schrittgeräusch der Ledersohlen auf den Treppenstufen setzte das Stimmengewirr aus und die Gruppe der Chinesen, die über ihr Fan-Tan-Spiel gebeugt waren, hörten auf zu spielen und beobachteten den, der kam, mit bösen Blicken. Fan Tan ist ihre vorwiegende Leidenschaft.“ (Foto: Wikimedia)

dubo

赌博, 祸患之源!
Dǔbó, huò​huàn zhī yuán!
Glücksspiel, der Anfang des Unheils!


„Glücksspiel ist die Lebensluft des Chinesen. Vom Millionär bis zum niedrigen Kuli sitzt es jedem im Blute. Glücksspiel ist seine Welt, ganz gleich ob es sich um viele Dollars oder um wenige Kupfermünzen handelt.

Der Chinese ist von Hause aus ein gesprächiger und lärmender Mensch, besonders in Restaurants und in jenen öffentlichen Unterhaltungsstätten, wo er seine Mußestunden verbringt. Sonderbarer Weise aber nimmt der Chinese das Spiel tödlich ernst und huldigt ihm in feierlichem Schweigen. Man kann tatsächlich sagen, dass nur zwei Gelegenheiten den Bewohnern -des Reiches der Blumen die Möglichkeit geben, restlos den Mund zu halten: das Gebet und das Spiel. …


Das alte Weib in Lumpen, das mich eben so herzzerbrechend um ein Kupferstück anwimmerte, finde ich sicher an der nächsten Ecke wieder, vertieft in das alte Volksspiel ‚Kopf oder Schrift.’ Sie versucht ihre Kupfer zu vermehren. Aber fast stets geht sie ‚niedergebrochen’ davon, umgleichmütig eine Straße weiter ihre Bettelei wieder aufzunehmen. Der chinesische Spieler ist Philosoph und kennt weder Reue noch Bedauern. Er glaubt, das Glück muss um die Ecke auf ihn warten und wird schon irgendwie den Weg zu ihm finden.

Schließt die Behörde, wie es immer wieder versucht wird, irgend eine Spielhöhle, so ersteht sie innerhalb weniger Stunden an anderer Stelle neu. …

Allmählich gewöhnt sich das Auge an den dicken Zigarettenrauch, der alle Räume erfüllt, und kann versuchen, die Gesichter an den verschiedenen Tischen zu studieren. Männer und Frauen aller Klassen, in der Kleidung ihres Standes, sitzen dicht gedrängt, aber eines ist allen gemeinsam: ihre Gesichter sind ausdruckslose Masken und verbergen vollständig ihre innere Erregung. Ich hatte schon früher öfter gehört, dass der Chinese das beste ‚Pokergesicht’ der Welt besitzt. Hier sah ich es bestätigt.

Die Leitung sorgt für sehr verschiedene Arten von Spielen. Aber alle verfolgen das gleiche Ziel, die Menschen mit möglichster Schnelligkeit und Einfachheit von ihrem Gelde zu trennen. …

Ich war durch die verhältnismäßig große Anzahl von Frauen an den Spieltischen überrascht, von denen einige offenbar nichts weniger als Neulinge waren und ähnlich ihren Kameradinnen in Monte Carlo mit Füllfederhalter und Papier das ‚System’ festzustellen suchten. Unter ihnen befanden sich viele gut gekleidete, bürgerlich aussehende und sogar bebrillte Matronen, Gerade sie machten die höchsten Sätze, ein Beweis dafür, dass es in China, genau so wenig wie in der übrigen Welt, immer richtig ist, der Frau die Verwaltung der Einkünfte anzuvertrauen. ...

Der nächtliche Spielumsatz muss in die Millionen gehen, und die Jahresprofite der Unternehmer erreichen astronomische Grenzen. Ein leises Gefühl des menschlichen Irrsinns und Unsinns bleibt zum Schluss zurück. Man kann den Besuch nicht einmal bedauern, der einem wieder bestätigte, dass der Chinese der unverbesserlichste Spieler unter allen Völkern ist.“
(Adolf Josef Storfer: Gelbe Post. Heft 1 - 7. Shanghai, 1933. Reprint: Turia + Kant. ISBN 3-85132-210-X)

Glücksspiele gibt es schon seit 5.000 Jahren. Aus dieser Zeit stammen die ältesten Funde sechsseitiger Würfel in China und im alten Mesopotamien.

Die Spielleidenschaft der Chinesen wird zunehmend zum Wirtschaftsfaktor. Nach der Machtübernahme der Kommunisten im Jahr 1949 war Glücksspiel verboten. 1987 öffnete die erste staatliche Lotterie, deren Einnahmen wohltätige Zwecke unterstützen. Neben dem Zahlenlotto gibt es seit 1995 unter staatlicher Aufsicht Wetten auf Sportergebnisse. Am schnellsten wächst das Geschäft mit Sportwetten, die zu 90 Prozent auf Fußball setzen.

 

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